Südnorwegen 2025, Log-Übersicht

Logbuch Etappe 10:
Bergen - Stavanger auf Umwegen

von Osøyro nach Stavanger Børevigå 

2025-07-30 - 2025-08-06, 8 Tageseinträge, 106 sm.

Mit Gästen segelten bzw. motorten wir von Osøyro (südlicher Vorort von Bergen) über Leirvik nach Stavanger. Allerdings selten optimales Segelwetter, und einen Sturm mussten wir in Stavanger abwettern.



Bergen: Die Häuser der Bryggen gehören zum Weltkulturerbe und werden deshalb auch von vielen Leuten besucht.

Osøyro - Osøyro, 0 sm.

Wetter: meist bedeckt.

Besuch Bergen und Gäste abholen

Mit dem Bus fuhren wir nach Bergen und schlenderten zu den bekannten Orte der Stadt, ohne aber in Museen oder Ausstellungen zu gehen. Es war gemütlich, und wir hatten Zeit. Aber den Aussichtspunkt Fløy besuchten wir nicht, einerseits waren wir schon mehrere Male dort oben, andererseits erlaubten die Wolken kaum die umfassende Aussicht über die Inselwelt.
Mit dem Tram fuhren wir am späteren Nachmittag zum Flughafen, um unsere Gäste Simone und Christian abzuholen. Sie werden uns bis Stavanger begleiten.


Im Fjord Langenuen südlich von Osøyro hatte es zu Beginn kein Wind, es war aber sonnig und warm.

Osøyro - Leirvik, 31 sm.

Wetter: meist sonnig und kein Wind und warm, später NW2-3 und bewölkt.

Motoren, Ankerpause, Segeln

Die erste Hälfte der heutigen Segelreise war sonnig und windlos, auch die Windgeneratoren oben am Berg machten keinen Wank. Wir mussten motoren. Immer noch an der Küste der Insel Tysnes fanden wir eine Badebucht bei Økland und wir ankerten dort für die Mittags-und Schwimmpause.
Nachher hatten wir für ein Weilchen etwas Wind zum Segeln, die letzten Meilen vor Leirvik waren aber wieder zu schwachwindig.
In Leirvik war der Dorfspaziergang schnell gemacht, eine Waschmaschine wurde gefüllt, und alle genossen die schöne Dusche im Servicegebäude. Am Abend war der Himmel bedeckt und es wurde kühler, doch wir sassen auch nach Sonnenuntergang noch draussen.


Blick über Haugesund und auf die Nordsee vom Vardefjellet.

Leirvik - Haugesund, 26 sm.

Wetter: meist bedeckt, zuerst windlos, später NW4-5.

Rückenwindsegeln

In Leirvik war es noch windstill, erst im Bømlafjord hatten wir schönen Segelwind. Später hatten wir einen Kurs mit sehr achterlichem Wind (segeln nur mit der gerefften Genua), und hier kamen auch noch die Wellen der Nordsee dazu, es war also recht schauklig. Aber bis zu den ersten Häusern von Haugesund konnten wir segeln.
Ursprünglich wollten wir noch den Karmsund hinuntersegeln, wir sahen aber noch einen guten Platz in Haugesund vor dem Hotel. Der Gezeitenstrom wäre auch gegen uns gewesen. So machten wir hier fest. Für heute Nacht und morgen gibt es tüchtig Wind (am Funk hörten wir eine «Near-Gale-Warning» für diese Küstengegend), aber so zwischen den Häusern sollte das keine Probleme geben.
Am Nachmittag hatten wir schön Zeit für Sightseeing und eine Wanderung (Toni und Elisabeth) auf den Vardafjellet und den Mosskardsfjellet oberhalb der Stadt. Vom windigen Berg hatten wir eine gute Aussicht über die Stadt und den Karmsund und die Karmøy-Brücke. Aber aufs Meer hinaus sahen wir nicht, es hatte dort eine riesige tiefe Wolkenwalze, die wohl vom angekündigten Sturm kommt.
Am Abend nach dem Znacht nutzten wir die schöne Infrastruktur des Hotels (WC, Dusche, und Sauna für unsere Gäste).


Im Inselslalom zwischen Karmsund und der Ryfylke zirkelten wir teilweise sehr nahe an den Steinen und Felswänden vorbei.

Haugesund - Helgøysund Marina, 29 sm.

Wetter: zuerst bedeckt mit NW4, später mit Sonne und W3.

Mit Inselslalom nach Ryfylke

Wir liessen uns schon wieder von dem Wecker aus der Koje scheuchen, um noch früher (08.15 Uhr) als gestern abzulegen. Nach 10 Minuten konnte die Genua ausgerollt werden und es wurde ein wunderbarer Segeltag. Mal mehr, mal weniger schnell segelten wir durch die Inselwelt, nahe an Steinen und Untiefen vorbei. Der angekündigte Starkwind wurde dann gar nicht so stark. Und achterlicher Wind ist eh angenehmer, allerdings war es dann zwischendurch Vorwind, das Segel wusste dann nicht immer, ob es steuerbord oder backbord bleiben wollte. Anfangs war es novemberlich grau, die nebligen Wolken verzogen sich und dann zeigte sich die Sonne.
Wir erreichten den Gästehafen Helgøysund zur Kaffeezeit und fanden einen der letzten Plätze auf der Aussenseite eines Fingerstegs. Ausser dem wasserscheuen Skipper schwammen alle neben dem Boot hin und her und waren danach wunderbar erfrischt.


Blick vom Gewerbepier zum Gästepier in Reilstad.

Helgøysund Marina - Reilstad (Finnøy), 8 sm.

Wetter: NW1-2, grau, trüb, häufig Regen oder Niesel.

Hafenwechsel unter Motor

Wir waren nicht die ersten, die die Leinen lösten. Bei diesem Wetter, auch wenn es Sonntag ist, fahren auch Norweger lieber wieder früh nach Hause. Bei der schlechten Sicht und dem regen Verkehr auf dem Fjord – Fähren, Motorboote, Segelboote mit und ohne AIS – lohnte es sich, wieder einmal das Radar auszuprobieren. Nach der kurzen Fahrt schauten wir uns noch den Gästesteg des Segelvereins Stavanger an, der sich auf einer kleinen Insel eingerichtet hat (Insel Langöy). Da wir aber uns noch auf dem Land bewegen wollten, fuhren wir eine halbe Meile weiter und machten im Gästehafen von Reilstad auf der Insel Finnøy fest. Allerdings reichte die Tiefe nur gerade knapp für unseren tiefen Kiel. Christian steuerte ganz langsam und vorsichtig zur Holzpier.
Am Nachmittag gab es eine Regenpause, die wir für eine kleine Wanderung auf den Bergevarde (147m) nutzten. Kurz vor dem Gipfel war ein Parkplatz und breite Waldwege, die fürs Joggen oder im Winter für Langlauf genutzt werden können, sogar mit Beleuchtung. Bei gutem Wetter hätten wir wahrscheinlich bis Stavanger sehen können, heute reichte die Sicht nur bis zu den umliegenden Inseln. Die Felder auf dieser Höhe werden offensichtlich nur als Weide von einigen Kühen und sehr vielen lauten Schafen genutzt.
Reilstad ist eine kleine Ortschaft mit recht vielen Einfamilienhäusern, einem kleinen Hafen mit Gewerbepier und Gästepier und einer Tankstelle.
Es gibt keinen Laden und kein Restaurant mehr. Kein Wunder, denn die Leute hier haben heute direkten Strassenanschluss über Unterwassertunnels nach Stavanger. Sie brauchen die langsamen Fähren und die Dorfinfrastruktur nicht mehr.


Im Gästehafen von Stavanger: Unter der Kuchenbude ist es bei Regen und Starkwind angenehm und gemütlich (Bild Christian).

Reilstad (Finnøy) - Stavanger Børevigå, 12 sm.

Wetter: W0-2, stark bewölkt, später etwas Sonne, am späteren Nachmittag und Abend Regen mit Sturmböen aus S.

Flucht nach vorne

Heute brauchten wir noch einmal den Wecker! Wir wollten vor dem Regen und Sturm in Stavanger sein, und vor allem noch einen Platz finden. Der Wind war noch nicht da, so brauchten wir den Motor. Ausser den Fähren war keiner unterwegs.
In Stavanger war es auch nicht so einfach, einen Platz zu finden. An der Aussenseite vom Wellenbrecher-Schwimmsteg festgemacht suchte der Skipper nach einem Platz und fand tatsächlich in der hintersten Ecke einen schmalen freien Platz, wo mit 4 Festmachern das Boot beidseitig angebunden werden kann. Normalerweise ist man am Fingersteg nur auf einer Seite fest.
Leider gabs beim Rückwärtsfahren an den Steg ein Kratzerchen am Steuerbordheck, weil dort kein Fender war, dafür eine scharfe Kante am Fingersteg (na ja, es gibt Schlimmeres…).
Wir konnten einen Stadtspaziergang machen und die warme Dusche geniessen und schon regnete es. In der Kuchenbude blieb es trocken. Unsere Gäste kochten einen feinen Znacht und die ersten Böen vom Tief, das von Schottland kommt, bretterten über den Hafen. Die ganz starken Böen bis 47 kn werden uns in der Nacht erreichen.


Spaziergang durch die Altstadt von Stavanger: Die Häuser an der Holmegata.

Stavanger Børevigå - Stavanger Børevigå, 0 sm.

Wetter: SW-Winde mit Sturmböen, meist Regen.

Sturm abwettern im Hafen

Trotz des Schaukelns nachts haben wir alle gut und lange geschlafen. Draussen regnete es, und der starke Wind war zu hören. Immer wieder brauste eine Böe durch den Hafen. Die Regenpausen waren nur kurz, es reichte kaum für den Gang aufs WC.
Simone und Christian besuchten vor dem Mittag das Ölmuseum. Toni nutzte das Regenwetter für die Bearbeitung von Bildern einer früheren Etappe.
Erst am späteren Nachmittag, als wir im Regenradar eine Pause sehen konnten, machten wir noch einen kleinen Spaziergang durch die Altstadt von Stavanger.
Heute waren nicht so viele Leute in den Gassen, kein Wunder bei diesem Wetter, und auch kein Kreuzfahrtschiff stand in der Stadtbucht. Auch kein Segel- oder Motorboot hatte den Hafen verlassen.


Eines der hübschen Holzhäuschen im "gamle" Stavanger.

Stavanger Børevigå - Stavanger Børevigå, 0 sm.

Wetter: starke S-Winde mit Schauer und Regen, wenig Sonne.

Abschied

Heute begleiteten wir unsere Gäste am späten Vormittag zur Bushaltestelle. Der Flybus kam pünktlich. Wir liefen noch kurz durch die Stadt und waren beim nächsten Regenschauer wieder auf dem Boot.
Am Nachmittag, als sich die Sonne kurz zeigte, spazierten wir durch das bekannte «Gamle» Stavanger und schauten uns die blumengeschmückten Holzhäuschen mit ihren schönen Blumengärtchen an. Heute war kein Kreuzfahrschiff da und entsprechend wenig Leute in den Strassen.
Beim nächsten Regenguss flüchteten wir ins Café und nach dem Einkauf drückte die Sonne wieder durch die Wolken.
Unsere «Heinzelmännchen» sind wieder weg, wir mussten wieder selber abwaschen!!


 

Das ist der Text in der Fusszeile.