www.bx4.ch

Portugal 2021, Etappenlog

Logbuch Etappe 10:
Muros und Finisterra

von Cabo Cruz, Marina nach Enseada del Sandiñero 

(22.08.2021 - 28.08.2021), Anzahl Tageseinträge: 7

Mit einem navigatorisch sehr spannenden Segeltörn erreichten wir die nördlichste der galizischen Rías Baixas, die Ría Muros e Noia. Hier machten wir einen Besuch in Noia, bestiegen den Monte Louro oberhalb Muros und segelten dann in die grosse Bucht beim Cabo Finisterra, wo wir zwei schöne Nächte verbrachten. Eigentlich soll es ja typisch sein für Galizien, der dichte Nebel. Aber wenn man selber drin steckt, wird es doch spannend, und das passierte uns hier gleich zweimal.


Eine der steinigen Inseln in der Passage hinter der Insel Sálvora, hinten der Sandstrand von Corrubedo mit der grossen Sanddüne.

Cabo Cruz, Marina - Portosin, 39 sm.

Wetter: schön, NE3-4, Böen 5.

Segeltag von Ría zu Ría

Heute wurden wir vor Sonnenaufgang vom Wecker geweckt. Wir verabschiedeten uns vom netten Hafenmeister, der uns anbot, beim Ablegen zu helfen. Aber diese Hilfe sind wir nicht gewohnt und brauchten wir auch nicht. Die kleine, gepflegte, ruhige Marina mit den neuen Stegen hat uns sehr gefallen.
Gleich wurden die Segel ausgerollt und dann gings mit Raumwind aus der Ría Arousa hinaus. Zwischen der Insel Sálvora (gehört auch zu den geschützten Atlantikinseln Galiziens) und dem Festland hatte es eine Unmenge von Untiefen und Steinen und kleinen Inseln. Hier führte ein sehr schmales Fahrwasser hindurch. Es hatte hier keinen Atlantikschwell, wir konnten durch die zwei Nadelöre segeln. Zwischen den beiden Durchgängen hatten heute Ruderer ein Wettrudern, die 12-Mann-Boote waren wesentlich schneller als wir! Nach dem zweiten Pass schlief der Wind ein und wir brauchten für 20 Minuten den Motor. Er kam dann aber schnell wieder und dann brauchten wir bald das erste Reff in beiden Segeln.
Wir sahen schon auf dem AIS, dass die Entropy auch unterwegs war. Als sie uns anfunkten, klappte die Verbindung nicht. Jetzt wissen wir warum: unser Funkgerät im Cockpit hat ein Problem, wir können hören, aber nicht gehört werden! (das merkten wir, als wir uns im Hafen anmelden wollten). Wie schade, konnten wir nicht mit Entropys plaudern. Entropy trafen wir erstmals und dort mehrmals in der Karibik, aber wir trafen uns nie für ein längeres Gespräch, aber wenigstens e-Mails konnten wir austauschen. Auch hier in Galizien verpassten wir uns schon mehrmals knapp.
In die Ría Muros e Noia mussten wir gegen den hier typischen NE-Wind aufkreuzen und kamen nach einigen Wenden nach Portosin, wo wir noch einen Platz bekamen, obwohl der Hafen sehr gut gefüllt war.
Am Abend waren wir so richtig müde.


In Noia, einem kleinen Städtchen mit Vergangenheit.

Portosin - Portosin, 0 sm.

Wetter: schön, starker NE-Wind, heiss.

Veloausflug nach Noia

Wir fuhren die 10 km nach Noia mit dem Velo. Es gäbe auch einen Bus, aber Bewegung tut ja gut. Allerdings war es schon ziemlich heiss, als wir losfuhren und es ging bergauf und bergab auf der Küstenstrasse mit viel Verkehr. Aber die Autofahrer sind hier sehr rücksichtsvoll und warten geduldig, bis sie überholen können.
Noia ist ein hübsches, kleines Städtchen mit einer grossen Fussgängerzone. 2016 war ich ja schon einmal hier, aber die vielen Läden hatte ich damals gar nicht gesehen. Und heute waren sehr viel Leute unterwegs. Den kleinen Laden hinter der Kirche fand ich schnell und weil noch Zeit war bis zur Mittagspause von Maria, spazierten Toni und ich noch durchs Städtchen. Diese Woche war eine Festwoche, morgen ist hier Feiertag, deshalb waren so viele Leute in der Stadt. Um 14 Uhr waren die Restaurants voll, wir fanden aber doch noch einen Platz draussen. Und mehr als einen Salat brauchten wir bei dieser Hitze gar nicht.
Schnell verging die Zeit, wir schwatzten und spazierten dann wieder zurück, denn um 16.30 Uhr musste Maria wieder im Laden sein.
Toni war vor dem Mittagessen wieder zurückgefahren, so pedalte ich alleine nach Portosin. Der Strand unterwegs war propenvoll, aber die Badesachen hatte ich gar nicht dabei. Die Wassertemperatur (etwa 15-16 Grad) lockte nicht so.
Auf dem Boot genossen wir den Abend. Der Wind frischte noch mehr auf.


Die Segelschule der Kleinsten und der Jungen bei Portosin, Blick aus unserem Cockpit.

Portosin - Portosin, 0 sm.

Wetter: schön und heiss, zuerst starker NE-Wind, abnehmend bis am Abend bis windstill.

Gemütlicher Hafentag

Die Nacht war stürmisch, das Boot zerrte an den Festmachern, es schaukelte und lärmte. Auch am Morgen war der Wind noch stark, wurde aber mit jeder Stunde schwächer.
Im Hafen war nicht so viel los. Nur die Segelschule mit den Kindern fuhr zur Morgenlektion aus und das grosse Boot der Schweden legte ab.
Wir spazierten zum nächsten Laden zum Einkaufen. Dort war viel Betrieb, anscheinend kauft man hier am späten Vormittag ein!
Es wurde immer wärmer (gemäss Wetterbericht war es 31°C), und der Wind verschwand am Nachmittag ganz. Die Ría wurde ganz flach wie ein See, aber die Kinder waren für ihre Segellektion trotzdem auf dem Wasser. Und für uns gab es noch einen kleinen Spaziergang ins Dorf Portosin. Elisabeth ging noch an den nahen Strand, um sich abzukühlen (Atlantikwassertemperatur 16°C).


Der Nebel über der Meeresoberfläche in der Ría de Muros e Noia war teilweise sehr dicht. Mit der Sonne im Rücken sehen wir diesen Nebelbogen.

Portosin - Muros, 6 sm.

Wetter: tws. dichter Nebel, sonst bewölkt, W-SW 2-3.

Nebelfahrt zur historischen Hafenstadt Muros

Mit einer Wende in der Ría erreichten wir Muros, segelnd von Hafenmole zu Hafenmole, allerdings sahen wir nicht viel von der Landschaft und den Bergen rund um die Ría, teilweise steckten wir im dichten Nebel, und wir nutzten den Radar. Es hatte gerade genug Wind, um mit ca. 5 kn zu segeln, manchmal war uns das fast zu schnell bei dieser Sicht. Schon um die Mittagszeit waren wir hier.
Nach dem Check-in fand Elisabeth die Lavanderia, und nach dem Mittagessen wurde diese auch genutzt, und etwas später flatterte die Wäsche an der Wäscheleine am Schiff.
Nach dem Trocknen der Wäsche machten wir noch ein Sightseeing durch Muros. In der Umgebung hat es Felsreliefzeichnungen, hier fand also schon vor 3-4000 Jahren eine Besiedlung statt (wie fast überall in Galizien). Die Kleinstadt selber scheint uns nicht sehr alt oder mittelalterlich, sondern hat eine gewachsene Struktur um den Hafen herum (von sehr alt (verfallen) bis zu modern und neu), und die Fischerei bzw. heute die Aquakultur (Muscheln) prägen auch die Struktur des Ortes: Horizontale Strassen auf 3 Ebenen längs, und teils steile Gassen und Treppen quer zum Strand bzw. zum Hafen hinunter. Viele (neuere) Häuser haben die typischen Erker bzw. Fensterfronten, wie es in A Coruña sehr ausgeprägt ist. Offensichtlich hat auch der Tourismus seine Bedeutung, die Parkplätze waren gestopft voll, und die Beizen zum Teil auch. Aber dieses Hafenstädtchen ist hübsch und ein Besuch lohnt sich.


Im Aufstieg zum Monte Louro am Eingang der Ría de Muros e Noia, hinten die Bade- und Ankerbucht San Francisco.

Muros - Muros, 0 sm.

Wetter: neblig und grau/bedeckt, ohne Wind, später etwas Sonne.

Velotour und Wanderung Monte Louro

Heute war es am Morgen grau und neblig. Wir wussten, dass die Sonne irgendwann kommen sollte. Aber sie kam nicht so schnell. Auch am Nachmittag war es noch grau, wenn auch weniger neblig. Wir fuhren trotzdem mit den Velos los, auf der alten Landstrasse nach Louro, wobei es von Muros zuerst recht steil über einen kleinen Pass ging. Beim Beginn des Fussweges auf der anderen Seite der Bucht stellten wir die Bromptons hinter einen Baum und wanderten auf dem schönen Wald- und Bergweg hinauf zum Aussichtspunkt, den Monte Louro auf 221m ü.M.
Zwei junge Spanier kamen uns entgegen. Sonst waren wir allein, die übrigen Leute fahren mit dem Auto um den Berg herum zum Leuchtturm Louro. Oben war es immer noch grau, aber der Blick auf das Meer war trotzdem schön. Wir konnten knapp auch das Cabo Finisterra sehen. Wir sahen mehrere Segelboote nach Süden oder nach Muros fahren.
Leider hatten wir kein Gefäss für die vielen Brombeeren dabei, die hier süss und reif an den Büschen hingen.
Als wir wieder bei den Velos waren, kam plötzlich die Sonne und es wurde ziemlich warm. Der Aufstieg zum Pass oberhalb Muros war von dieser Seite weniger steil, auf Muros hinunter ging es dann schön schnell.
Im Hafen waren mehrere Segler angekommen, auch zwei norwegische junge Familien mit kleineren Kindern. Alle wollen diesen Winter über den Atlantik.
Am Abend wurde noch der Wassertank gefüllt, das dauert, weil wir das Wasser langsam durch einen zusätzlichen Kohlefilter laufen lassen. Sobald es dunkel wurde, kühlte die Luft wieder ab.


Die graue Nebelwalze stürzt von der Atlantikseite über die Halbinsel des Cabo Finisterra

Muros - Enseada del Sandiñero, 28 sm.

Wetter: sonnig, zwischendurch dicker Nebel, SW2 – NNW5.

Nach Norden aufkreuzen

Weil es am Vormittag windstill und auch sonst nicht viel Wind angesagt war, warteten wir mit dem Ablegen bis Mittag, in der Hoffnung, dass es noch etwas thermische Winde geben werde.
Der Hafendelphin, ein zahmer Delphin, der mit den einfahrenden Schiffen jeweils in den Hafen kam, war auch wieder da und kratzte sich den Rücken und den Bauch an dem Dinghi vom übernächsten Segelboot.
Noch schnell ein kurzer Besuch beim heutigen Markt und danach legten wir ab.
Die Segel konnten gleich vor dem Hafen gesetzt werden und dann musste nach dem Cabo Louro (den Hügel darüber hatten wir gestern bestiegen), aufgekreuzt werden. Schon bald kam Nebel auf und die Sicht wurde immer schlechter und schwieriger.
Der Skipper verschüttet den Kaffee im Cockpit, stiess die Kopf am WC-Fenster an (nicht zum ersten und wohl auch nicht zum letzten Mal), und dann war auch der Akku vom kleinen Foto gerade leer, als er das aus dem Nebel auftauchende Segelboot fotografieren wollte, und die Brille war ständig beschlagen bei dieser Feuchtigkeit, die Sicht sowieso miserabel und der Wind drehte nicht zu unseren Gunsten. Alles zusammen hob nicht gerade die Stimmung!!
Schliesslich konnte aber der richtige Kurs mit dem inzwischen auf 4-5 bf aufgefrischten Wind ohne weitere Wende gefahren werden. Dann plötzlich, ca. 5 nm vor dem Tagesziel verschwand der Nebel, das Land und das Kap Finisterra waren zu sehen und die Welt war wieder in Ordnung.
Wir ankerten in der Bucht Enseada del Sardiñero, wo die Leute sich noch am Strand vergnügten und die letzten Sonnenstrahlen genossen. An der Sonne und im Windschatten der Sprayhood konnten wir uns wieder aufwärmen, Apero und Znacht draussen geniessen. Doch als die Sonne untergegangen war, verkrochen wir uns in den Salon, denn es kühlte schnell ab.


Geankerte Regina in der Enseada del Sandiñero, Galizien, im Hintergrund das Cabo Finisterra mit dem Leuchtturm.

Enseada del Sandiñero - Enseada del Sandiñero, 0 sm.

Wetter: fast ganzer Tag grau und bedeckt, leichter Zug von N.

Gemütlicher Ankertag

Wir hatten es nicht eilig mit Aufstehen, ein Blick zum Fenster hinaus genügte, um nochmals unter die Decke zu kriechen.
Erst kurz vor Mittag wasserten wir das Dinghi und ruderten zum nahen Sandstrand, der heute leer und verlassen war. Wir besuchten das Restaurant für Kaffee und Wifi und ruderten dann wieder zurück. Die Sonne drückte durch die tiefen Wolken, aber sehr warm wurde es nicht, der Badestrand blieb einsam. Aber es war schön in unserer Bucht, zu sehen waren Wälder und Felsen und einige wenige Häuser oberhalb des Sandstrandes, sonst nichts. Keine Wellen, praktisch kein Wind, nur ein ganz schwacher Schwell brachte Regina sanft ins Schaukeln.
In der Nachbarbucht ankerten heute noch zwei zusätzliche Segelschiffe, und abends sahen wir einen grossen Rah-Segler, der offensichtlich noch eine Bucht weiter vorne ankerte. Immerhin hatten wir heute keinen Nebel, den Leuchtturm des Cabo Finisterre konnten wir immer sehen und dann am Abend auch sein Blinken.


 

Das ist der Text in der Fusszeile.