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Atlantik 2022, Etappenlog

Logbuch Etappe 5:
Nordbretagne

von Ste. Evette nach Saint-Cast 

30.07.2022 - 18.08.2022, 20 Tageseinträge, 260 sm.

Die Fahrt über den Raz de Sein war windlos und problemlos. Vor dem Stadtaufenthalt in Brest machten wir es uns gemütlich an einem einsamen Ankerplatz und in Camaret und waren fasziniert von den Riffen und Felsen in dieser Umgebung. In Brest verbrachten wir einige Tage (auch mit Velotouren) beim Warten auf das richtige Wetter für die Weiterfahrt. In der Bretagne muss man häufig einen Fluss hoch und wieder runterfahren, d.h. die Tide muss am Schluss noch stimmen. So war es auch bei uns, glücklicherweise reichte es fast immer. An einem Pausetag besuchten wir per Velo das berühmte Paimpol (es war gerade ein Segelfest). Und in Saint-Quay-Portrieux mussten wir kurz auf das richtige Wetter warten für die Fahrt bis St-Cast kurz vor St-Malo.



Raz de Sein - die berüchtigte und auch gefährliche Passage zwischen Süd- und Nord-Bretagne. Hier umrunden wir die Leuchttürme, unproblematisch, weil kein Wind.

Ste. Evette - Cap de la Chèvre, Anse de Saint-Nicolas, 24 sm.

Wetter: SW1-2, meist diesig, teils Niesel, wenig Sonne.

Langsam vorwärts durch den Raz-de-Sein

Das Boot lag sehr ruhig an der Boje und wir schliefen wunderbar.
Am Morgen war es windstill. Zu früh durften wir nicht los, um nicht gegen den Tidenstrom fahren zu müssen. Viele Boote fuhren aber schon los, so lösten auch wir die Leinen, in der Hoffnung, langsam segeln zu können. Konnten wir aber nicht! Denn der Wind schlief heute bis Mittag. Wir kamen etwas zu früh, aber problemlos um die Leuchttürme La Vieille und La Plate in der Raz de Sein.
Als etwas Wind aufkam, segelten wir bei 2 bf mit dem Blister. Nach 1 ½ Stunden fing es an zu nieseln und der graue Himmel sah nach mehr Regen aus. Schnell versorgten wir den Blister, denn den wieder zu trocknen wäre schwierig geworden.
Die Sonne drückte zwar durch den Dunst, aber richtig durch kam sie nicht.
In der Anse de Saint-Nicolas, so heisst die Bucht hinter dem Cap de la Chèvre auf der Halbinsel Crozon, war ein grosser Zweimaster und wir hatten viel Platz. Es gab eine traumhafte Aussicht auf die Felsen mit den Seevögeln und den Höhlen und dem Wanderweg oberhalb der Klippen, aber für uns keine Möglichkeit mit dem Dinghi ans Land zu kommen und noch schwieriger wäre es gewesen, die Felswand hinaufzuklettern.


Navigation um die Felsen und Untiefen, hier der Rocher de Toulinguet kurz vor Camaret-sur-Mer.

Cap de la Chèvre, Anse de Saint-Nicolas - Camaret-sur-Mer, 14 sm.

Wetter: Mehrmals Nieselregen, etwas Sonne, SW3.

Vorwiegend grau

Es nieselregnete, es war grau und trüb und ohne Aussicht. Wir überlegten, ob wir hier bleiben sollten. Wir hoben trotzdem den Anker, es hatte immerhin etwas Wind. Und keine Viertelstunde später schien die Sonne, es hatte blauen Himmel.
Die Segelreise war nicht lang, aber gut zu segeln, zuerst hart am Wind, dann Halbwind, später mit Raumwind. Es gab aber ziemlich viel Gegenverkehr, wir mussten sehr aufmerksam navigieren, denn die wenigsten Franzosen haben ein AIS, was uns eine Anzeige ihrer Position auf dem Seekartenplotter erlauben würde. Und die meisten fuhren auch auf unserer Linie von Waypoint zu Waypoint, nur in der Gegenrichtung. Spannend waren die Felsen und Untiefen, die man sorgfältig umfahren musste.
Von Camaret wurden wir eher enttäuscht. Einerseits ist die Marina von unterdurchschnittlicher Qualität (WC, Dusche, ohne Licht, im Keller miefig, Wifi, das nicht funktionierte, es hatte allerdings genügend Platz für die Schiffe), andererseits besteht Camaret-sur-Mer eigentlich nur aus und für Touristen, und Massentourismus liegt uns nicht so. Es hat sehr viele Restaurants um das Hafenbecken, und in den hinteren Gassen hatte es sehr viele Galerien und andere Kunsthandwerker, die ihre Produkte verkaufen wollen.


Blick vom Cap de la Chèvre auf die Inseln Les Tas de Pois

Camaret-sur-Mer - Camaret-sur-Mer, 0 sm.

Wetter: Am Morgen diesig, später bewölkt, wenig Wind.

Velotour zum Geissen-Kapp

Heute fuhren wir am späten Vormittag los, um das Cap de la Chèvre zu besuchen, diesmal auf dem Land.
Am Morgen war es noch bewölkt, die Sonne kam erst gegen Mittag. Wir fuhren auf der Strasse, die anfangs auch einen Velostreifen hatte. Später, nicht mehr auf der Hauptstrasse, wurde die Fahrbahn schmaler. Aber die Autos warteten, bis sie gut überholen konnten.
Wir kamen in Crozon und in Morgat vorbei, auf dem Rücken der Halbinsel des Cap de la Chèvre sahen wir auf unsere Ankerbucht hinunter, es war praktisch windstill. Und dann ging es noch weiter bis zum Leuchtturm. Natürlich war hier ein guter Aussichtspunkt aufs Meer, den sich alle Touristen nicht entgehen liessen. Die Autos kamen aus ganz Europa. Wir setzten uns etwas abseits, um unseren Lunch zu essen.
Der Rückweg ging dann anfangs noch auf der Strasse, dann bogen wir zum Veloweg ab. Leider reicht wohl das Geld hier nicht, um den ganzen Weg zu teeren oder zu betonieren, oft ist der Naturbelag ziemlich sandig oder gekiest, nicht so einfach für unsere Klappräder. Der Weg war stark befahren, viele Familien und auch mehrere Tourenfahrer mit Gepäck.
Am späteren Nachmittag genossen wir die Wärme und den Kaffee auf dem Boot.


Im Goulet vor Brest taucht die Stadt aus dem Nebel auf.

Camaret-sur-Mer - Brest, 9 sm.

Wetter: Am Morgen diesig, neblig mit tws. Nieselregen, später sonnig, SW2-3.

Schneller als gedacht

Ein Boot nach dem anderen legte am Vormittag ab. Wir mussten wegen des Tidenstroms im Kanal nach Brest noch warten. Es war grau und nieselte aus den Nebelwolken, kein Wind. Der französische Zoll nutzte die Gelegenheit, nach der grossen britischen Motoryacht auch das kleine Schweizer Segelboot zu überprüfen. Die Leute waren aber aussergewöhnlich freundlich und gesprächig, nach dem Prüfen der Dokumente und einigen Fragen erhielten wir den gelben Zettel für eine erfolgreiche Zoll-Überprüfung.
Als schon die ersten Schiffe wieder in den Hafen kamen, es war schon nach Mittag, legten wir ab. Eigentlich etwas zu früh. Aber das machte gar nichts, denn das Grosssegel wollte heute nicht richtig ausgerollt werden. So musste es einige Male kurz aus- und dann wieder eingerollt werden, bis sich die Falten lösten. Dann konnten auch wir lossegeln. Und es gab mehr Wind, als angesagt und so gab Regina richtig Gas. Wir segelten dann auf dem wellenlosen Meer über 6 Knoten bei 3 bf. Im Goulet, dem Engpass vor Brest, waren wir noch etwas zu früh, manchmal hatten wir Gegenstrom, manchmal Mitstrom.
In Brest machten wir in der Marina du Château am Visiteursteg fest. Diesmal kam kein Marineiro. Das war aber kein Problem, wir können das auch selber, und es hatte noch genügend Platz.
Nach dem Einchecken fuhren wir mit den Bromptons zur anderen Marina und schauten uns im Yachtshop um. Aber auch hier gab es die schon länger gesuchten Sitzkissen nicht. Den Supermarkt, den wir in Erinnerung hatten, fanden wir nicht, oder es gab ihn nicht mehr, so kehrten wir mit leerer Tasche zurück. Immerhin hatten wir so eine kleine Velotour gemacht.
Den ganzen Abend konnten wir dann draussen sitzen, und die Sonne wärmte, bis sie unterging.


In der Rue de Siam im Zentrum von Brest (Tramlinie, Fussgängerzone, Einkaufsstrasse). Alle Häuser haben den gleichen Baustil, sie mussten nach dem Krieg neu gebaut werden.

Brest - Brest, 0 sm.

Wetter: Bewölkt, etwas Wind von W und N, manchmal kurz düster wegen Seenebel.

Sightseeing in Brest

Am Morgen lange ausschlafen, im Internet surfen, Wäsche waschen und an der Wäscheleine am Schiff trocknen, wieder einmal ein Backup des PCs machen, Kaffee trinken – es war ein sehr gemütlicher Morgen (für Toni!). Die Sonne kam erst nach dem Mittagskaffee, und dann fuhren wir mit den Velos in die Stadt. Wir besuchten die Hubbrücke nach Recouvrance (mit Sicht auf die militärischen Anlagen im Fluss Penfeld und auf einen alten Turm Tour Tanguy und die Seilbahn, die zu den Ateliers des Capucins führt), und spazierten dann auf der Rue de Siam, wo auch das Tram fährt, bis zum Place de Strasbourg. Die Rue de Siam ist so etwas wie das Zentrum, fast autofrei, und ein Geschäft nach dem anderen, und es hatte auch viele Leute.
So flanierten wir fast auf den höchsten Punkt der Stadt hinauf, und die Abfahrt zum Meer hinunter ging sehr schnell. Vorher aber gingen wir noch einkaufen, beim runterfahren störte das zusätzliche Gepäck kaum.
In Brest gibt es keine alten Häuser oder eine enge Altstadt. Die Stadt wurde im Krieg praktisch bodeneben gemacht und nachher neu aufgebaut. Die Häuser haben alle ungefähr den gleichen Baustil, teilweise werden diese aber bereits ersetzt durch moderne Bauten.


Der Fischer schaut auf den Traditionssegler, der hinter der Hafenmole von Brest durchfährt.

Brest - Brest, 0 sm.

Wetter: Freundlich, Wind von W, am Abend nach N drehend, auffrischend und böig, und wolkenlos.

Entscheid: wir warten

Der Wetterbericht prognostizierte schon länger für die kommenden Tage Starkwind von NE. Dieser traf heute Abend ein und wird bis Sonntag oder Montag dauern. Das Azorenhoch hat sich bis England ausgedehnt, in Mittel- und Südeuropa hat es tieferen Luftdruck, eine Situation wie sonst üblich am Kap Finisterra in Galizien. Wir haben keine Lust, hart gegen Windstärke 5 und Wind-gegen-Strom zu segeln. Wir haben nochmals 2 Nächte gebucht, vielleicht braucht es noch weitere.
Bei der Ankunft hatten wir SW, heute N, morgen NE-Wind. Für diesen Wind steht das Schiff falsch, so gibt es im Logbuch noch einen nautischen Eintrag «Boot gewendet», so können wir weiterhin hinter der Sprayhood draussen sitzen.
Am Morgen machten wir noch eine kleine Veloeinkaufstour in die Innenstadt, am Nachmittag einen Spaziergang in der Hafengegend auf der Suche nach einem Briefkasten. Oben beim Bahnhof haben wir dann einen gefunden.
Die Einheimischen feiern 3x hintereinander das Jeudi-Fest im Hafenareal, der heutige Donnerstag ist der zweite Festtag. Es gab viele Stände und Musikbühnen, und auch einige Leute.


Velowegweiser in Brest. Europe ist tatsächlich ein Quartier in Brest, und ein Bellevue gibt es auch an anderen Orten. Und vieles ist zweispachig angeschrieben (bretonisch).

Brest - Brest, 0 sm.

Wetter: Sonnig, starker NE.

Bootsarbeiten und Velotour

Am Vormittag wurde der Speedo ausgebaut und gesäubert. Es sammelt sich dort immer winziges Getier an, das sich einnistet und das Drehen bremst oder gar blockiert. Auch kleine Seegräser waren um die Achse gewickelt. Der Speedo kam zwar nach einer Weile wieder, zeigte aber viel zu wenig an.
Auch wurden die gewaschenen Vorhänge wieder montiert, was immer zeitaufwendig ist.
Es gab auch Hafenkino: Anlegemanöver mit Wind, oder beim Festmachen mitzuhelfen, als ein abgeschlepptes Segelboot nach Motorausfall an unsern Steg kam.
Am Nachmittag pedalten wir bei starkem Gegenwind den Berg hinauf zur Ikea. Es gibt im Moment in den Jachtshops keine Kissen. So kauften wir ein Ikeakissen, um das durchgesessene zu ersetzen. Auch fehlten uns ein paar Gläser, die werden jeweils gelegentlich zu Scherben.
Der Verkehr hier ist hektisch und die Autofahrer sind weniger rücksichtsvoll als in Portugal oder Spanien. Es gibt zwar einige wenige Velowege, meistens ist aber die Velospur am Rand der Autostrasse.
Wie schön ist es, nach einem Ausflug wieder auf dem Boot zu sein!


Der Leuchtturm Minou beim Goulet de Brest mit Aussicht bis zur Raz de Sein, wenn es nicht diesig wäre.

Brest - Brest, 0 sm.

Wetter: Sonnig, starker E.

Velotour zur Pte. de Petit Minou

Am Morgen verlängerten wir unseren Aufenthalt nochmals um eine Nacht. Und die Hafenwaschmaschine bekam Arbeit, anschliessend trocknete die Wäsche ausserordentlich schnell im starken Wind und an der Sonne auf dem Schiff, wahrscheinlich schneller als im Tumbler.
Nach dem Lunch und Kaffee fuhren wir mit den Velos die Route Litteral, der Küste entlang dem Goulet de Brest bis zum Leuchtturm auf der Pointe de Petit Minou. Eigentlich war es kein Küstenweg, sondern ein Auf- und Abwärtsfahren, mehrere Male führte die Strasse vom etwa 80m hohen Land zur Küste hinunter und auf der anderen Seite des Baches wieder hinauf. Gefühlt haben wir sicher über 500 Hm gemacht. Wenigstens half der starke Wind etwas zum wieder hinaufkommen.
Der Leuchtturm (und die militärischen Anlagen) sind offenbar in einem Reiseführer vermerkt, es hatte hier sehr viele Touristen und einen grossen Parkplatz. Die Aussicht wäre spannend, wenn es nicht dunstig gewesen wäre: Blick auf die andere Seite des Goulet de Brest, Camaret-sur-Mer und am Horizont der Raz de Sein. Es waren einige Schiffe unterwegs, zum Segeln gab es ja genügend Wind.
Die Heimfahrt machten wir uns etwas gemütlicher, keine Berg- und Talfahrten mehr, sondern übers Land direkt nach Brest. Allerdings hatten wir heftigen Gegenwind, der den Schweiss gerade wieder wegtrocknete. Wir kamen auch an der Endstation des Trams vorbei, an einem riesigen Einkaufszentrum und bei der Arena, und erreichten so die Recouvrance-Brücke unweit der Marina. Diesmal wurden wir verwöhnt von der Veloinfrastruktur, breite Velowege oder einsame Strassen und gute Signalisation (zumindest bei der Heimfahrt).


In der Ankerbucht Anse de Pen-Hir bei Camaret / Crozon kurz vor dem Sonnenuntergang.

Brest - Anse de Pen-Hir, 13 sm.

Wetter: Schön, E-NE 3-5.

Endlich ablegen

Heute ging es endlich weiter. Allerdings legten wir erst am Mittag ab, weil wir mit dem Tidenstrom aus der Ría von Brest segeln wollten. So war am Vormittag Zeit, alle Abfahrtsvorbereitungen zu treffen und vor allem den gereinigten und (mit Antifouling) präparierten Speedo wieder einzusetzen.
Der Wind war von Achtern, so segelten wir gemütlich nur unter Genua. Und viele andere Sonntagssegler waren auch unterwegs.
Wir sahen den Leuchtturm, den wir gestern besucht hatten, vom Meer aus.
In der Bucht Anse de Pen-Hir unterhalb der Felsen im südlichen Teil ankerten schon einige Boote, aber es gab Platz genug und nach uns kamen noch mehr. Es war wieder mal Zeit zum Lesen.
Kurz bevor das Essen fertig war, war die Gasflasche leer. Die letzte Minute wurde elektrisch gekocht und der Gasflaschenwechsel auf etwas später verschoben. Eine nicht so einfache Angelegenheit, der letzte Wechsel war 2018, und es war alles etwas eingerostet. Die grosse schwedische Gasflasche hält lang, weil wir im Hafen mit der Elektroplatte kochen.


Phare La Vierge, der weltweit höchste Leuchtturm, steht hinter den Steinen, Inselchen und Untiefen der Nordbretagne.

Anse de Pen-Hir - L'Aber Wrac'h, 39 sm.

Wetter: Schön, NE 3-5.

Früh auf, lange unterwegs

Beim Aufstehen war es noch stockdunkel. Eine Stunde später sah man die Umgebung, und nochmals eine halbe Stunde später erlebten wir den Sonnenaufgang. Wind hatte es schon von anfang an genügend, mit jeder halben Stunde wurde er stärker.
Wir kamen so schnell vorwärts, dass wir eine halbe Stunde zu früh am Eingang des Chenal du Four waren. Aber mit unserer guten Geschwindigkeit war das unkritisch. Später allerdings drehte der Wind entgegen der Prognose nach NNE statt nach Ost, so mussten wir aufkreuzen, bis wir die Ansteuerungstonne für den Fluss von L'Aber Wrac'h erreichten, und das dann bei NNE5.
Hier erhielten wir einen Innenplatz am Wellenbrecher zugeteilt, der uns schön ruhig und gut manövrierbar schien. Etwa zwei Stunden später erhielten wir aber einen Aussenlieger, deren Crew doch ab und zu übers Deck trampelte. Und wie wir morgen raus kommen, sehen wir dann
Ein kleiner Spaziergang durchs Dörfchen mit der grossen Segelschule rundete den Tag ab. Oder fast, denn wir entdeckten, dass unser Boiler defekt war (zumindest der elektrische Teil, denn den FI Schalter wirft es raus). Nun, das können wir hier nicht lösen.


Sehr schnell unterwegs, im Hintergrund Île de Batz (vor Roscoff) und die Yacht, die gleich schnell unterwegs war wie wir.

L'Aber Wrac'h - Roscoff, 46 sm.

Wetter: leicht bewölkt, NE3-5.

Schnelles segeln hart am Wind

Schon gestern hatte ich die dänischen Aussenlieger vorgewarnt, dass wir um 9 Uhr ablegen müssten, um den Mitstrom zu nutzen. Sie lösten sich pünktlich von uns und wir konnten auch weg.
Die erste halbe Stunde ging es unter Motor den Fluss hinunter, danach konnten wir die Segel setzen. Anfangs war die See noch flach und es ging gemütlich, da wir noch etwas Gegenstrom hatten. Der Strom wurde immer schwächer und wechselte dann auch die Richtung zu unseren Gunsten. Der Wind wurde auch immer stärker und wir refften sowohl Grosssegel als auch Genua. Es ging immer hart am Wind durch die jetzt hohen Wellen und Regina war trotz Reff tüchtig in Schräglage. Kurz vor der Île de Batz hatten wir dann Speed über Grund von fast 9 Knoten, und mit dieser Geschwindigkeit sprang Regina von einer Welle auf die andere, das führte dann auch zu heftiger Gischt und viel Wasser über Deck.
Das Segelboot «Abraxas», eine X-Yacht X40, segelte in die gleiche Richtung und wir konnten gut mithalten! Wir sahen sie in Roscoff am Steg wieder und schwatzten mit der Skipperin.
Auch die Schweizer HR 352 «for you and me» lag an unserm Steg. Der Skipper, auch ein CCS-Mitglied, will auf dem Boot überwintern und macht seinen ersten grossen Törn.
Und auch die englische Malö mit einer Crew, die gleichzeitig mit Leon (dem Voreigner der Regina) in der Karibik war und dessen Kinder dort von deren Kindern englisch lernten, trafen wir hier nochmals. Sie kannten die Regina also bereits von damals.
Wir mussten leider feststellen, dass die Lüftungsluke am Bug offensichtlich nicht ganz dicht war. Wir mussten dann Einiges aus unserer Koje bei Sonne und Wind trocknen. Am Abend wurde es kühl und wir verkrochen uns ziemlich müde in den Salon und nicht viel später in die Kojen.


In Roscoff am Platz neben der Kirche Notre-Dame de Croaz-Batz.

Roscoff - Roscoff, 0 sm.

Wetter: Schön und windig.

Ausruhtag

Wir brauchten einen Pausetag. Am Vormittag ging es auf Umwegen per Velo durch Roscoff und über das Land zum einzigen grösseren Laden hier. Am späteren Nachmittag fuhren wir noch in das Städtchen. Es gibt dort schöne bretonische, zum Teil alte Steinhäuser, aber auch unheimlich viele Touristen. Die Stadt ist auch dafür ausgerichtet mit ihren vielen Souvenirläden und Restaurants und Cafés.
In zwei Tagen gibt es wieder etwas zum Feiern, wir holten das heute schon vor, indem wir zum Essen in der Stadt blieben. Der Wind war heute kühl und hörte erst am Abend auf.


In der Bucht von Lannion bei Trébeurden beim Ankern: Mondaufgang.

Roscoff - Trébeurden, Anker Porz Mabo, 19 sm.

Wetter: Schön, diesig, NE5.

Wieder beim Ankern

Erst gegen Mittag mussten wir die Leinen lösen, der Strom wäre sonst stark gegen uns gewesen. Der kurze Schlag über die Bucht von Morlaix und dann weiter in die Anse de Lannion war natürlich wieder hart am Wind mit Windstärke 5, die Wellen waren aber markant kleiner. Bei Trébeurden setzten wir den Anker vor dem Strand und dem darüberliegenden Villenquartier, hoffentlich gut geschützt vor dem starken NE- und E-Wind, zumindest hat es keine Wellen.
Der Gezeitenunterschied ist schon enorm: Der Tidenhub beträgt 7m, entsprechend muss auch genügend Ankerkette gelegt werden, auch wenn man gemäss Seekarte auf 4m Tiefe ankert.
Wir machten es uns gemütlich, mit der Sprayhood gut geschützt gegen den Wind im Cockpit, und gegen die Sonne klappten wir das Bimini hoch. Auch nach Sonnenuntergang war es noch warm und wir konnten lange im Cockpit bleiben und den Aufgang des Vollmondes bewundern.


Schöner Leuchtturm bei der Flussmündung des Trieux bei der der Insel Bréhat. Nur die Vorderseite des Turms ist weiss gestrichen.

Trébeurden, Porz Mabo - Lézardrieux, 46 sm.

Wetter: Schön, zu Beginn und am Schluss wenig/kein Wind, sonst NE2-4.

Gezeitensegeln

An der Nordküste floss der Strom erst ab 14 Uhr ostwärts, so machten wir es uns gemütlich am Ankerplatz. Ein Tauchgang war noch nötig, um Seegras aus dem Ruder zu holen. Um 12 fuhren wir los, um wirklich rechtzeitig dort zu sein, um den Strom zu nutzen.
Der Strom und der Wind und unser Ziel waren leider nicht wirklich kompatibel, wir brauchten viel Zeit (und segelten Meilen), weil wir aufkreuzen mussten. Die erste halbe Stunde durch die Untiefen um den Ankerplatz fuhren wir unter Motor, es hatte sowieso noch keinen Wind. Etwas später unter Segel, noch langsam gegen den Strom segelnd, mussten wir feststellen, dass wir nach der Wende rückwärts unterwegs waren! Hier half uns nur noch der Motor, wir waren etwa eine halbe Stunde zu früh hier, der Strom hatte noch nicht gekentert. Später frischte der Wind immer mehr auf, so dass wir sogar refften. Allerdings blieb es bei diesem Windgutsch, nachher wurde es immer sanfter, und bei der Ansteuerung nach Tréguier hatten wir keinen Segelwind mehr. Dafür jede Menge Strom, vor der Insel Bréhat war unser SOG über 10kn, auch sonst segelten wir meist über 7kn, trotz des schwachen Windes, und einen Wendewinkel von etwa 50-60° (sonst 90-100°).
Wir motorten den Fluss Trieux hinauf und konnten noch den letzten Teil des Flutstromes nutzen. Am neuen Kopfsteg in Lézardrieux machten wir fest.
Der Tiefenmesser am Liegeplatz zeigte beruhigende 13.5m an. Wir werden sehen, wieviel Wasser wir bei Niedrigwasser unter dem Kiel haben werden: Am Sonntagmorgen wird der Tidenhub hier 11.5m betragen! Fast unvorstellbar, morgen versuche ich ein Bild bei Niedrig- und Hochwasser zu machen.


In Paimpol findet gerade das Fête des vieux Gréements statt, der Hafen ist voll, viele Leute und viel Betrieb ums Hafengelände.

Lézardrieux - Lézardrieux, 0 sm.

Wetter: Schön und sehr warm, wenig Wind, am Abend Wolken und Böen und Regentropfen.

Veloausflug nach Paimpol

Heute war heisses Wetter ohne Wind angesagt. So blieben wir hier im Flusshafen und machten mit dem Velo einen Ausflug nach Paimpol. Bei der Durchfahrt schauten wir uns noch das Dörfchen Lézardrieux an, das etwas weg vom Hafen auf einem Hügel liegt.
Zuerst mussten wir einige Meter auf der grossen Strasse fahren, später hatten wir ein wunderschönes Landsträsschen (manchmal zwar ziemlich holprig) bis fast mitten in die Stadt Paimpol. Dieser Ort ist eine alte bretonische Fischerstadt, die sich zum Tourismus-Ort gemausert hat. Eine sehr schmucke Innenstadt mit vielen alten Häusern und vielen kleinen Läden und Beizen in den Fussgängerzonen erinnerte uns sehr an Enkhuizen, auch eine ehemalige und gepflegte Fischerstadt, die jetzt vom Tourismus lebt.
Es hatte hier ausserordentlich viele Leute, das war heute aber wegen des Hafenfestes Fête des vieux Gréements, wo viele alte Schiffe ausgestellt wurden und die man (mit Eintrittsgeld) besuchen konnte. Die Restaurants um das ganze Hafenbecken waren voll, es gab viele Stände mit Butike-Inhalt, eine kleine Chilbi, lokale Musikgruppen mit bretonischen Liedern, usw. Wir hatten nicht gewusst, dass gerade heute hier ein Fest war.
Die Rückfahrt übers Land war wiederum sehr angenehm, unterwegs sahen wir die Kirche mit dem für hier typischen roasfarbenen Granit von Plounez, wir sind hier auch an der Côte de Granit Rose.


Beim Ankern in der Rade de Bréhat bei Niedrigwasser. Bei Hochwasser steht die Wasseroberfläche 11 m weiter oben.

Lézardrieux - Rade de Bréhat, 6 sm.

Wetter: In der Nacht und am Morgen etwas Regen, nachher meist bedeckt, am Abend etwas Sonne, wenig Wind aus allen Richtungen.

Fauler Tag unter Anker

Die Abfahrt zum nächsten Hafen wäre wegen des Stroms unchristlich früh oder eine sehr späte Abendankunft. So machten wir es in zwei kurzen Etappen: heute segelten wir mit dem Strom den Fluss Trieux hinunter zur Insel Bréhat, ankerten auf grosser Tiefe (es hatte schon einige andere Boote) und wechselten später zu einem Ankerplatz, der weniger tief und weniger dem Strom ausgesetzt war (immerhin haben wir hier immer noch einen Unterschied von Flut und Ebbe von über 11m).
Elisabeth schwamm ums Boot herum und reinigte den Wasserpass und kontrollierte beim Ruder, ob wirklich alles Seegras weg war. In der letzten Nacht strömten dicke Inseln von Seegras an oder unter uns durch. Für einen Ausflug auf die Insel fehlte die Lust, einerseits kennen wir sie schon von einem früheren Besuch, andererseits war heute Sonntag, und es hatte eine Unmenge von Tagesbesuchern auf der Insel, die mit Fähren herangekarrt wurden. Und das Wetter – nicht mehr so sonnig wie bisher – machte es auch nicht besser.


Mit dem Sonnenaufgang segelten wir von der Insel Bréhat weg Richtung Saint-Quay-Portrieux.

Rade de Bréhat - Saint-Quay-Portrieux, 15 sm.

Wetter: SW 4, später S1, diesig, bedeckt, am Nachmittag Regen.

Schnelle Fahrt mit dem Gezeitenstrom

Die Nacht war etwas holprig, es hatte ziemlich viel Wind, und obwohl wir etwas ausserhalb des Stroms waren, hatte es dennoch heftige Strom-gegen-Wind-Wellen, die laut ans Schiff polterten.
Wir fuhren mit dem Sonnenaufgang los, denn nur jetzt hatten wir noch Mitstrom bis zu unserem nächsten Hafen. Und dieser war recht heftig, neben der sowieso guten Geschwindigkeit wegen des Westwindes erhielten wir zusätzliche Fahrt, der Speedo zeigte längere Zeit immer um die 9 kn an. Aber unsere Berechnung mit dem Strom stimmte recht exakt, gerade vor dem Hafen kippte der Strom. Bereits um 10 Uhr lag Regina am Fingersteg.
Wir buchten 2 Nächte mit Option für eine dritte. Der Wetterbericht prognostizierte wenig Wind für morgen und Gewitter, am Mittwoch ebenfalls Gewitter mit schwachem Gegenwind, am Donnerstag haben wir voraussichtlich Nordwind für unsere Fahrt nach Osten.
Noch vor dem Lunch machten wir einen ersten Spaziergang durch das Städtchen und zum Montagsmarkt und zur Bäckerei, dabei wurden wir auch verregnet. Am Nachmittag regnete es mehrere Male, wir blieben auf dem Schiff, Elisabeth las und surfte (endlich wieder einmal ein rechtes Internet), Toni vertiefte sich in die Strom- / Wasserhöhe- und Routenberechnung für diese Gegend (St-Cast, St-Malo, Granville, Kanalinseln), welche recht kompliziert waren, denn die Reisen mussten zu den Wasserhöhen in den Häfen passen, und Gegenstromsegeln waren zu vermeiden, und auch die Windrichtung und -stärke sollte einigermassen komfortabel sein.


In der Badestadt Saint-Quay, ein untypischer urbaner Strassenzug, denn der Ort besteht vor allem aus Einfamilien- oder 2stöckigen bretonischen Steinhäusern.

Saint-Quay-Portrieux - Saint-Quay-Portrieux, 0 sm.

Wetter: Wenig Wind, Regen und Sonne mit Gewitter.

Pause in Saint-Quay-Portrieux

Heute schliefen wir etwas länger. Es regnete und wir hatten nichts zu verpassen und von gestern mussten wir noch etwas Schlaf nachholen.
Es hörte auf zu regnen und wir nahmen die Velos und fuhren durch das Städtchen zum Einkaufen. Man könnte meinen, wir hätten eine Atlantiküberquerung vor uns, aber unsere Vorräte waren schon wieder fast alle weg!!
Am Nachmittag, die Sonne kam raus, gingen wir noch zu einer zu-Fuss-Stadtbesichtigung. Aber noch auf der Pier entleerte sich die dunkle Wolke über uns und wir flüchteten in den Bretagne-Souvenirladen. Dort schauten wir uns alles genau an, es gibt viele hübsche Sachen, bis der Regen aufhörte. An der Sonne wurde es dann wieder ziemlich warm und wir schauten uns die andere Stadtseite bzw. den Teil Saint-Quay an. Am Badestrand waren auch Gäste, die aber weit laufen mussten, denn es war Ebbe und das Meer weit draussen. Es gibt auch ein Schwimmbecken mit einem Süll, das Wasser wird bei Flut gewechselt.
Zurück gingen wir etwas schneller, die dunklen Wolken kamen schon wieder. Trocken schafften wir es aufs Boot zurück. Doch während der Vorspeise mussten wir wieder ins Boot flüchten, es regnete wieder (schnell die Duschtücher reinholen und alle Luken dicht verschliessen).
Nach dem Znacht im Boot konnten wir nochmals draussen sitzen.


Die steile Strasse, die in Binic zum Hafen hinunterführte.

Saint-Quay-Portrieux - Saint-Quay-Portrieux, 0 sm.

Wetter: Meist stark bewölkt mit Regenschauer, E/N/W-Winde.

Velobesuch im Hafenstädtchen Binic

Wir buchten nochmals eine Nacht, denn heute war der Wind am Morgen kein Segelwind und nachher Gegenwind, Regen mit Gewitterneigung wurden auch vorausgesagt. Und wir sollten morgens früh los, wegen des Tidenstroms.
So fuhren wir am späteren Vormittag – nach dem Checken des Wetterradars – mit den Velos zur Nachbarstadt Binic, um uns dort den Hafen anzuschauen, der nur bei Hochwasser und eine Stunde vorher, bzw. danach zugänglich ist. Die Veloroute führte durch schicke Einfamilienhausquartiere, mit schönen Bretonischen Steinhäusern, aber zuerst steil von der Küste auf die Hochebene hinauf, am Schluss wieder steil hinunter.
Die Orte haben meistens ganz wunderschönen, farbigen Blumenschmuck, der wohl auch bewässert wird. Die Rasen vor den Häusern und in den Rabatten sind allerdings braun und vertrocknet. Bewässert darf wegen Wassermangel nicht, auch die Boote dürfen nicht abgespült werden und im letzten Hafen gab es gar kein Wasser am Steg.
Als wir in das Hafenstädtchen Binic kamen, waren schon dicke Wolken am Himmel. Der Visiteur-Steg war ausgebucht, für die Regina hätte es keinen Platz gegeben. Wir genehmigten uns noch schnell einen «petit café», um dann gleich wieder zurückzufahren. Für den frühen Nachmittag waren Gewitter angesagt, die dann aber knapp südlich von der Marina vorbeizogen.
So waren wir am Nachmittag auf dem Boot. Der Wind drehte heute immer und blies dann häufig ins Cockpit. Wir verzogen uns in den Salon.


Ziemlich einsam auf dem Meer zwischen Saint-Quay-Portrieux und Saint-Cast, hier das einzige Schiff, das wir sahen.

Saint-Quay-Portrieux - Saint-Cast, 29 sm.

Wetter: Am morgen grau, NW2, manchmal NW3, später sonniger, aber nicht mehr Wind.

Segeln mit Strom

Zur Weckerzeit war es noch stockdunkel, beim Hinausrangieren aus der sehr engen Boxengasse zum Glück nicht mehr. Wir waren nicht einzigen, die mit dem Strom nach Osten fahren wollten. Wir nahmen aber eine andere Route, wo wir mehr Stromunterstützung und diesen direkt von hinten hatten. Dafür mussten wir eine gute Meile gegen den beginnenden Strom motoren. Die Fahrt war nicht spannend, wir waren weit weg von der Küste, und der sehr achterliche schwache Wind liess gar nicht spüren, dass wir zusammen mit dem Strom 5-6kn schnell waren. Einzig die Segel mussten wir zwischendurch trimmen, wenn der Wind einen Dreher machte oder etwas stärker wurde. Mit dem Strom hatten wir heute 6 nm gespart bzw. waren 1 Stunde früher am Ziel.
Der Ort Saint-Cast-le-Guildo scheint schon ein älterer Badeort zu sein, es stehen einige Hotels da, die an frühere Zeiten erinnern. Aber es hat keine Hochhäuser wie in Belgien, wo die Badestädte riesige Ausmasse haben. Die Fussgängerzone ist nicht sehr gross, und es gibt einige grössere Campingplätze. Der Ort ist ein Familienferienort mit einem riesigen Strand und vielen Wassersportangeboten.
Auch die Marina - freundliches und hilfsbereites Personal, moderne Anlagen und auch viel Platz fürs Schiff - ist fast voll von Motorbooten und Segelschiffen mit Familien mit Kindern.


 

Das ist der Text in der Fusszeile.