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Atlantik 2022, Etappenlog

Logbuch Etappe 9:
Nordholland, Waddenzee und IJsselmeer

von Scheveningen nach Medemblik 

20.09.2022 - 29.09.2022, 10 Tageseinträge, 144 sm.

Eigentlich wollten wir im IJsselmeer und der Waddenzee noch segeln und die alten Städtchen besuchen. Aber nach dem Segeltag ab Scheveningen nach IJmuiden hatten wir kaum mehr Wind und sehr viel Regen. So blieben uns die Städte Enkhuizen und Hoorn, die wir besuchten. Und mit den Wartezeiten wegen des Wetters hatten wir Zeit für die Wintervorbereitungen. Am letzten Tag auf der Fahrt nach Medemblik staunten wir, mit wie wenig Wind es segelt, wenn keine Wellen vorhanden sind.



Hafeneinfahrt von IJmuiden, die Hobbyfischer stehen wie überall zuvorderst auf der Mole, ungeachtet der Wellen.

Scheveningen - IJmuiden, 31 sm.

Wetter: Sonne mit Wolken, NW4 – NE2.

Holprige Fahrt nach Norden

Die Marina in Scheveningen leerte sich zunehmend, als wir aufstanden, waren bereits einige weg (wahrscheinlich die südfahrenden Schiffe wie das unseres belgischen Längsliegers). Und mit uns fuhren nochmals etwa 4 Segelschiffe weg. Der Start war aber blöd, die Ausfahrt des Hafens wurde versperrt durch einen Bagger. Die Centraale auf Kanal 21 sagte uns, es käme ein Tanker und der Bagger müsse die Einfahrt wieder vertiefen (kein Wunder nach diesen paar Starkwindtagen). 25 Minuten später konnten wir dann auch raus.
Bereits die Ausfahrt war sehr holprig, die Wellen von NW stauten sich hier und waren kurz, steil und hoch, nur mit Vollgas kamen wir weiter aufs offene Meer. Hier hatte es immer noch Wellen, aber mit dem NW4 kamen wir unter Segel doch vorwärts und das Boot schaukelte nur in 2 Dimensionen. Aber die kurzen steilen Wellen begleiteten uns bis zum Ziel, der Wind drehte fortlaufend um plusminus 30 Grad und die Windstärke wechselte innert wenigen Sekunden zwischen 5 und 15kn. Das sind wohl noch die Ausläufer des abgewetterten Sturmtiefs, aber es war sehr unangenehm und anstrengend.
Erst die letzten beiden Stunden war der Wind gleichmässiger und die Wellen nicht mehr so hoch. So genossen wir das Segeln, vor allem, weil auch die Sonne wärmte.
In der Marina gab es sehr viele leere Boxen, offensichtlich waren nicht mehr viele Leute unterwegs. Wir waren ein bisschen zu spät, der Hafenmeister hatte bereits Feierabend gemacht und das elektronische Buchungssystem funktionierte nicht, so gab es keinen Code zur Dusche.


Bei IJmuiden aan Zee der leere Strand.

IJmuiden - IJmuiden, 0 sm.

Wetter: Sonne mit wenigen Wolken, Windgeneratoren stehen still.

Flaute- und Arbeitstag

Wir arbeiteten: Deck reinigen und pflegen mit Boracol, undichte WC-Pumpe auswechseln, Abläufe spülen und durchgängig machen . . .
Am späten Nachmittag brauchten wir noch eine Abwechslung. Wir fuhren mit den Velos ins Städtchen. Auch hier eine breite, zweispurige Velostrasse getrennt von der Autostrasse. Zuerst schauten wir das alte IJmuiden an, allerdings war nichts mehr alt hier, alles neu gemacht, auch die «alten» ehemaligen Lagerhallen beim Fischmarkt am alten Hafen bzw. am Kreuzfahrtschiffpier. An den IJ-Schleusen vorbei sahen wir die vielen Industriebauten und das Stahlwerk auf der anderen Flussseite. Das Städtchen IJmuiden selber schien uns sehr kleinstädtisch und nichts Besonderes.
Zurück nahe der Marina mit den vielen leeren Passantenplätzen: ein kurzer Blick auf den riesigen, leeren Strand kurz vor Sonnenuntergang und dann Znacht im Salon.


Fischer mit Seevögel am Eingang der Waddenzee bei Den Helder.

IJmuiden - Den Helder, 37 sm.

Wetter: Meist sonnig, S2.

Zollkontrolle in der Waddenzee

Die ersten paar Meilen fuhren wir gegen den noch leichten Strom. Wir wussten, dass wir wegen des schwachen Windes nur langsam vorwärts kommen würden und machten deshalb einen Vorstart. Der Wind erreichte zwischendurch mal 6-7kn, so setzten wir den Gennaker und segelten nordwärts. Aber auch als der Strom kenterte und wir eigentlich Mitstrom hatten, segelten wir nie schneller als 3.5kn, da der Wind hartnäckig bei 5kn blieb. Nach dem Lunch entschieden wir uns, das grosse Vorsegel zu bergen und mit Motor unseren nächsten Hafen anzulaufen, sonst wären wir bald wieder in den Gegenstrom gekommen und hätten unser Ziel erst um Mitternacht erreicht.
Kurz vor Den Helder hatten wir Blaulichtbesuch vom Zoll. Der Beamte war sehr freundlich, fragte uns viel und machte Bilder von allen möglichen Dokumenten (die wir ja griffbereit im Navi-Pult hatten), auch das Papier der Zoll-Kontrolle von Camaret fotografierte er. Seit wir unterwegs waren war er der erste, der nach der Mehrwertsteuer-Zahlung fragte. Und am Schluss machte er noch einen Rundgang durchs Schiff, schaute in fast jeden Kasten und hinter die Polster und in die übrigen Stauräume, die es auf einem Segelschiff halt so hat.
Beim Königlichen Marine Yacht Club KMYC legten wir an. Wir waren hier aber mitten in der Militärzone, draussen war der grösste Marinehafen der Niederlande, mit uns eingefahren ist ein portugiesisches Kriegsschiff, und kleine Blaulichtmotorboote sorgten dafür, dass wir den Schiffen nicht zu Nahe kamen. Schon beim Gennakersegeln verfolgten wir auf dem Funk, wie die Marine ihre Schiessmanöver machten und ein Fischer sich nicht vertreiben liess, «er müsse jetzt zuerst das Netz wieder heraufholen».


Nach dem langen Regen kurz die Abendsonne in der Marina von Stavoren.

Den Helder - Stavoren, 25 sm.

Wetter: Nur Regen, S1-SW2.

Regenfahrt ins IJsselmeer

Erst gegen 14 Uhr war die Stromrichtung für uns geeignet. Die Waddenzee ist ein ausgeprägtes Tidengebiet mit starken Strömungen und vielen trockenfallenden Stellen. Wir mussten also strikt im Fahrwasser zwischen den grünen und roten Tonnen fahren, und eben mit Vorteil mit dem Strom und nicht dagegen. Wir machten es uns am Morgen also sehr gemütlich auf dem Schiff, zwischendurch regnete es.
Wir fuhren die ganze Strecke unter Motor, der Wind war zu schwach. Trotzdem war es anstrengend, beim Regen sah man kaum bis zur nächsten Tonne. Das Schleusen von der Waddenzee ins tidenfreie IJsselmeer war problemlos, in rund 50 Minuten waren wir trotz den Wartezeiten durch, wir waren neben einem Schlepper das einzige Schiff.
Vom IJsselmeer sahen wir nichts, es war grau und nass, man sah kein Land und keine anderen Schiffe. Kurz vor Stavoren hörte es auf in Strömen zu regnen, und nach dem Besuch des geschlossenen Büros des Hafenmeisters sahen wir sogar kurz die Sonne.


Schiefe Häuser in Enkhuizen.

Stavoren - Enkhuisen Buitenhaven, 15 sm.

Wetter: Am Morgen bedeckt N4-5, später sonnig mit N4.

Wieder einmal segeln

Am Wochenende ist auf dem Ijsselmeer immer viel los: so war es auch heute. Sehr viele Segelboote waren unterwegs. Wir mussten richtig aufpassen, wer wo und wann Vorfahrt hatte.
Eigentlich wollten wir ins Markermeer über Lelystad. Aber die Brücke bei der Schleuse funktionierte immer noch nicht. Schon gestern hörten wir das über den Funk. So entschieden wir, über die andere Schleuse bei Enkhuizen zu fahren. Aber als wir die vielen Boote sahen, die vor der Schleuse warteten, waren wir nicht mehr motiviert und drehten kurz entschlossen ab, zum Stadthaven Enkhuizen.
Die Plätze an der Mole waren schon alle besetzt, obwohl es erst früher Nachmittag war. So gingen wir ins Päckchen und machten bei einem Motorboot fest. Später füllte sich der Hafen immer mehr und wir bekamen noch zwei Aussenlieger.
Wir wanderten in das Städtchen, durch die Fussgängerzone und auch dort waren sehr viele Leute unterwegs. Die Sonne wärmte und die Leute sassen draussen in den Restaurants und Cafes.
Zurück auf dem Boot konnten wir noch draussen sitzen bis die Sonne hinter den Bäumen verschwand und es sofort kühl wurde.


Traditionssegler im IJsselmeer, auch «Braune Flotte» und «Kommerzielle Schifffahrt» genannt.

Enkhuisen Buitenhaven - Hoorn Grashaven, 12 sm.

Wetter: Zuerst Sonne ohne Wind, später W2 mit Regenböen W5, am Nachmittag kein Wind.

Von alter Stadt zu alter Stadt

Noch vor 10 Uhr lösten unsere beiden Aussenlieger ihre Leinen, und wir konnten auch losfahren, diesmal direkt zur Schleuse. Es wartete kein einziges Schiff, hinter uns kamen noch zwei weitere Segelschiffe, und kaum am Wartesteg festgemacht wurde das Einfahrtsignal grün. Auch in der Schleuse mussten wir nicht lange warten, und das Tor zum Markermeer öffnete sich.
Es hatte immer noch keinen Wind, erst später kam ein leichter Zug von NW. Wir setzten die Segel und dümpelten Hoorn entgegen. Aber irgendwann verschwand die Geduld. Erst viel später erlaubte es der Wind nochmals 2 Meilen zu segeln. Dann war aber definitiv Schluss, der Wind weg, die Sonne auch, die Segel wurden eingerollt. Und dann kamen tüchtige Regenböen von 20 kn, die bei ungerefften Segeln Probleme gegeben hätte, und es schüttete auch und die Sicht wurde beschränkt auf etwa 100m.
Kurz vor Hoorn hörte es auf zu regnen, und unsere Hafenmanöver konnten wir bei Sonne machen. Da wir schon ziemlich früh hier ankamen, machten wir gleich anschliessend einen Spaziergang in die Stadt, morgen soll es stürmisch und nass sein.
Heute war ein Herbstfest in Horn. Die Strassen waren voller Stände und Leute, alle Geschäfte hatten offen. Sehr viel Betrieb! Die vielen prächtigen alten Gebäude sind auffallend gepflegt.


Waterfront in Hoorn im Binnenhaven mit den Traditionssegler.

Hoorn Grashaven - Hoorn Grashaven, 0 sm.

Wetter: Regen.

Regentag mit Starkwind

Schon als wir aufwachten, regnete es und kühl war es auch. So schalteten wir heute die Dieselheizung an. Sie funktioniert und stinkt und raucht auch nicht mehr (wir hatten auch schon letztes Jahr den Auspuff gereinigt, der mit Nistmaterial verstopft war).
Als es nach dem Mittag aufgehört hatte zu regnen, nahmen wir die 100m Ankerkette aus der Ankerkiste auf den Steg und bürsteten und spülten sie, um sie vom Salz zu befreien, damit sie weniger schnell korrodiert. Das schafften wir allerdings nicht innerhalb der Regenpause. Allerdings war es, verglichen mit der Regenmenge heute Abend, nur ein tröpfeln.
Am Nachmittag nutzten wir die nächste Regenpause, um in die heute sehr leere Stadt zu spazieren. Kaum zurück auf dem Boot, regnete es wieder und eben, am Abend schüttete es. Und auch der Wind heulte draussen, obwohl wir hier hinter den Bäumen sehr geschützt liegen.


Beim Roode Steen, dem zentralen Platz in der historischen Stadt Hoorn, umgeben von vielen sehr alten (und schiefen) Häusern.

Hoorn Grashaven - Hoorn Grashaven, 0 sm.

Wetter: Häufig Regen.

Nochmals Regentag

Manchmal schüttete es recht heftig, und es war kalt, im Boot waren die Fenster wohl dicht, aber vom Kondenswasser beschlagen und nass. Erst gegen Mittag, in einer kleinen Regenpause, reichte es für einen Spaziergang zum Toilettengebäude.
Wir verfolgten den Regenradar genau und sahen von zwei bis halbvier Uhr einen Unterbruch der Regenfälle. So starteten wir pünktlich zu einer erneuten Stadtwanderung, diesmal aber zu einem Baucenter etwas ausserhalb der alten Stadt. Wie es so ist, der Regen hielt sich nicht an den Radar, so verbrachten wir halt eine längere Zeit bei den Baumaterialien und Schrauben und Gartensachen. Nachher war es trocken bis kurz vor der Marina, aber wir verkrochen uns gerne wieder in der Regina und stellten die Heizung an.


Regina im Buitenhaven von Enkhuizen.

Hoorn Grashaven - Enkhuizen, 13 sm.

Wetter: Sehr kühl, wenig Wind SW2 (Regenböen W4-5), etwas Sonne, Regenschauer.

Kurze Etappe mangels Winds

Als wir aufstanden, schien die Sonne und heizte unsere Kuchenbude auf, sonst war es aber sehr kalt, im Boot waren es am Morgen nur 11°C und alles um uns herum und auf dem Boot pflotschnass.
Ursprünglich wollten wir im Markermeer eine Insel, die einen kleinen Besucherhafen hat, anschauen, aber so ohne Wind verschoben wir das auf nächstes Jahr. Wir fuhren anfangs und zwischendurch mit Motor wieder Richtung Norden zur Schleuse bei Enkhuizen, es war an der Sonne recht angenehm.
Das Segeln war sehr langsam, bis dann eine schwarze Wolke Windböen mit über 15kn und Regentropfen schickte, da wurde Regina für einen Moment lang ganz schräg und schnell.
Das Schleusen war wieder sehr schnell, wir waren mit einem langen Frachter zusammen, der das Wasser tüchtig durcheinanderwirbelte. Und im Buitenhaven in Enkhuizen hatten wir eine grosse Auswahl an freien Plätzen an der Pier. Und dann einen Regenguss, als alle Leinen fest waren.
Ein trockener Spaziergang in der Umgebung und bis zur anderen Marina mit dem Einkauf im Marineshop war der Abschluss des Nachmittags.


Die Wolken spiegeln sich im IJsselmeer bei der windlosen Fahrt nach Medemblik.

Enkhuizen - Medemblik, 11 sm.

Wetter: S1-2, später NW0-1, sonnig/bewölkt.

Letzter Segeltag

Nun, das mit dem Segeltag ist etwas übertrieben, die Hälfte der Reise mussten wir motoren. Aber die wechselnden Wolkenstimmungen und das flache und spiegelnde IJsselmeer waren äusserst faszinierend.
In Medemblik war unser Lieblingsplatz im Middelhaven noch frei, direkt an der Kaimauer und unweit der Sanitäranlagen, geschützt gegen die stürmische Winde vom kommenden Freitag und Samstag. Hier werden wir nun die Regina winterbereit machen.
Kurz nach der Ankunft, noch vor dem Besuch beim Hafenmeister, nahmen wir die beiden Segel runter, legten sie schön sorgfältig zusammen und rollten sie ganz eng, damit sie möglichst wenig Platz im Salon wegnehmen. Das Vorgehen ist nicht ganz so einfach, wie es tönt, denn die längste der fünf vertikalen Fiberglaslatten im Grosssegel ist 15m lang. Aber immerhin, alles war trocken, es wehte fast kein Wind, und auf dem Kai hatten wir genügend Platz fürs Zusammenlegen. Und im Salon ist es nun etwas enger.
Am Abend machten wir noch einen kleinen Spaziergang. Irgendwie war es hier sehr ländlich und geruhsam, sehr wenige Leute waren unterwegs. Und als Tagesabschluss besuchten wir wieder einmal ein Restaurant.


 

Das ist der Text in der Fusszeile.