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Atlantik 2022, Etappenlog

Logbuch Etappe 7:
Normandie, Nordfrankreich und Belgien

von Cherbourg nach Oostende 

01.09.2022 - 09.09.2022, 9 Tageseinträge, 269 sm.

Mit kürzeren Aufenthalten unterwegs und längeren Etappen zwischen Cherbourg und Oostende kamen wir schneller voran. Wir hatten aber genügend Zeit für Besichtigungen, in Le Havre, Dieppe und in Oostende blieben wir mehr als nur eine Nacht, meist wegen des Wetters (kein Wind, Wind aus falscher Richtung). In Erinnerung blieben die lange und abenteuerliche Fahrt von Cherbourg nach Le Havre und die "aussichtsreiche" Fahrt nahe entlang der Falaise, oder die unsichtige Regenfahrt bei Calais.



Unterwegs zwischen Cherbourg und Le Havre: Das Meer ist flach, sehr wenig Wind und nächstens Regen, und dabei schöne Wolkenlandschaften.

Cherbourg - Le Havre, 81 sm.

Wetter: Meist bedeckt, am Nachmittag und Abend Regenschauer, ENE3-5, später NE2.

Sehr lange Fahrt

Wieder einmal standen wir wegen der Tide auf, als es noch dunkel war. Aber wir freuten uns aufs Weiterkommen.
Schon bei der Mole konnten die Segel gesetzt werden. Allerdings mussten wir bei ENE erst einmal hinaus aufs Meer segeln, nicht auf der direkten Route zu unserem Ziel. Und als wir dann in den Strom kamen, ging die Fahrt sehr schnell, bis 11.3 Knoten über Grund.
Leider liess der Wind früher nach als angesagt, bei 5-7kn Wind geht bei unserem Schiff nichts mehr, vor allem weil der Strom nach 6 Stunden kentert und in die andere Richtung fliesst. So ging es ab Nachmittag unter Motor weiter, weil langsames Bummeln heute nicht drin lag.
Trotzdem kamen wir, nach 13 ½ Stunden Reise kurz vor dem Dunkeln in den Hafen, wo genug Platz war. Nach dem Znacht fielen wir ziemlich müde in die Koje.


In Le Havre findet man viele Skulpturen und Kunstwerke im öffentlichen Raum, wie diese Installation von Vincent Ganivet "Catène de Containers" in der Nähe der Piers.

Le Havre - Le Havre, 0 sm.

Wetter: Bewölkt, vorher in der Nacht Regen, praktisch kein Wind.

Spaziergang durch Le Havre

Le Havre ist eine spezielle Stadt. Die Innenstadt wurde nach dem Weltkrieg vollständig neu aufgebaut, mit breiten Strassen, Pärken, Fussgängerzonen. Die Häuser haben alle den gleichen Stil von 1950, und die zentrale Kirche St. Joseph wurde zu einem ganz speziellen Bau aus Beton mit einem hohen hohlen Turm und farbigen Fensterscheiben.
Dieses Jahr sind viele Skulpturen unter dem Motto «Un été au Havre» ausgestellt, einige davon haben wir besucht oder gesehen. Le Havre ist offensichtlich auch eine Kunststadt.
Le Havre an der Mündung des Flusses La Seine ist die grösste Hafenstadt Frankreichs am Atlantik, Kreuzfahrtschiffe besuchen die Stadt, Fährenverkehr mit England, vor dem Hafen ankerten unzählige Tanker und Frachter. Lichtsignale regeln den Schiffsverkehr, gestern mussten wir vor der Hafeneinfahrt wegen mehreren Frachtern warten.
Die Hauptsaison des Tourismus ist offensichtlich vorbei. Es sind nicht mehr so viele Leute unterwegs in der Stadt, und in der Marina sind die meisten Visiteur-Plätze leer, es hat vielleicht noch 4 oder 5 Boote von Reisenden wie wir.


Die berühmte Felsnadel (rechts im Bild) von Étretat schaut von unten nicht ganz so fürchterlich aus, aber die Felsenküste (Falaise) ist doch sehr beeindruckend.

Le Havre - Fécamp, 26 sm.

Wetter: Meist bedeckt, etwas Sonne, etwas Regen, SW2-3.

Gezeitenstrom und Wind

Was ist besser? Gegenstrom mit Wind (vormittags) oder Mitstrom ohne Wind (nachmittags)? Am liebsten hätten wir Mitstrom mit Wind, aber das gab es nicht. So legten wir am Vormittag ab und segelten langsam. Manchmal brauchen Segler viel Geduld, oder sie schalten einfach auf Diesel um. Wir übten uns in Geduld und nahmen den Gennaker wieder einmal aus der Kiste. Bis nach dem Mittag ging es auch so ziemlich langsam vorwärts, aber heute hatten wir Zeit. Erst als das Vorsegel von alleine wieder runter wollte, wir es geborgen hatten, setzte der Mitstrom ein und es fing an zu tröpfeln. Heute gaben wir etwas mehr Gas, der Motor sollte mal wieder richtig arbeiten (hat uns der Volvo-Techniker mal gesagt). Und wir durften nicht zu spät ankommen (wir sind doch ein bisschen zu lange langsam gesegelt), weil das Büro heute früh zumachte.
Wir fuhren nahe an der bekannten Felsnadel von Étretat vorbei mit Blick von aussen / unten, die Touristen oben am Berg sahen es umgekehrt. Die Felsküste der Normandie, Falaise, war überhaupt sehr beeindruckend, vor allem, wenn man so nah daran vorbeifahren kann.
In Fécamp angekommen spazierten wir der Hauptstrasse entlang, wo uns der Verkehr störte und die Stadt keinen so netten Eindruck machte. Für den Rückweg nahmen wir die Parallelstrasse, die uns viel besser gefiel: viele alte Häuser, jedes anders, teils mit Blumenschmuck und sogar ein prunkvoller Bau im Gotik-Stil, die Destillerie Palais Benedicte, wo heute noch Likör nach dem Rezept eines Benediktiners hergestellt wird.
Im Hafen sind nur noch drei andere Gastboote (von Skandinavien), eines davon ein Motorboot, das wir in Bénodet zuletzt gesehen hatten.


Dieppe neben der Falaise vom Meer aus gesehen.

Fécamp - Dieppe, 32 sm.

Wetter: Sonnig, meist S3-4, zwischendurch kein Wind, am Abend NE3-4.

Herrlicher Reisetag

Eigentlich zog der Gezeitenstrom erst gegen 13 Uhr in unsere Richtung. Weil es aber bereits guten Wind (genügend, richtige Richtung) hatte, beschlossen wir, früher los und halt gegen den Strom zu fahren. Und wir wurden belohnt mit einem schönen Segeltag, der Strom war weniger stark als angenommen, und der Wind genügend stark, damit wir immer noch mit 4-5 kn Fahrt vorwärts kamen. Nach dem kentern des Stromes hatten wir wohl theoretisch mehr Fahrt, aber der Wind nahm dafür ab, bis auf fast Stillstand. Zweimal musste der Motor aushelfen bis zum nächsten Wind, am Schluss kam er aus der Gegenrichtung, aber es reichte gerade ohne aufzukreuzen bis vor die Molen von Dieppe.
Die Fahrt neben der Falaise war spannend. Die Felswand wurde ab und zu unterbrochen von einem Tal, mit Dorf und Wald. Oben auf der Klippe standen mal ein Leuchtturm, mal einige Windgeneratoren. Und einmal fuhren wir an einem grossen Atomkraftwerk vorbei, das hier das Meer um fast 2 Grad aufwärmte. Das Holländerschiff, das gestern Abend noch im Dunkeln nach Fécamp kam, startete eine halbe Stunde früher und war eine halbe Stunde vor uns in Dieppe, auch sie segelten, solange es ging und nutzten zwischendurch wie wir die Motorunterstützung. Und das dänische Motorboot startete später und war vor uns im Hafen.
Es reichte gut für eine Dusche, aber den Spaziergang durch die Stadt verschoben wir auf morgen. Morgen soll es sehr wenig Wind und nicht die optimale Richtung geben.


Das Hafenbecken, wo früher die grossen Fähren, Cruiser und Frachter anlegten, ist heute eine Marina, wunderschön umsäumt mit alten Häusern (und einer Unmenge an Restaurants).

Dieppe - Dieppe, 0 sm.

Wetter: Am Morgen bedeckt, am Nachmittag Regenschauer und Gewitter, etwas Sonne.

Spaziergang in Dieppe, Insektentag

Nachts hatten wir ein kleines Mückchen in der Kabine, das nervte sehr, wenn es um den Kopf flog. Beim Zeitunglesen stach eine Wespe in meinen Fuss. Sofort einen heissen Lappen drauf, um das giftige Eiweiss unwirksam zu machen, half. Aber weh tat und tut es trotzdem, aber es gab keine Schwellung.
Wir spazierten am späteren Vormittag durch Dieppe, entlang des Hafens und durch die Grande Rue, die Fussgänger- und Einkaufszone. Und es ging hinauf zur Klippe beim alten Château, um aufs Meer hinunter zu schauen. Dabei fing es an zu tröpfeln. Es war noch eine Gruppe Engländer mit Reiseführer unterwegs.
Am frühen Nachmittag, als wir wieder zurück auf dem Boot waren, regnete es richtig und donnerte. Aber sobald die Sonne wieder durchkam war es wieder richtig warm. Wir gingen nochmals ins Städtchen. Jetzt waren mehr Geschäfte offen und auch mehr Betrieb. Nach einem kurzen Abstecher zum Strand (keine Lust zum Schwimmen, obwohl das Meer noch warm ist) und einem kleinen Einkauf in der Altstadt kehrten wir zurück.
Ein Mückenschwarm mit winzigen Mücken überfiel das Cockpit. Es war absolut windstill. Obwohl sie nicht stachen, nervten sie uns. Doch sobald wieder etwas Wind aufkam, waren sie zum Glück wieder verschwunden.


Die Wohnhäuser bei der Einfahrt zum Fischerhafen und zur Marina in Boulogne.

Dieppe - Boulogne-sur-Mer, 57 sm.

Wetter: Am morgen freundlich mit Sonne und S4-5, am Nachmittag S2-3, am Abend Gewitter.

Reise mit und gegen Strom

Für die heutige Distanz reichte ein Flutstrom nicht, es ging nicht ohne Gegenstrom. Wir entschieden uns, die windigere Tageshälfte mit Mitstrom zu segeln und die windarme Hälfte gegen den Strom zu motoren. Es ging perfekt auf: Gerade die letzte Festmacherleine am Steg festgebunden begann es zu regnen, und eine Stunde später kam ein heftiges Gewitter über die Marina.
Das Segeln war genüsslich bei dem vielen Wind von achtern und Sonnenschein mit Sicht auf die felsige Falaise. Das Motoren war eher langweilig, vor allem hatten wir keine Sonne mehr und die Küste war flach und weit weg. Und vorwärts kamen wir auch nur langsam, der Gegenstrom im Englischen Kanal war trotz Nippzeit recht stark.
Wir verzichteten auf eine Besichtigung von Boulogne, einerseits hatten wir gerade das Gewitter über uns, das Nachtessen hatte auch höhere Priorität, und andererseits kannten wir die Stadt schon von unseren drei früheren Besuchen.


Mal ein Schlechtwetterbild: der trübe und nasse Vormittag im Englischen Kanal bei Calais.

Boulogne-sur-Mer - Dunkerque, 46 sm.

Wetter: Bewölkt, Schauer, SW-S2-5.

Reffen – Ausreffen

Wir standen wieder früh auf, denn heute ging der Tidenstrom zur richtigen Zeit in die richtige Richtung für uns.
Dann gings aber den ganzen Tag bei der wechselhaften Windstärke mit Ein- und Ausreffen weiter, kaum waren die Segel gesetzt. Und sobald gerefft war, flaute der Wind ab, um dann wieder zuzunehmen, sobald ausgerefft war. So waren wir beschäftigt mit Windstärke 2 und 5!! Der Segeltag war wieder zweigeteilt. Am Morgen grau, trüb, feucht, hohe Wellen wie auf dem Atlantik, die Regina zum Rollen brachten. Die zweite Hälfte nördlich von Calais brachte Sonne, etwas gleichmässigeren Wind, fast keine Wellen, schönes Segeln.
Der Tidenstrom war stark und schob uns mit über 2 Knoten nach Osten an Calais vorbei. Wir kamen exakt in Dunkerque an, als der Strom kenterte.
Weil es erst Nachmittag war, konnten wir uns noch bewegen und in die nicht so nahe Stadt laufen.
Am Abend regnete es wieder. Der Generator vom Fischerboot nebenan brummte laut und wir freuen uns auf einen ruhigeren Hafen.


Segeln entlang der belgischen Küste. Diese sieht fast auf der ganzen Strecke so städtisch und verbaut aus: Sandstrand und dahinter die Hotels und Ferienwohnungen.

Dunkerque - Oostende, 27 sm.

Wetter: Meist sonnig, SSW4-5, später weniger, am Nachmittag Gewitter.

Gemütliche Ruhe vor dem Sturm

Wir standen pünktlich vor der Hafenausfahrt, als der Strom um 10 Uhr begann, nach Osten zu fliessen. Wir setzten die Segel und segelten mit Raumwind (teilweise sehr von achtern) entlang der belgischen Küste bis Oostende. Allerdings hatten wir Mühe mit dem Rollgross, da es sich ganz zuoberst nicht richtig ausrollen liess. Für heute wars kein Problem, das Grosssegel blieb sowieso im 2. Reff.
Unterwegs musste eine Sandbank überquert werden. Die Querung war nach Seekarte gut markiert, aber eine der roten Tonnen fehlte. So fuhren wir nach elektronischer Seekarte und beobachteten den Tiefenmesser sehr genau, aber auf der vorgesehenen Route war es kein Problem.
Unterwegs hörten wir auf dem Funk einen Spezialwetterbericht für die belgische Küste mit Sturmwarnung. Morgen gibt es 7 bft, und gemäss Internet-Wetterbericht auch Gewitter und tüchtig Regen. Aber aktuell hatten wir gerade blauer Himmel und schönen SSW4, einige weisse Wölkchen, in weiter Ferne gegen England grössere Wolken, fast keine Wellen, Mitstrom, wunderbar zum Segeln.
Kaum in der Marina des Royal North Sea Yacht Clubs richtig festgemacht begann es zu regnen, und das gerade recht heftig, und ein Gewitter entlud sich über uns. Nach dem Regen buchten wir 2 Nächte in der Marina, morgen bleiben wir hier.
Ein langer Spaziergang in Oostende, zuerst auf der Promenade dem Strand und den vielen Hotels entlang, dann quer durch die Innenstadt, führte uns am Schluss in ein Restaurant.


In der Innenstadt von Oostende (Belgien), immer wieder gibt es einen Regenschauer.

Oostende - Oostende, 0 sm.

Wetter: Regnerisch und sehr windig und böig.

Regnerischer Pausetag

Trotz des Wetterberichts und auch des aktuellen Wetters verliessen 4 Visiteur-Schiffe im Laufe des Morgens den Hafen, jetzt sind wir noch zwei Gastschiffe. Wir genossen den Starkregen im Boot, obwohl es sehr laut wurde. Zwischendurch schauten wir den Wetterradar an, Elisabeth ging in einer Regenpause zum Bäcker und Gemüseladen, und am Nachmittag machten wir einen Spaziergang durch die belebte Innenstadt, nicht ohne verregnet zu werden. Und der starke Wind fegte durch die Strassen, ein Regenschirm wäre unnütz oder schnell kaputt.
Mit den längerfristigen Wetterberichten und den Seekarten und Hafenführer machten wir eine Planung für die nächsten Tage. Wobei die Planung jederzeit angepasst werden muss, denn das Wetter hält sich nicht an den Wetterbericht, schon gar nicht an den längerfristigen.


 

Das ist der Text in der Fusszeile.