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Portugal 2021, Etappenlog

Logbuch Etappe 2:
Start in Lagos, Segeln Algarve

von Lagos Boatyard nach Ayamonte 

(03.06.2021 - 15.06.2021), Anzahl Tageseinträge: 13

Schiffsübernahme, ausgiebige Schiffs-Checks und sehr gründliche Reinigung, Suche nach den Bootsschlüsseln und auch schon erste kleine Reparaturen. Dann ein erfolgreicher Probesegeltag nach Portimão und dort Sightseeing, Einkäufe und viele Veloreparaturen. Segeln entlang der Algarve (Besuch der sehr teuren Motoryacht-Domäne Vilamoura und eine sehr schöne Ankernacht im Naturpark von Culatra) bis zum spanischen Ayamonte an der portugiesischen Grenze.


Unsere geputzten Fender über dem polierten Rumpf der Regina.

Lagos Boatyard - Lagos Boatyard, sm.

Wetter: Starker Nordwind, sonnig.

Putztag

Gleich am Vormittag gings los mit der Putzerei. Heute war ein Feiertag, die Werftarbeiter hatten frei. Aber mehrere Eigner waren mit ihren Booten beschäftigt. Wir befreiten Regina vom Vogeldreck und Staub. So verschmutzt war sie noch nie. Die Pause nutzten wir, um zum Pingo doce zu spazieren und einzukaufen. Danach kamen noch die verdreckten Fender dran. Auch heute war der Wind sehr stark und böig.
Znacht gab es früher als gestern und auf dem Boot. Wir füllten den leeren Wassertank. Jetzt muss nur noch das gebrauchte Wasser im Eimer die Leiter hinuntergetragen werden, das macht es einfacher.


Lagos: Vor dem Schwimmen ist Fliegen. Unterwegs vom Standplatz zum Einwassern.

Lagos Boatyard - Lagos Marina, 1 sm.

Wetter: schön, warm und N5-6.

Regina schwimmt

Am Morgen machten wir weiter an der Checkliste, es gab ja reichlich zu tun. Angefangen von der Kontrolle, weiter über die Installation, als letztes auch die Funktionsüberprüfung. Und immer wieder etwas, das zuerst gereinigt werden musste. Gegen Mittag kam Pedro von der Boatyard vorbei und teilte uns mit, dass sich wegen einer Absage noch ein Slot für das Einwassern heute Nachmittag um 16:30 Uhr ergeben habe. Und wir haben auch noch das Paket mit dem Gennaker-Bergeschlauch erhalten, das bereits seit März 2020 hier lagerte.
Schon kurz nach vier Uhr kamen die Mitarbeiter der Werft mit ihrem Kran und hievten das Schiff von seinem Bock. Mittlerweile ist wieder tüchtiger Nordwind aufgekommen, und wir hatten schon unsere Bedenken, ob man da Einwassern kann, zugleich waren wir fast bei Ebbe, also dem tiefsten Wasserstand. Aber die Arbeiter machen das ja nicht zum ersten Mal. Regina schaukelte so durch die Luft zum Wasserungsplatz, und dort durften wir wieder aufsteigen. Es ging schnell runter ins Wasser, Regina schwamm, zuerst mit dem Bug, dann ganz frei, die breiten Riemen wurden entfernt bzw. ganz ins Wasser abgelassen, und wir konnten losfahren. Der Motor lief (allerdings hatte ich Mühe zu starten: zuerst lief gar nichts, aber nach dem Einschalten der Starterbatterie (!!) ging auch der Anlasser, und der Motor startete wie gewohnt und drehte rund. Vorwärts und rückwärts ging auch, also raus aus dem Hafenbecken der Werft und Fischer und hinüber zum Meldesteg der Marina. Hier gab es dann bei 5-6 bft das erste Anlegemanöver, aber auch das schafften wir gut, Elisabeth bediente die Spring nach dem Aussteigen wie immer, und schnell war das Schiff mit den 4 Festmachern festgebunden und der Motor abgestellt.
Die Rezeption war immer noch voll-Covid ausgerüstet: nur ein Schalter und viel Plexiglas rund herum und all die Covid-Plakate auf Portugiesisch und Englisch. Wir erhielten einen Platz im vorderen Hafenbecken in der Nähe der Toiletten (und wie wir feststellen mussten in der Nähe der Bars und Restaurants). Das Ablegen vom Meldesteg funktionierte auch gegen 5 bft Wind, und das Anlegen in der Box war auch keine Herausforderung mehr, auch wenn der Wind mit 5-6 bft von hinten kam, es standen 4 Marineros da und halfen beim Anlanden und Festmachen.
Nochmals ein Spaziergang zum Hafenbüro und zur Hafeninfrastruktur, und dann kehrten wir zum Boot zurück. Die Regina schaukelte sanft im Wind.


Bei der Riggkontrolle macht Toni noch ein Bild auf der obersten Saling stehend nach unten.

Lagos Marina - Lagos Marina, sm.

Wetter: schön, heiss, starker N-Wind am Nachmittag.

Arbeitstag

Gleich am Morgen, solange es noch kühl war, ging es los. Toni auf den Mast zur Riggkontrolle: Kein Problem entdeckt. Danach bekam die Pantry ihren Frühjahrsputz. Wir hatten ja jetzt wieder Wasser und das ganze Geschirr musste gewaschen und dazu alle Schränke entstaubt werden. Der Wassertank wurde durchgespült, die Falls gewässert und entstaubt, die Vorratsbilge inspiziert und gereinigt, und die Vorspring ausgewechselt, denn bis zum frühen Nachmittag ist es hier fast windstill, bevor der starke Nordwind einsetzt. Auch musste einiges frisch geölt werden, das Ruder des Windpilots befestigt, etc. etc. zutun gabs mehr als genug.
Gegen Mittag wurde es heiss, doch am frühen Nachmittag kommt der starke Nordwind, der bis zum Abend anhält. Znacht gab es im Städtchen in einer Pizzeria. Es sind zwar schon einige Touristen hier, aber auch viele Einheimische flanieren am Abend. Es kühlt abends schön ab und ab 22 Uhr sind die Restaurants und Bars geschlossen und es ist dank Corona ruhig. Sehr angenehm!


Die Genuapersening, ein 18m langes Ding, musste nach 1 1/2 Jahren Betrieb wieder gereinigt werden. Sie hat ihren Zweck erfüllt und die Genua während unser Abwesenheit geschützt.

Lagos Marina - Lagos Marina, sm.

Wetter: schön und heiss, am nachmittag starker N.

Nochmals Arbeiten

Die Arbeit geht uns nicht aus. Am Morgen gegen 8 Uhr füllte ich die Waschmaschine mit den Spannleintüchern, mit denen die Polster abgedeckt waren. Alle Maschinen waren noch frei! Das war mir noch nie passiert, sonst gibt’s immer Warteschlangen. Bei Sonne und sanftem Wind war nachher alles schnell trocken.
Es gibt immer noch etwas zu suchen und zu räumen, aber es taucht nach und nach alles wieder auf. Die Genuapersening wurde heruntergeholt und abgespült, die Genuaschoten und die Rollerleine montiert, die Fender überzogen und die Sorgleinen wieder befestigt.
Und am Nachmittag, es war doch ziemlich heiss, brauchten wir eine Pause im Schatten des Biminis. Schnell war es wieder Abend. Und dann machten wir, was wir früher immer und in der letzten Zeit nie mehr gemacht hatten: einen Spaziergang über die Stege und Bootssightseeing. Es liegen hier einige Boote aus Deutschland, aus England viele, aber auch aus Canada, Amerika, Neuseeland, Holland, Frankreich, sogar Russland, Schweden, Norwegen. Abends kühlte es mit dem Nordwind wieder schnell ab.


Blick in den Yachtshop von Sopromar, wohl der einzige in Portugal in dieser Grösse und mit dieser Auswahl.

Lagos Marina - Lagos Marina, sm.

Wetter: schön und heiss, am Nachmittag starker N.

Schlüsselbund wieder gefunden

Wir machten hier heute so viel, dass wir am Abend gar nicht wussten, was wir alles gemacht hatten. Immerhin ist die Checkliste etwas kürzer geworden.
Das freudige Ereignis des Tages: der bei der Werft Sopromar verschollene Schlüsselbund mit drei Schlüsseln dran wurde gefunden! Als wir im Shop standen und unsere noch notwendigen Einkäufe erledigten, kam gerade Pedro vorbei und wir erinnerten ihn an unseren vermissten Schlüsselbund. Er nahm uns gleich mit ins «Schlüsselbüro», wo alle Bootsschlüssel nach Alphabet sortiert hängen, die dazugehörenden Boote stehen in der Werft. Ein Blick an diese Wand bei B und wir sahen unseren Korkanhänger, angeschrieben mit «Bouwer» (holländisch) und etwas kleiner «Regina». Pedro suchte damals unter R nach Regina und fand eben nichts. Der zweite Schlüssel, den wir zurückbekommen hatten, hat ein Schildchen nur mit «Regina», das war aber unser Ersatzschlüssel. Alle, besonders auch Pedro, freuten sich riesig. Keinen Originalschlüssel zu haben für den Dinghimotor, das Kabelschloss und das Steckschott wäre schon blöd!!
Gestern Abend machten wir noch eine Lichterkontrolle. Das rote Backbordlämpchen am Bugkorb wurde abends noch ausgebaut, weil es nicht mehr leuchtet. Nach komplizierter Demontage und Fehlersuche im ganzen Boot ist es jetzt klar, es ist nicht kaputt, nur der Draht ist bei einer Verbindung (tief im Ankerkasten) korrodiert und führte zum Ausfall.
Der erste Schwumm im Atlantik muss noch erwähnt werden: der Sand so heiss, das Wasser sehr, sehr frisch.


Das marode Kabel führte durch die Ankerkiste und musste hier ausgewechselt werden. Ein schöner Arbeitsplatz.

Lagos Marina - Lagos Marina, sm.

Wetter: schön, sehr heiss, am nachmittag etwas N.

Mit Verlusten ist zu rechnen…

Heute kam die Backbordlampe am Bugkorb dran. Ein neues Modell hatten wir gestern schon gekauft, allerdings nicht das gleiche, das gabs nicht. Die Messungen ergaben anschliessend, dass die rote Lampe gar nicht defekt war, sondern nur das Kabel. So konnte die gekaufte LED-Lampe wieder in den Laden gebracht werden und dafür wurde ein neues Kabel gekauft. Es gab aber nur ein dickes. Doch in der Bordreparaturkiste war noch ein anderes zu finden.
Am Mittag sassen wir wie tote Fliegen im Schatten und bewegten uns nicht. Heute war es sehr heiss.
Die Atlantikwellen waren heute höher, die Erfrischung hält dann doch lange an.
Am Abend wurde weitergearbeitet. Das Löten war nicht ganz so einfach, aber immer noch die gleiche Technik wie vor 50 Jahren in der Lehre. Und der 2.5mm-Imbusschlüssel versank im Hafenbecken. Es ist ja nicht das erste Werkzeug, das so verschwindet. Und es wird nicht das letzte sein, wenn man an so exponierten Orten arbeitet.


Endlich wieder einmal segeln, mit Halbwind an der Algarve unterwegs.

Lagos Marina - Portimao Marina, 10 sm.

Wetter: schön, heiss, zuerst S2-3, später N.

Endlich wieder einmal segeln

Am Morgen wurden noch die letzten Arbeiten um die Lampe gemacht (Kabel befestigen und Durchlass mit Gummi zukleben). So gegen 11 Uhr waren wir bereit für einen Hafenwechsel, nach dem Besuch auf dem Hafenbüro konnten wir kurz vor Mittag losfahren, die Brücke wurde extra für uns geöffnet, und wir fuhren im Kanal und dann aufs Meer hinaus. Die Segel wurden ausgerollt, und wir segelten Halbwind nach Osten.
Schon erstaunlich, alle Handgriffe funktionierten noch, offensichtlich kann man auch das Segeln wie das Velofahren nicht verlernen. Und auch erstaunlich: alle Leinen und Schoten waren richtig montiert, die Segel liessen sich – auch nach 20 Monaten Pause – problemlos ausrollen, alles funktionierte wie üblich und erwartet.
Unser Zielhafen war nicht so weit entfernt. Bereits nach 2 Stunden gab es das erste Hafenmanöver am Meldesteg, und nachher noch eines für die Einfahrt in die zugewiesene Box.
Am späteren Nachmittag – es war immer noch heiss – spazierten wir zur Touristenpromenade und dem grossen Sandstrand Praia da Rocha. Es hatte schon einige Touristen und Badegäste hier, aber doch nur wenige. Der sorgfältige Umgang der Portugiesen mit Corona sieht man gut, viele Leute haben ihre Maske immer mit und setzen sie sofort auf, wenn man sich etwas näher kommt, oder die Maske ist gerade immer auf. Bei den Touristen ist das nicht so konsequent. Allerdings in den Restaurants, Cafés und Bars hat dann niemand mehr eine Maske an.
Unsere Nachbarlieger sind auch Schweizer (aus Nyon), segeln aber mit einer polnischen Flagge. Sie fahren morgen Richtung Madeira, der Wind dorthin ist gerade optimal. Und sie wollen dann weiter in die Karibik und dann um die Welt. Sie haben eine Homepage, siehe unten.


Das Velo von Toni steht zur Reparatur auf dem Schiff in der Marina von Portimao, morgen hoffentlich wieder auf der Strasse.

Marina Portimao - Marina Portimao, sm.

Wetter: heiss, erst am Abend etwas böiger N.

Velopech

Heute kamen die Velos aus der Kiste. Wir wollten ins Städtchen und zum Baumarkt. Erst wurde geölt, gepumpt und kontrolliert. Dann fuhren wir los. Doch schon kurz nach dem Hafengelände machte es laut: «pffffff» und Tonis Vorderrad war platt. Also gings zu Fuss wieder zurück. Die Undichtheit war beim Schrader-Ventil und konnte nicht geflickt werden. Also wurde der vorhandene neue Schlauch eingesetzt. Weil es schon bald Mittagszeit war, assen wir noch unseren Hörnlisalat und fuhren danach wieder los. Doch schon bei den ersten 5 Metern war plötzlich der Hinterpneu luftleer.
Was ist da nur los?? Das lange Herumstehen an der Wärme bekommt einem Velo schlecht. Jetzt war es wirklich zu heiss zum Velofllicken und für die Stadt. Toni blieb im Schatten und ich ging an den Strand. Das Meerwasser ist hier viel wärmer als in Lagos, die Wellen nicht so hoch und ich konnte lange schwimmen. Allerdings war der Strand sehr bevölkert. Aber die allermeisten Badegäste stehen nur im Wasser. Schwimmer sind sehr selten und eine Schwimmerin sah ich nicht.
Es war ein heisser Tag. Regina ist ein schwedisches Boot und gibt die Hitze am Abend nicht so gut ab. Entsprechend lange dauert es, bis es im Boot wieder kühler wird. Toni machte vor dem Eindunkeln noch einen Blick aufs Velohinterrad: Diesmal war es nicht das Ventil, sondern am Schlauch, fast am gleichen Ort wie vor 3 Jahren in Norwegen. Aber das flicken wir morgen.


Einkaufen mit dem Velo in Portimao.

Marina Portimao - Marina Portimao, sm.

Wetter: schön, warm, am Nachmittag heftige N-Böen.

Veloeinkaufstour

Am Morgen, wir waren extra vom Wecker geweckt worden, wurde noch der Veloschlauch geflickt. Gestern wars dafür schon zu dunkel.
Dann fuhren wir los zu den Einkaufszentren. Zuerst dem Quai entlang in die Innenstadt und bis zum Bahnhof, nachher den Berg hinauf zur Gewerbezone mit den vielen Läden. Zuerst im Sportladen (Velosachen), dann im Baucenter (Werkzeug) und dann im Lebensmittelladen Continente. Nach 5 Stunden, alle Rucksäcke gefüllt und etwas müde kamen wir auf dem gleichen Weg wieder zurück. Es war heute nicht ganz so heiss, und in den Läden sowieso klimatisiert.
Am Nachmittag kam starker West- bis Nordwind auf (Böen 5-6bft) und es pfiff nur so in den Wanten.
Das Schwimmen gegen Wellen und Wind war zwar anstrengend, aber es tut einfach gut. Nur schade, dass ich immer allein gehen muss, der Skipper ist wasserscheu!
Es gab noch einiges zu tun und aufzuräumen und schon wars wieder Abend. Der Tag vergeht immer sehr schnell!


In der mondänen (und sehr teuren) Marina von Vilamoura, Blick aus unserem Cockpit.

Marina Portimao - Vilamoura, 27 sm.

Wetter: Am Morgen bedeckt, ESE4, später bewölkt / SE3 und SE1.

Segeln und Kulturschock

Heute standen wir etwas früher auf als sonst, und wir waren auch bald bereit zum Auslaufen. Aber wir waren zu früh: Das Hafenbüro machte erst um 9 Uhr auf. Wir hätten eine halbe Stunde länger schlafen können.
Wir wussten vom Wetterbericht, dass wir zuerst starken Ostwind haben werden, der dann langsam im Laufe des Tages nach Süden und Westen dreht. Schon bei der Marinaausfahrt sahen wir die Schaumkronen der Wellen ausserhalb der Mole. Wir setzten das Gross noch vorher.
Nun, Windstärke 4 ist nicht so viel, wir waren es einfach noch nicht gewöhnt. Bald ging es uns zu langsam, und wir rollten die gerefften Segel aus. Nach etwa einer Stunde mit Kurs ins offene Meer hinaus, machten wir eine Wende, mit unserem Wendewinkel und der Windabdrift zeigte der Bug wieder zum Land. Aber der Wind drehte dann ganz langsam nach SE und sogar etwas südlicher, so konnten wir mit unserem Ost-Kurs bald direkt den Hafen anpeilen. Aber leider wurde der wegdrehende Wind auch immer schwächer. Von unseren anfänglichen 6kn Speed waren am Schluss erbärmliche 2.4kn vorhanden. So gings halt die letzte Stunde unter Motor weiter, der Windmesser zeigte bald Windstille an.
Die Dame an der Reception war etwas umständlich, aber wir erhielten einen Platz für die beiden folgende Nächte. Als Erstes gab es für Regina eine gründliche Dusche / Wäsche, denn der trockene und staubige Nordwind der letzten Tage hat seine Spuren hinterlassen. Anschliessend schauten wir uns die Infrastruktur und das Hafengelände an.
Das Hafenbecken ist gesäumt mit vielen Restaurants und Bars. Und es war gerade eine Bootsausstellung hier (nur Motorboote). So flanierten entsprechend viele Leute, und es war sehr laut, jedes Restaurant hatte seinen eigenen DJ mit Sound. Es kam uns nicht sehr international vor, es schienen vor allem Portugiesen zu sein, die schauten und sich beschauen liessen. Das dürfte wohl auch mit der sehr mondänen Umgebung zusammenhängen, denn das Hafenbecken war voll mit grossen und sehr grossen Motoryachten. Es waren viele, Vilamoura sei die grösste Marina an der Algarve. Zusätzlich gibt es hier viele Boatcharter, d.h. Gruppen von jungen Leuten machten eine Rundfahrt auf dem Meer mit Tanz und Party.
Hier gehören wir irgendwie nicht dazu, das sind andere Welten.


Der noch nicht sehr belebte Strand (trotz Sonntag) von Quarteira bei Vilamoura.

Vilamoura - Vilamoura, sm.

Wetter: schön, Wind meist aus SW.

Arbeitstag und Ärger

Für den Genaker hatten wir einen neuen Bergeschlauch bestellt, der seit Frühling ’20 in Lagos auf uns wartete. Heute hatten wir Zeit und vor allem den Platz, um das grosse Segel umzupacken. Der Steg war frei und sauber, so konnten wir den langen Stoff dort auslegen. Und es war schnell gemacht.
Wir bewegten uns bei einer kleinen Ausfahrt mit den Velos nach Quarteira, dem Nachbar-«Dorf». Die Strandpromenade war bevölkert, aber es waren noch unendlich viele Liegestühle unbesetzt. Die Hochsaison ist noch nicht da.
Die Luft war angenehm und der Wind kühl. Zurück auf dem Boot wurde noch der Achterstauraum unter den Kojen optimiert. Irgendwie gibt es immer mehr Material zu verstauen!
Am Abend klemmte das Hafenwifi, was den Toni immer ziemlich ärgert; heute vor allem, weil die Seekarte noch einen Update benötigte. Vielleicht funktioniert es morgen früh besser. Auch das Resultat der Abstimmungen in der Schweiz ist ärgerlich. Vielleicht ein Grund zum Auswandern? Aber wo ist es besser und wo sind die Menschen vernünftiger und denken nicht nur an sich und den Moment??
Morgen segeln wir an die Südspitze von Portugal und ankern hinter der Insel Culatra, dort werden wir wahrscheinlich zwei Tage bleiben und dann nach Spanien weitersegeln. Am Ankerplatz wird es wohl kein Internet haben.


Der Leuchtturm auf Culatra, heisst Faro und befindet sich an der südlichsten Spitze von Portugal, Cabo de Santa Maria.

Vilamoura - Culatra, 17 sm.

Wetter: sonnig, schwacher S, später sehr diesig mit SW2-W4.

Segeln und Ankern

Wir hatten es nicht eilig, denn der Wind kommt doch erst später auf, und die Einfahrt zum Ankerplatz vor Faro und Ilhâo ist gezeitenstrombedingt erst nach dem Mittag möglich. Kurz vor 11 Uhr verliessen wir den Hafen und rollten die Segel noch fast in der Hafeneinfahrt aus. Entlang des ewig langen Sandstrandes von Quarteira und Faro segelten wir gemütlich mit Halb- und später Raumwind zum Cabo Sta. Maria, dem südlichsten Punkt von Portugal. Es hatte fast keine Wellen, so konnten wir mit 8kn Wind 6kn schnell segeln, ein sehr schönes Gefühl.
Die Einfahrt in die Lagune von Faro und Ilhâo hinter der Insel Culatra war ein bisschen speziell. Der Einfahrt vorgelagert ist fast eine Art von Süll, eine steile etwa 30m hohe unterseeische Wand grenzt die Lagune vom Meer ab, gleich dahinter geht es wieder 30 m hinunter, diese Barre selber ist etwa 8-10m unter Wasser, dürfte aber bei Starkwind aus Süden und hohen Wellen ein grösseres Problem darstellen. Im Fahrwasser mit etwa 2.5kn Mitstrom kamen wir schnell in die Lagune und dann weiter zum Ankerplatz vor der Ortschaft Culatra auf der gleichnamigen Insel.
Das Ankern war eigentlich ohne Problem trotz etwa 15kn Wind, immerhin kamen der Wind und der Strom aus der gleichen Richtung. Nach einer Weile merkten wir, dass wir ganz langsam nach hinten rutschten, fast unmerklich, aber doch etwa 2 m in einer Stunde: oha, der Anker hält offenbar doch nicht so gut. Anker auf, und etwa 100m daneben nochmals das Ankermanöver, diesmal hielt der Anker perfekt. Dieser Ankerplatz ist sehr bekannt (es gibt in Portugal ja nicht so viele solche Stellen) und entsprechend auch dicht genutzt, im Hafenhandbuch steht, dass in der Ferienzeit über 100 Yachten hier Platz fänden. Heute waren es etwa 40.
Nach dem Sonnenuntergang sahen wir die vielen Ankerlichter und die Lichter der Städte Faro und Ilhâo. Obwohl wir gerade in der Anflugschneise des Flugplatzes lagen, war es nicht so schlimm, es flogen nicht zu viele Flugzeuge, und diese waren hier noch recht weit oben.


Im Städtchen Ayamonte am Rio Guadiana, gegenüber von Portugal.

Culatra - Ayamonte, 34 sm.

Wetter: am Morgen grau und diesig, ohne Wind, später SW2 mit etwas Sonne.

In Spanien angekommen

Wir hoben den Anker - die Kette war voll mit schwarzem Schlick und Lehm und musste laufend gespült werden, aber so tief eingegraben hielt der Anker in alle Richtungen - und fuhren zusammen mit einem englische Boot aus der Bucht, den Fluss hinunter. Es war praktisch windstill. So früh sollte man hier gar nicht los, der Wind kommt erst mit der Thermik. Heute war es aber neblig-bewölkt und der Wind liess auf sich warten. Aber unser alter Diesel muss ja aufgebraucht werden, bevor er noch älter wird.
Gegen Mittag, als der Wind kam, konnten wir den Gennaker ausprobieren. Der neue Bergeschlauch funktioniert! Es war ein gemütliches Segeln ohne Wellen und mit wenig Verkehr. Nur auf die Fischerbojen mussten wir aufpassen. Wir kamen zum nächsten Fluss, Rio Guadiana, den wir mit einlaufendem Wasser befahren mussten. Das Zeitfenster passte.
Die spanische Marina Ayamonte war aber noch in der Siestapause, die bis 5 Uhr geht. Hätten wir besser auf der anderen Seite des Flusses in die portugiesische Marina gehen sollen?
Ein Hilfs-Marinero war da, er öffnete für uns das Gate und wir konnten zurück zum Boot und an den richtigen Steg fahren. Und schnell war es auch später geworden, hier hat es nämlich MEZ und nicht Portugalzeit. Also eine Stunde später als bisher.
Das Städtchen ist sehr hübsch und lebt. Alle Leute waren wieder draussen, viele Kinder spielten auf den Plätzen mit schönen Steinbänken. Aber wegen Covid hatten alle Leute draussen ihre Maske an, nur im Restaurant, wo man sich ja richtig nahe kommt, braucht es keine Maske.


 

Das ist der Text in der Fusszeile.