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Portugal 2021, Etappenlog

Logbuch Etappe 6:
Südliche Atlantikküste Portugals

von Sagres nach Cascais Anker 

(15.07.2021 - 22.07.2021), Anzahl Tageseinträge: 8

Gemütliche Reise von Sagres (SW-Ecke von Portugal) bis zur Tajo-Mündung (Lissabon), immer schön mit 2 Übernachtungen am gleichen Ort. Diesmal besuchten wir auch den Rio Sado bei Setúbal/Troia. Die Tradition mit den frischen Brötchen in der Marina Oeiras gab es immer noch. Auf den Besuch des nahen Lissabons verzichteten wir, da waren wir früher schon recht ausgiebig gewesen.


Am Cabo de São Vicente, SW-Zipfel von Portugal, hatte es grossen Schwell. Hier ist unser Ankernachbar am Kämpfen mit den Wellen. Für ihn hat unsere Regina wahrscheinlich ähnlich ausgesehen.

Sagres - Sines, Ankerhafen, 63 sm.

Wetter: schön, zuerst N2-3, später WNW2-3, am Abend WNW1, hohe Wellen.

Unruhige Ankernacht und wellige Reise

Das Ankern war nur bis zum Abend gemütlich. In der Nacht gab es Schwell, von zwei Seiten und dieser brachte die Boote zum Schaukeln und Rollen. So schliefen wir nicht besonders gut. Und am frühen Morgen wurde es unerträglich. Bevor der Wecker uns wecken sollte, waren wir schon losgefahren.
Wir hatten ja eine lange Strecke von über 60 sm vor uns. So segelten wir, solange wir vorwärtskamen und mussten aber zwischendurch immer wieder den Motor anschalten. Langsames Herumbummeln konnten wir uns heute nicht leisten. Die Wellen waren auch ziemlich hoch und bremsten Regina.
Es waren heute einige Segelboote unterwegs, in beide Richtungen. Zwei Delphinschulen besuchten uns, wir waren sehr erleichtert, dass es nicht die gefürchteten Orcas waren (die Segelboote angreifen und das Ruder kaputt beissen)!
Wir überlegten, ob wir ankern oder an den Steg wollten. Der Entscheid wurde uns dann schnell abgenommen, denn als wir in der Marina festmachen wollten, wurden wir weggeschickt. Warum, wissen wir nicht, der ganze Steg war leer. So suchten wir uns einen der letzten Ankerplätze vor dem Hafen. Es kamen nach uns noch mehr Boote. Aber es gab irgendwie Platz für alle.
Diese Nacht konnten wir bestens schlafen, auch wenn die Fischer ein- und ausfuhren.


In Sines findet man im historischen Kern der Stadt auch noch die alten für Portugal typischen Keramikwände

Sines, Ankerhafen - Sines, Ankerhafen, 0 sm.

Wetter: schön und warm, wenig Wind.

Pausetag in Sines

Wir machten heute Pause, pumpten am Vormittag das Dinghi auf und ruderten an den Strand, der sehr gut besucht war. Dummerweise hatte ich meine Maske vergessen! Das merkte ich erst an Land, wo sie angezogen werden sollte. Aber mein Sonnenhut hat ja einen Nackenschutz. Den nahm ich ab und hielt ihn vor Mund und Nase, wenn Leute kamen.
Wir spazierten durch das hübsche Städtchen, das wir ja schon gut kannten. Vor der Apotheke, wo es sicher Masken gab, standen Leute Schlange. Es ging ja auch so, zum Anstehen hatte ich keine Lust. Im Café sassen wir eh draussen und beim Sitzen darf die Maske abgesetzt werden.
Wir gingen bald wieder zurück an den Strand, jetzt war Mittag und die Leute waren fast alle weg. Zum Boot zurück ruderte Toni alleine, ich schwamm. Sehr erfrischt kam ich bei Regina an und die Erfrischung hielt lange an.
Den Nachmittag verbrachten wir lesend.


Unter Motor mit Autopilot lässt sich gut lesen, später wurde es nautisch spannend.

Sines - Peninsula de Tróia, 42 sm.

Wetter: zuerst Nebel ohne Wind, später leichter WSW und bedeckt, am Nachmittag W5-6 und immer sonniger, am Abend NW2.

Vom Flautennebel zur Starkwindsonne

Heute wollten wir weiter, aber am Morgen war dichter Nebel! Die meisten Ankerlieger waren schon früh weg. Wir liessen uns Zeit, in der Hoffnung, dass der Nebel bald verschwinden würde. Als wir den nahen Strand und Sines wieder sahen, hoben auch wir den Anker. Aber draussen musste der Radar eingeschaltet werden. Der Wind war auch noch nicht da, so wurde halt die Batterie wieder gefüllt.
Sobald es ging, wurden die Segel ausgerollt und der Motor abgestellt. Der Himmel war noch immer grau und kühl wars auch. So gab es ausnahmsweise Zmittag aus der Bratpfanne. Das brauchten wir diesen Sommer erst ein Mal.
Dann frischte der Wind auf und schliesslich hatten wir bei über 20kn Wind 2 Reffs in den Segeln, natürlich musste genau während der Kaffeepause gerefft werden.
Als dann die Sonne kam, war es wieder sehr warm, vor allem kurz vor der Einfahrt ins Bojenfahrwasser nach Setúbal, wo der Wind dann wieder einschlief.
Wir ankerten im Fluss Rio Sado hinter der Peninsula de Troia, vis-a-vis von Setúbal. Viele Wochenendboote waren hier und die Strände waren gut besucht. Abends fuhren aber die allermeisten wieder heim. Hier wären die alten römischen Ausgrabungen von Cetóbriga zu sehen gewesen, aber das haben wir erst viel später erfahren.


Arrábida am Rio Sado: Naturpark mit riesigem und sehr bevölkertem Strand, aber Ankern ist hier verboten.

Peninsula de Tróia - Sesimbra, 16 sm.

Wetter: schön, am Morgen windstill, am Abend starke Fallböen von N.

Ankern a-gogo

In der Nacht hatten wir uns im Rio Sado zweimal gekehrt, die Strömung war aber nicht sehr stark, so ist es auch kein Problem mit dem Ankern. Aber hier in der Abgeschiedenheit, mitten im Fluss, auf der einen Seite Industrie, auf der andern Seite Dünenlandschaft, auf die Weiterfahrt nach Norden zu warten wäre doch etwas langweilig. So wollten wir wenigstens den Ankerplatz wechseln.
Unterhalb von Setúbal hatte es eine grössere untiefe Stelle ausserhalb des Stroms, die sich für das Ankern anerbot, im Führer wird sie auch als schön beschrieben. So motorten wir mit der Strömung den Fluss hinunter und dann bei der Mündung wieder über untiefes Gelände hinauf zur Bucht Portinho da Arrábida und ankerten neben einem Bojenfeld mit vielen Motorbooten und dem weiten Strand.
Wir wunderten uns schon, dass hier kein Boot vor Anker lag. Bald kam schon einer der beiden Taxiboote, die die Motorbootgäste, die an der Boje festmachten, zum Land brachte. Er erklärte, dass hier Ankern verboten sei. Wir schauten auf der Seekarte nochmals genau nach, von wo das Verbot galt, und schon kam das Guardiacivilboot angefahren mit 4 Personen an Bord. Wir sollten hier weg, und zwar sofort. Weiter ausserhalb sei das Ankern erlaubt (auf unserer Karte beim genauen Hinschauen aber auch nicht).
Na ja, wir hoben den Anker und fuhren aus der Bucht und ankerten weiter unten, wo die vielen anderen Motorboote ankerten.
Inzwischen war es richtig heiss und windstill. Zur Erfrischung 3x ums Boot geschwommen und schon sind die Füsse kalt! Später entschlossen wir uns, heute schon nach Sesimbra zu fahren statt hier auf dem offenen Fluss zu ankern.
Je weiter wir nach Westen kamen, desto heftiger wurde der Wind, die Fallböen donnerten jetzt von der Steilküste auf uns hinunter, ziemlich unheimlich und ungemütlich.
In der Bucht vor der Stadt standen schon einige Segelboote. Die Marina und der Fischerhafen haben keine Gästeplätze. Nachdem der Anker gesetzt war und hielt, tanzte Regina in den Fallböen, die auch hier bis 23 Knoten waren.


Sesimbra, centro historico: Alle diese steilen Strässchen führen zum breiten Strand hinunter.

Sesimbra - Sesimbra, 0 sm.

Wetter: am Morgen bewölkt, später sonnig, zuerst östliche und südliche Winde, später die böigen und stürmischen N-Winde.

Landgang in Sesimbra

Die Nacht wurde etwas unruhig: die Fallböen hielten fast die ganze Nacht an und die Fischer fuhren hinter uns in und aus dem Fischerhafen. Am Vormitttag verlegten wir das Boot etwas weiter zum Strand in der Hoffnung auf kleinere Wellen und Böen und weniger Schwell in der folgenden Nacht.
Danach wasserten wir das Dinghi und montierten den Motor, der jetzt 2 Jahre nicht gelaufen war. Vorher musste noch Benzin gefüllt werden. Dann wurde es spannend! Läuft er überhaupt?
Es dauerte etwas, dann aber funktionierte er prima. Wir fuhren zum Steg und gingen in das Städtchen. Ein nettes Städtchen, mit engen Gassen, wo die Autos trotzdem durchfahren, allerdings im Einbahnverkehr, anders ging es gar nicht. Die vielen Touristen kamen anscheinend alle aus Portugal. Wir kauften noch frisches Brot, setzten uns an einen Schattentisch eines Internetcafés und genossen das feine Nata und den Apfelkuchen.
Zurück auf dem Boot wollten wir das Dinghi wieder aufs Deck versorgen, bevor die Fallwinde einsetzten. Der Motor war schon an der Reeling, das Boot noch nicht hochgezogen, als sie kamen. Sofort flog ein Sonnenhut davon, der aber mit dem Bootshaken schnell wieder gefischt werden konnte. Dann kam das Dinghi an seinen Platz und die Böen hämmerten wieder den ganzen Nachmittag auf uns herunter.


Blick von Oeiras den Rio Tejo hinauf Richtung Lissabon zur grossen Brücke und auch zum Torre de Belém, eines der Wahrzeichen Lissabons.

Sesimbra - Oeiras, 29 sm.

Wetter: am Morgen noch bewölkt, NE2-3, später sonnig und NW3, am Nachmittag bis N5, im Hafen böiger N6.

Hart am Wind nordwärts

Die Nacht war diesmal angenehmer, weniger Fallböen, weniger Schwell. Aber das Verlegen des Ankerplatzes führte dazu, dass die Ankerkette bei jeder Positionsänderung über Steine scharrte, und das tönt im Schiff drin fast gleich, wie wenn der Anker ausgebrochen wäre und über den Grund schleifen würde: also zu Beginn etwas stressig, aber man gewöhnte sich daran.
Zuerst segelten wir sehr gemütlich unterhalb der felsigen Küste nach Westen bis zum Cabo Espichel, hier wurden wir mit drehenden und variablen Winden und Strömungen konfrontiert, aber irgendwann fanden wir dann den Kurs nach Nord. Der NW-Wind war zuerst zahm und legte mit jeder Stunde zu. Kurz vor der Mündung des Rio Tejo, der von Lissabon herunterfliesst, hatten wir dann wieder die 20kn-Böen. Aber immerhin, wir segelten von Hafen zu Hafen, und es war schön, wieder einmal segeln zu können und nicht motoren zu müssen.
Das Einchecken in Oeiras ging schnell, wir waren schon im Computer erfasst. Wir erhielten einen guten Platz, einfache Einfahrt, langer Fingersteg. Und dann fing das Spülen und Putzen an, Regina hatte schon lange keine Entsalzungsdusche erhalten und das war dringend nötig. Wir machten anschliessend noch einen Spaziergang zum Supermarkt.


Die Marina von Oeiras.

Oeiras - Oeiras, sm.

Wetter: Schön, kühl und windig.

Pausetag in Oeiras

Wir hätten gestern gar nicht zum Supermarkt spazieren müssen, denn am Morgen machte es «Plumps» und die frischen Brötchen lagen schon kurz nach 8 Uhr im Cockpit. Davon hatte sie gestern im Büro nichts gesagt, und wir dachten es gäbe dieses Jahr keine, weil es praktisch keine Touristenboote im Hafen gibt. Sonst lagen hier immer Segler von allen Ländern.
Nach dem gemütlichen Zmorge mit diesen frischen Brötchen nahmen wir die Velos aus der Achterkiste und fuhren ins Städtchen, den Berg hinauf. Die Luft und vor allem der Wind war kühl, aber uns wurde warm. Zuerst suchten wir im Baucenter nach einem portugiesischen Wasserhahnadapter (bisher brauchten wir ja keinen). Dieses Jahr gebrauchen wir den Wassermacher nicht, dafür füllen wir das lokale Wasser über einen mobilen Kohlefilter in den Tank. Danach füllten wir die Rucksäcke und die Velotasche im riesigen Supermarkt, um für die nächsten Tage versorgt zu sein. Das Einkaufszentrum ist so riesig, mit den verschiedensten Abgängen in die Tiefgarage, dass wir genau aufpassen mussten, um den richtigen zu finden. Alle Geschäfte und sämtlich Kleidermarken, die man sich nur vorstellen kann, gibt es hier.
Am Nachmittag wurden verschiedene Bootsarbeiten und -Kontrollen erledigt. Und Toni schaute sich im Internet mal um für einen Winterplatz fürs Schiff, irgendwann ist es ja soweit.
Und am Abend blies der Nordwind so kühl ins Cockpit, dass wir zum Essen in den Salon gingen. Bis jetzt war es angenehm mit Wind im Cockpit, aber in Zukunft sollten wir wieder mit dem Bug zum Wind am Steg stehen.


Auf dem Ankerplatz vor Cascais üben die künftigen Weltumsegler den Umgang mit Wind und Welle.

Oeiras - Cascais Anker, 6 sm.

Wetter: schön und W3, später N3.

Spektakel und Ankerkino

Heute arbeitete die in Luzern aufgewachsene Marisa im Hafenbüro, als wir bezahlten. Dieser Sommer sei komisch (kaltes Wetter, wenig Kundschaft), sagte sie.
Wir füllten noch den Dieseltank. Aber wir hatten noch gar nicht so viel Diesel gebraucht, waren uns nicht sicher, ob die Anzeige stimmte. Doch sie war schon richtig.
Gegen den Strom und gegen den Wind konnten wir nicht segeln, trotz Versuch. Aber bald waren wir schon in Cascais. Wir hatten das hübsche Städtchen vor 2 Jahren mit dem Velo besucht. Diesmal ankerten wir in der Bucht. Es hatte hier viel Platz.
Dann ging das Spektakel los. Die Segelschule der Kinder lag hier in der Ankerbucht und weil es kaum Wind hatte, übten sie das Kentern und wieder Aufstellen der Optimisten und Jollen. Das war mit viel Geschrei und Lärm verbunden. Wir fühlten uns wie in der Badi. Unser Ankerbojchen, das wir heute gesetzt hatten, wurde als Umrundungsboje benutzt. Als dann der Wind kam, segelten die Optimisten wieder zurück und die Jollen konnten segeln.
Wir wasserten das Dinghi und fuhren zur Tankstelle in der Marina, wo wir festmachen konnten. Beim Spaziergang in das nette Städtchen waren wir geschockt: hier trug, trotz Gedränge, kaum einer eine Maske. Die jungen Leute fanden das wohl nicht nötig und die älteren hatten sie am Arm oder unter dem Kinn. Natürlich mögen wir die Maske auch nicht, aber lieber eine Maske, als irgendeine Coronavariante ...
Schnell bogen wir in die ruhigeren Gassen ab, machten eine kleine Pause auf einer Bank in einem Pärkchen im Schatten (mit Internet) und bald gings wieder zurück aufs Boot.
Ankern ist einfach schön! Sonnenuntergang und Mondaufgang, geschützt im Cockpit vor dem kühlen Wind und Ruhe, und genügend Distanz zu den anderen.


 

Das ist der Text in der Fusszeile.