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Atlantikküste 2022, Log-Übersicht

Logbuch Etappe 3:
Biskaya-Passage nach La Rochelle

von Gijón nach Île d'Yeu, Anse des Vielles 

2022-07-06 - 2022-07-15, 10 Tageseinträge, 392 sm.

Passage von Gijón über die Biskaya nach La Rochelle (rund 60 Stunden unterwegs). Pause in La Rochelle für Sightseeing und Velotour, und dann eine gemütliche Fahrt nach Les Sables d'Olonne, hier nochmals mit Sightseeing und einer Velotour, und abschliessend die schöne Fahrt zur Île d'Yeu.



Biskaya-Passage: Eine grosse Delphin-Familie begleitete uns, vor allem der ganz kleine Delphin rechts mit seiner Mutter war so schnügge.

Gijón - südl. Biskaya, 0 sm.

Wetter: NE3-4, zuerst bedeckt, später sonnig.

Endlich Leinen los

Am Morgen checkten wir nochmals die Wetterprognose: für die nördliche Biskaya waren 20, in Böen 30 Knoten Wind angesagt, und das auf die Nase, das ist nicht das, was sich Segler wünschen. Aber wir wollten endlich los und so schnell werden wir nicht dort sein.
Wir legten ab. Die Wolken hingen über der spanischen Nordküste und der Wind schlief noch. Nach 15 sm kam er endlich und der Motor konnte abgestellt werden.
Anfangs ging es der spanischen Nordküste entlang, Wind und Wellen hart am Wind, am Abend kreuzten wir weiter hinaus in der Hoffnung auf etwas mehr Wind. Delphine zeigten sich und begleiteten uns.
Mit 3 bf. Wind und den ekligen Biskayawellen kamen wir gar nicht recht vorwärts. Und Regina fuhr unruhig durch die Wellen. Es wurde noch schlimmer, als der NE-Wind so schwach wurde, dass es nur noch ekliger schaukelte und gar nicht mehr vorwärts ging, nur noch mit Diesel. Ausser vielen Fischerbooten war hier niemand unterwegs. Und die Fischer versammelten sich um einen Unterwasserberg, dessen Gipfel 500m unter Wasser war, die Umgebung war über 3000m tief. Der Himmel war klar und die Sterne waren schön zu sehen, auch die Milchstrasse.


Biskaya-Passage: Am zweiten Abend wurden wir mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt.

südl. Biskaya - Biskaya, 0 sm.

Wetter: N-NW 1-5, wolkenlos.

Hartes Segelleben

Und den Diesel brauchten wir bis zum frühen Morgen um 4.35 Uhr.
Dann kam der NW-Wind mit 3-4 bf. Immer gegen den Wind und gegen die Wellen und die Strömung. Das ist hart. Bei Windstärke zwischen 3-5 bf musste zwischendurch gerefft und dann später wieder ausgerefft werden.
Dem Skipper verging die Lust aufs Essen, dieses Problem hatte er schon lange nicht mehr. So fastete er heute (fast). Für eine Person kochen hatte die Skipperin, die immer gut bei Appetit war, keine Lust, so blieb heute die Pantry kalt.
Bei Nordnordwestlichen Winden kamen wir gut vorwärts. Allerdings waren die Biskayawellen wirklich teilweise sehr scheusslich. Reginas Vordeck wurde immer wieder überspült und auch kamen die ganz grossen Wellen übers Boot bis zur Sprayhood. Dort blieben wir aber trocken. Aber das Boot stampfte und schaukelte, nicht gerade angenehm.
Wir sahen keinen einzigen Segler. Nur nachts versammelten sich wieder die Fischer bei der Kante des Biskaya-Schelfs zum tiefen Atlantik. Es war fast ein bisschen stressig, durch die Fischerboote-Ansammlung zu fahren, vor allem da wir hart am Wind segelten und eigentlich nur abfallen, aber nicht anluven konnten. Aber zu jedem Fischer konnten wir mehr als eine halbe Meile Distanz einhalten.
Die Nacht war wieder sternenklar. Auch Sternschnuppen waren zu sehen.


Blick auf den Seekartenplotter nach Ankunft in La Rochelle: Die gerade Linie zwischen Gijón und La Rochelle war die geplante Wunschlinie (250nm), die andere die gesegelte Route (325nm).

Biskaya - La Rochelle, 325 sm.

Wetter: ENE -NW, 3-4, wolkenlos.

Nachteinfahrt in Frankreich

Wir kamen in eine Gegend, wo sich Dünung, Gezeitenstrom und Windwellen aus drei verschiedenen Richtungen trafen. Scheusslich. Es wurde nur langsam besser, die Dünung nahm ab, die Wellen wurden kleiner, nicht mehr über 2m, und so wurde Regina schneller, auch weil der Wind zunahm. Und dann später netterweise auch noch nach NNW drehte. So machte es Spass! Das Deck blieb jetzt trocken und wir sausten am Schluss unserer Passage mit über 7 Knoten im Halbwindkurs, den mag ja jedes Segelboot, Richtung La Rochelle.
Wie vertrieben wir uns die Zeit? Einerseits mit Schlaf nachholen, hier schlafen wir in Etappen und andererseits mit Lesen. Mit einem spannenden Buch verging die Stunde sehr schnell und jede Stunde gab es einen Eintrag ins Logbuch. Und dort, wo die Fischerboote standen, wurde es gar nicht langweilig. Zwischendurch sahen wir aus der Ferne einen Frachter, der nach Bilbao fuhr.
Ausser den Lichtern der Fischer in der Nacht sahen wir kein anderes Boot. Ganz alleine waren wir im Biskayagewässer! Bis kurz vor La Rochelle. Hier trafen wir auf die Segler, die nach Süden fuhren, zwei Segler, die ungefähr auf unserer Plotterline nach SW segelten, und dann die lokalen Segler, die den Abend genossen. Allerdings waren wir doch schon sehr spät dran, und es gab eine Nachteinfahrt und das Festmachen in der Dunkelheit am Meldesteg der grossen Marina in La Rochelle.


Segelmasten bis zum Horizont in Europas grösstem Yachthafen: La Rochelle.

La Rochelle - La Rochelle, 0 sm.

Wetter: sehr warm, Wind von Ost.

Ausschlafen und ankommen

Wir schliefen so tief und gut, wie die Murmeltiere im Winter . . .
Doch weil wir noch am Meldesteg standen, standen wir doch nicht zu spät auf, denn um 9 Uhr kamen die Hafenmeister und wir bekamen unseren Platz zugewiesen, nicht weit vom Meldesteg und nicht zu hinterst im Bassin. Wir machten rückwärts fest, damit der Wind diesmal schön ins Cockpit blasen konnte.
Dort gab es Zmorge, etwas später als sonst. Vorher musste noch das Bimini, unser Sonnendach, aufgebaut werden. Danach schauten wir uns die Zeitungsmeldungen an und sassen im Cockpit im Wind und im Schatten. So war es angenehm.
Am Nachmittag spazierten wir durch das riesige Hafengelände (die grösste Marina Europas) und machten einen Besuch im Yachtshop. Wir kauften nur ein Tape, die Sitzkissen, die wir wollten, gab es nicht. Aber wir können auch noch auf den alten sitzen, kein Problem.
Am Abend gab es noch ein Schwimmen im Meer zur Abkühlung. Leider war gerade Ebbe, bis zur Bojenabgrenzung konnte man laufen und die vielen muschelbewachsenen Steine störten auch.
Lange sassen wir im Cockpit, prophylaktisch waren Mückengitter und –Netz montiert. Aber so schlimm ist es mit den Mücken hier (noch) nicht. Allerdings stört eine einzige, wenn sie nachts ums Gesicht schwirrt.
Bis es im Boot abgekühlt war, war es lange nach Mitternacht.


Portal zum Alten Hafen von La Rochelle mit den beiden militärischen Türmen la Chaîne und St. Nicolas.

La Rochelle - La Rochelle, 0 sm.

Wetter: heiss mit heftigem Ostwind.

Kurzes Sightseeing

Wir wollten eigentlich früh los und in die Stadt, aber so früh schafften wir es dann doch nicht.
Mit den Velos fuhren wir auf der Velostrasse in die Stadt. Gestern war ein Fest gewesen, die Musik hörten wir bis zum Hafen. Und es waren schon unglaublich viele Leute unterwegs. Wir stellten die Velos in der Altstadt ab und gingen zu Fuss weiter. Die befestigte Altstadt mit ihren Mauern und Türmen und den vielen alten Häusern ist immer wieder sehr beeindruckend. Im Mittelalter war die Stadt ein Zufluchtsort für die verfolgten Hugenotten.
Wir bummelten durch die Gassen und versuchten dort durchzugehen, wo nicht so viele Leute waren und möglichst am Schatten, so kamen wir auch zum Markt (Betrieb trotz Sonntag). Nach einem Petit Café, die Leute sassen schon beim Mittagessen, kehrten wir zum Boot zurück, wo wir uns im Schatten, inzwischen war es fast 30 Grad, erholten.
Das Schwimmen, heute früher als gestern, dazu hatte sich die Tide um fast eine Stunde verschoben, war heute traumhaft. Das Wasser in der Bucht war sehr tief, nur etwa 10 Leute schwammen oder kraulten dort, die Menschenmassen lagen im Sand, mit und ohne Sonnenschirm oder standen im Wasser am Ufer.
Im Hafengelände war ein riesiges Treiben. Die Segel- und Motorboote liefen in der Kolonne aus und kamen am späten Nachmittag ebenso im Abstand von 20 m wieder zurück. Oft gab es spannendes Hafenkino (manchmal führte es zu unserem erstaunten Kopfschütteln, z.B. beim Anlegen mit dem Wind oder Segelsetzen mit achterlichem Wind).


Die typischen weiten Kornfelder Frankreichs kennen wir von anderen Orten, hier südlich von La Rochelle am europäischen Radweg EV1.

La Rochelle - La Rochelle, 0 sm.

Wetter: heiss mit Ostwind.

Strand-Velotour auf der EV1

Heute waren wir etwas früher dran, obwohl Elisabeth vor dem Frühstück noch beim Bäcker vorbeiging. Bevor wir mit den Velos losfuhren, verlegten wir das Schiff, damit wir morgen früh einfacher losfahren können.
Die Tour führte uns auf dem Strandweg entlang nach Süden bis zum Dörfchen Angoulins. Nach der Sicht auf den trockengefallenen Hafen kehrten wir um und fuhren wieder auf dem Strandweg nach Norden. Wir befanden uns in einer Gegend, wo es unzählige Austernfabriken hatte, und immer wieder traf man auf ein Schild für Degustationen.
Zwischendurch befand man sich tatsächlich beim Strand, es hatte aber fast niemanden hier. Aber wir trafen recht viele Velofahrende, solche mit Grossgepäck und solche, die nur an den Strand fahren wollten, aber auch Mountainbike-Racer und unbeholfene Mietvelofahrende. Wir befanden uns auf der EV1. In Portugal fuhren wir auch mal auf der EV1, sie hiess dort EcoVia1. Hier heisst das EV1 EuroVélo1, d.h. eine französische Teilstrecke der Eurovelo 1 - Atlantikküsten-Radweg Atlantic Coast Route von Norwegen zur Algarve über 11000km.
Auf der Rückfahrt besuchten wir noch einen grossen Supermarkt und verbrachten dann den heissen Nachmittag auf dem Wasser im Schiff. Elisabeth kühlte sich aber nochmals am Strand im Atlantikwasser ab, auch diesmal mit genügend Wasser und ohne Steine.


Wieder einmal Segeln unter Gennaker westlich der Île de Ré.

La Rochelle - Les Sables d'Ollone, 39 sm.

Wetter: Heiss, zu Beginn schwacher E, später SE2-3 und S, am Schluss kein Wind, am Abend NW.

Wellenloses Gennakern

Bei der frühen Abfahrt um 7 Uhr waren wir nicht die Ersten. Das Wegfahren vom Kopfende des Steges war ohne Probleme. Nach etwa einer halben Stunde konnten wir die Segel setzen und langsam südlich um die Île de Ré segeln, teilweise auch mit Unterstützung des Gezeitenstroms. Mit ein bisschen mehr Wind und ohne Wellen gings dann flott Richtung Nord, teilweise bis 8kn schnell. Bei diesen Verhältnissen konnten wir uns auch eine kleine «Regatta» mit einem Katamaran leisten, wobei wir um einen Bruchteil eines Knotens schneller waren.
Etwa 2 Stunden vor unserem Ziel wurde der Wind zu einem Gennakerwind; d.h. wir setzten das grössere Vorsegel und staunten fast ein bisschen über uns, denn alles ging wie am Schnürchen und ohne Probleme, wie wenn wir das sehr regelmässig tun würden. Nach einer Stunde gab es nur noch 4 kn Wind von achtern und dann fiel das Segel in sich zusammen. Über den Rest der Strecke half der Motor, der Wind drehte auch immer mehr, im Hafen hatten wir dann leichten NW.
Den heissen Nachmittag verbrachten wir auf dem Schiff, wobei wir dann bei einem eher abenteuerlichen Hafenmanöver helfen mussten. Das Eignerpaar hatte das nigelnagelneue Schiff in La Rochelle übernommen und nun fast das erste Mal in einem unbekannten Hafen mit dem noch nicht bekannten Schiff «angelegt» bzw. wurde von uns an den Steg gezogen.
Etwas später machten wir noch einen Spaziergang im riesigen Hafengelände. Dieser Hafen ist ja sehr berühmt für seine Regatten und vor allem auch das Rund-um-die-Welt-Rally Vendée Globe. So hat es neben dem Steg für die Regattaschiffe auch beliebig viele Betriebe, die im nautischen Umfeld tätig sind. Für die vielen Einheimischen und Segler gibt es auch unzählige Restaurants und Bars um das Hafenbecken.


In der Altstadt von Les Sables d'Ollone

Les Sables d'Ollone - Les Sables d'Ollone, 0 sm.

Wetter: Sonnig und heiss, wenig Wind aus NW.

Heisse Altstadt und kühles Shoppingcenter

Das benachbarte Neueignerpaar spendierte uns Croissant und ein Brot zum Frühstück. Sie fuhren weiter nach Norden, heute wahrscheinlich alles unter Motor mangels Winds. Wir übergaben ihnen die Festmacherleinen, und dann machten wir uns mit den Velos auf den Weg.
Die Altstadt westlich der Hafeneinfahrt besuchten wir noch gestern. Diesmal galt unsere Velofahrt dem anderen Teil, östlich des Hafens, und der ewig langen Strandpromenade. Es war sehr warm. Viele Leute strömten durch die Gassen zum Sandstrand. In den Gassen der Fussgängerzone mit den Läden war es schattiger und weniger heiss. Aber nach zwei Stunden hatten wir es auch gesehen.
Mit den Velos fuhren wir zur Industrie- und Gewerbezone etwas ausserhalb der Stadt und besuchten zuerst ein Baucenter für die noch fehlenden Teile des Schlauches, den wir zum Ankerabspritzen verwenden wollen. Es war angenehm kühl, und es hatte wenig Leute. Anschliessend fuhren wir noch einige Meter weiter zum Shoppingcenter. Dort hatte es markant mehr Leute, es war Betrieb wie an einem Samstag, an der Kasse mussten wir sehr lange warten.
Der Nachmittag verging auch schnell, Elisabeth füllte noch eine Waschmaschine und schmückte unser Schiff mit der Wäsche zum Trocknen. Am Abend war grosser Betrieb im Hafenumfeld und auch auf den Nachbarschiffen, oben auf dem Parkplatz hatte es ein Pop-Konzert, und genau um Mitternacht gab es dort noch ein Feuerwerk: Der Französische Nationalfeiertag begann.


In der Sumpf- und Seelandschaft hinter den Dünen von Les Sables d'Ollone.

Les Sables d'Ollone - Les Sables d'Ollone, 0 sm.

Wetter: Sonnig und heiss, wenig Wind aus allen Richtungen.

Mit dem Velo zum Strand

Am späteren Vormittag fuhren wir mit den Velos wieder auf der EV1, diesmal etwa 10 km nach Norden. Die Route führte zuerst durchs Aussenquartier, nachher durch eine Dünenlandschaft mit Wald. Bei La Forgerie verliess die Route den Wald und die Velostrasse führte über eine wunderschöne See- und Sumpflandschaft nach Sauveterre und von dort wieder durch den Dünenwald zum Strand. Es war gerade Ebbe, d.h. der Strand entsprechend breit und teilweise auch steinig. Elisabeth fand eine Ecke, wo es Sand, aber keine Brecherwellen für ihre Schwimmzüge hatte. Zurück fuhren wir auf der gleichen wunderschönen Route zur Marina.
Am späteren Nachmittag schauten wir uns die Schiffchen am Regattasteg an. Es sind Schiffe der Klasse 6.5m, meist bekannt als Pogo3, es gab aber sehr viele andere Modelle mit verschiedenster Ausrüstung. Bald segeln diese Boote einhand zu den Azoren und wieder zurück.
Auf dem Boot wurde es recht heiss, wir waren froh um unser zusätzliches Schattentuch. Sobald es dunkel wurde, konnten wir noch das angekündigte Feuerwerk vom Französischen Nationalfeiertag sehen. Aber vorher machten wir das Schiff noch bereit für die morgige Weiterfahrt. Und gegen Mitternacht musste der Speedo noch geputzt werden!


In der Anse des Vielle an der Südküste der Île d'Yeu.

Les Sables d'Ollone - Île d'Yeu, Anse des Vielles, 28 sm.

Wetter: Sonnig, sehr warm, E – N 2-5.

Schönes Segeln zum Ankerplatz

Trotz dem prächtigen Feuerwerkzauber gestern Abend waren wir nicht die Ersten, die aus dem Hafen fuhren. Kaum waren die Segel gesetzt, schaukelten wir nordwärts der Insel entgegen, zuerst mit Halbwind, später am Wind. In der Ankerbucht an der Südküste der Insel waren wir auch nicht die Einzigen, obwohl wir ja recht früh ankamen, mussten wir den Anker recht weit aussen in tieferem Wasser setzen.
Der Nachmittag und Abend war gemütlich, vor allem nicht zu heiss, das Atlantikwasser war hier nur gerade 18°C warm (Elisabeth ging nicht schwimmen).


 

Das ist der Text in der Fusszeile.