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Portugal 2021, Etappenlog

Logbuch Etappe 8:
Atlantikküste Nordportugals

von Porto, Marina Douro nach Viana do Castelo 

(04.08.2021 - 08.08.2021), Anzahl Tageseinträge: 5

Nach den Tagen in der Stadt Porto und dem Zwischenhalt in Póvoa de Varzim verbrachten wir mehrere Tage in Viana do Castelo und warteten auf bessere nautische Verhältnisse. Wir konnten in dieser Zeit eine Velotour rund um den Berg Santa Luzia und dann auch eine Bergtour dort hinauf zu den Windgeneratoren unternehmen.


Hier sollte die Hafeneinfahrt von Póvoa de Varzim zu sehen sein, aber über einer Fischernetzboje sehen wir nur gerade eines der Hotels und die Nebelbank.

Porto, Marina Douro - Póvoa de Varzim, 17 sm.

Wetter: Nebel und Sonne, W1-2 - NW2-3.

Nebelsegeln

Nachts hatte es etwas geregnet. Die Nebelhörner der Frachter draussen waren zu hören, denn der Nebel war so dicht, dass auch hier das andere Ufer des Flusses nicht zu sehen war.
Wir waren um 9 Uhr im Hafenbüro, als es öffnete. Der Nebel lockerte sich schnell und gab die Sicht auf die Hafenausfahrt wieder frei.
Die erste Stunde fuhren wir unter Motor, dann konnten die Segel gesetzt werden. Zwischendurch brauchte es nochmals Diesel, aber gegen Mittag frischte der Wind auf 3 bf auf und wir segelten gemütlich, kamen aber gut vorwärts.
Die Hafeneinfahrt war aus einer Meile Distanz nicht sichtbar, alles war im Dunst, allerdings lockerte dann der Dunst und plötzlich waren die Mole und die Stadt zu sehen.
Der Hafen war ziemlich leer, wenn auch 4 Segler vom ARC (England-Portugal) da auf die Weiterfahrt nach Lagos warteten. Das Office hatte noch Mittagspause, so assen wir auch unseren Mittagsalat.
Am späteren Nachmittag spazierten wir in die Stadt. Sie war viel freundlicher und gepflegter, als wir sie in Erinnerung hatten. In den letzten 5 Jahren war offenbar viel gebaut und renoviert worden. Sehr viele Leute, Einheimische und portugiesische Badetouristen, flanierten auf den Strassen und entlang des Strandes. Der Wind bläst hier kühl, deshalb ist der Strand mit Strandkörben zugestellt. Die meisten Leute nahmen heute nur ein Sonnenbad im Windschatten.
Nach Sonnenuntergang wurde es schnell kühl, der Herbst ist spürbar.


Kurz vor Viana do Castelo, es beginnt zu regnen.

Póvoa de Varzim - Viana do Castelo, 23 sm.

Wetter: bedeckt, paar Sonnenstrahlen, Regen, S1-3.

Es regnet

Am Morgen war es noch bewölkt, es hatte aber nur sehr wenig Wind. Wir fuhren unter Motor Richtung Nord, die Dünung kam von NW, der schwache Wind von S. Der Wind drehte fast unmerklich langsam nach SSW und wurde etwas stärker, wir überlegten, den Gennaker zu setzen und machten alles bereit. Dann sahen wir aber die Nebelbank auf dem Meer und die wolkenverhangenen Hügel vor uns: Wir wollten kein nasses Segel trocknen. So segelten wir halt weg vom Kurs mit Raumwind, mit Genua und Gross, und machten mal eine Halse mit Halsewinkel von über 90°, anders war nicht zu segeln mit dieser Dünung und dem schwachen Wind von achtern. In Sichtweite der Hafeneinfahrt rollten wir die Segel ein und fuhren wieder direkt auf Kurs. Es begann zu regnen.
Die kleine Marina von Viana liegt weiter oben am Fluss kurz vor der Eisenbahnbrücke. Wir erinnerten uns an den schönen langen Meldesteg, wo man auch übernachten konnte. Dieser Steg existierte nicht mehr, dafür war die Fussgängerbrücke offen und wir konnten gerade in die Marina fahren. Wir wurden vom Marineiro an die Tankstelle gelotst, wir sollten dort festmachen. Nach dem Besuch im Hafenbüro wurde uns bestätigt, dass wir dort liegen könnten für die Tage, die wir hier bleiben wollten. Im Nachhinein merkten wir, dass die Tankstelle nicht mehr in Betrieb und somit für unser Schiff recht geeignet war (In diesem Hafen war Regina wahrscheinlich das längste Schiff). Gegen den Abend hörte es auf zu regnen, die Sonne wärmte uns wieder auf.
Zurück nach einem Spaziergang durch die Stadt (auf der Suche nach einem Briefkasten) schien uns, als ob wir hier im Hafen die einzigen Gäste wären.


Auf dem steilen Treppenweg zu Basilika Santa Luzia bei Viana do Castelo.

Viana do Castelo - Viana do Castelo, 0 sm.

Wetter: meist sonnig, westliche Winde, am späten Abend Regen.

Langer Treppenweg zur Basilika

Erst spät machten wir uns auf den Weg, nochmals zur Tourist-Information, anschliessend durch die Stadt zum Bahnhof. Dort hat es eine Drahtseilbahn hinauf zur Basilika Santa Luzia (eigentlich: Santuário Diocesano do Sagrado Coração de Jesus), aber für uns ist auch ein Weg bzw. eine Treppe vorhanden. Es waren zwar nur 200 Höhenmeter, aber wir kamen trotzdem tüchtig ins Schnaufen und Schwitzen.
Die Aussicht dort oben über die Stadt, die Atlantikküste und auch ostwärts in die Berge war grandios. Natürlich hatte es auch jede Menge Touristen, denn neben der Bahn hatte es auch eine Strasse und dazugehörend Parkplätze. Etwas weiter oben am Berg gibt es eine vorromanische Siedlung Citânia de Santa Luzia, allerdings war das Gelände abgesperrt und keine Besichtigung möglich. Die auch unter dem Namen Cidade Velha de Santa Luzia bekannte Siedlung ist ein typisches Beispiel für die Höhensiedlungen der in Galicien und Nordportugal verbreiteten Castrokultur.
Über die lange Treppe kamen wir wieder in die Stadt hinunter. Hungrig erreichten wir die Stadt und fanden noch ein Restaurant, wo es am Nachmittag noch ein Tagesmenü gab. Gestärkt bummelten wir durch die schmalen, geschmückten Gassen. Ab 7.8.bis 22.8. wird hier gefeiert (Romaria de Nossa Senhora d’Agonia 2021). Schon heute waren viele Leute und Familien unterwegs.
Erst am Abend kamen wir zurück in die Marina, noch rechtzeitig vor dem Regen.


Die Atlantikwellen donnerten zwischen Viana und Âncora an die Küste, deshalb heute lieber mit Velo statt Schiff.

Viana do Castelo - Viana do Castelo, 0 sm.

Wetter: schön und warm.

Velofahrt rund um den Berg Santa Luzia

Wir fuhren den Strandveloweg «Ecovia litoral norte 1» entlang, bis er aufhörte bzw. noch nicht fertig gebaut war. Dann mussten wir kurz auf die Strasse wechseln, bis ein Veloweg über holprige Bsetzisteine wieder weiterführte, um später zur Naturstrasse zu werden. Der Velo- und Wanderweg führte dann auf einem Holzrost durch die Dünen. Auf einer Bank mit Blick auf den Atlantik machten wir Mittagspause. Die Atlantikwellen waren heute riesig, in 3 er Reihen rollten die Brecher, 2-3 m hoch heran (deshalb Velofahren statt Segeln).
Später gab es dann nur noch Naturstrasse, die dann in einen schmalen Single Trail mündete. Jetzt war das kleinrädrige Brompton wirklich überfordert und die Lenkerin war es auch. Den Arm an einem Ast blutig gekratzt brauchte sie ein Pflaster und das Brompton musste durch den tiefen Sand getragen werden. Zum Glück nur kurz, dann wurde der Weg wieder breiter und stabiler. Er führte durch einen Wald, wo die Vögel laut zwitscherten.
Zwischen Strand / Düne und den Wäldern am Berg war der Boden offensichtlich fruchtbar, es hatte viele Maisfelder.
In Vila Praia de Âncora, nur noch 8km von der spanischen Grenze entfernt, mit riesigen Sanddünen und Stränden, gönnten wir uns einen Kaffee mit Nata bzw. Glace, um dann gestärkt den Rückweg über einen 250 m hohen Pass (namenlos, das oberste Dörfchen heisst Costa und gehört zu Outeiro) anzutreten, im obersten Teil immer im Wald. So übers Land zu fahren ist eine schöne Abwechslung zum Meer. Es duftete nach Eukalyptus, Oregano, Pinienwald und anderen Nadelgewächsen. Wir kamen durch terrassiertes Landwirtschaftsgebiet, wo vor allem Mais und Wein angebaut wird. Auch die reifen Äpfel lagen unter den Bäumen.
Bergab ging es dann schnell und bald waren wir wieder in Viana und hatten so den Berg Santa Luzia umrundet.
Im Hafen standen zwei neue Boote, und ein Holländer kam noch am späten Abend herein. Obwohl es spät war konnten wir bei angenehmer Temperatur draussen essen. Die Musik des lokalen Festes war den ganzen Abend zu hören.


Kurz vor dem Gipfel der Serra de Santa Luzia oberhalb Viana do Castelo, Elisabeth und einer der vielen Windgeneratoren.

Viana do Castelo - Viana do Castelo, 0 sm.

Wetter: Schön, angenehm warm und recht starker Wind aus N.

Brombeeren und Windgeneratoren

Heute schnürten wir die Wanderschuhe, die seit 2 Jahren auf dem Boot warteten. Seit über zwei Monaten mussten die Füsse erstmals wieder in Socken und geschlossene Schuhe schlüpfen.
Zuerst ging es aber mit dem Velo wieder hinauf bis zum Brot­museums­wegweiser bei Outeiro. Zum Museum wollten wir aber nicht. Wir schlossen die Velos ab und wanderten auf die andere Seite Richtung Serra de Santa Luzia.
Es war nicht so einfach, den Anfang des Wanderweges zu finden. Wir gelangten durch einen kleinen Wald, auf einem alten Pflasterweg hinauf in ein privates Wein- und Maisanbaugebiet, mit Bohnen und Kohl-Mischkultur. Dann kam eine Mauer und ein Zaun, wie hier üblich bei privaten Grundstücken. Wir kehrten um und schafften es irgendwie durch den Wald und ehemalige Rebberge auf die Strasse. Dank dem guten Kartenleser (eher Interpretierer der schlechten, ungenauen, veralteten Wanderkarte vom Touristoffice) fanden wir weiter oben doch noch zum richtigen Wanderweg. Wir stiegen durch den Eukalyptuswald auf einem alten Weg hinauf, wunderschön. Dann kamen wir zu einer riesigen Brombeerhecke mit reifen, süssen Brombeeren. So gab es zum Znüni Brombeeren, frisch von der Hecke.
Ein Biker kam uns entgegen, der sich offensichtlich über uns freute. Sonst war weit und breit kein Mensch zu sehen. Wir stiegen weiter auf und kamen über die Baumgrenze. Dort fanden wir Spuren von Pferden und so roch auch die Luft wie in einem Pferdestall. Später sahen wir die Herde in der Ferne. Die ganze Hochebene des Serra de Santa Luzia war mit grossen und modernen Windgeneratoren versehen, hier sicher am richtigen windigen Ort. Die Generatoren waren weitherum sichtbar, auch auf den anderen Graten hat es solche Energiegewinner.
Der Rundblick vom Gipfel (550m ü.M.) war phantastisch: die Hügel im Osten, im Süden der Fluss Lima und der Stadtrand von Viana, im Norden Spanien (Galizien), im Westen der Atlantik und Amerika.
Nach dem Picknick traten wir den Rückweg an. Diesmal fanden wir den richtigen Weg, die Markierungen waren sehr sparsam vorhanden und mussten richtig gesucht werden. Wir erreichten wieder Outeiro und unsere Velos. Mit den Velos waren wir schnell wieder unten in der Marina und konnten uns am Nachmittag auf dem Boot ausruhen.


 

Das ist der Text in der Fusszeile.