Logbuch Etappe 11:
Von Stavanger nach Süden
von Stavanger Børevigå nach Mandal
2025-08-07 - 2025-08-16, 10 Tageseinträge, 159 sm.
Von Stavanger (Rogaland) zum Kap Lindesnes und Mandal gab es immer wieder Unterbrechungen mit Abwettern und einen (wetterbedingten) Besuch von Flekkefjord abseits der üblichen Route.
Donnerstag, 07.08.2025:
Stavanger Børevigå - Stavanger Børevigå, 0 sm.
Wetter: starke S-Winde mit Schauer und Regen, wenig Sonne.
Warten auf besseres Wetter
Heute hatten wir das gleiche Wetter wie gestern, die Winde und die Böen waren aber weniger stark. Im Laufe des Tages verliessen einige Boote den Hafen, wenige kamen dazu, aber es hatte am Abend noch eine gute Auswahl an freien Plätzen.
In einer Regenpause am Nachmittag spazierten wir durch Aussenquartiere, die wir noch nicht gesehen hatten. Und wir waren überrascht, auch hier hatte es sehr viele für Südnorwegen typische Holzhäuser. Zwischendurch gabs auch moderne Neubauten, und wenn man genau schaute, waren auch nicht alle der Holzhäuser alt, sondern eben im traditionellen Stil gebaut. Vor allem die modernen Bauten faszinierten, denn sie bildeten einen wirklich starken Kontrast zu den Trad-Häusern. In der engen Stadtbucht lag ein grosses Kreuzfahrtschiff am Quai und verhinderte den Blick zum Gamle Stavanger hinüber.
Nach dem Spaziergang blieben wir auf dem Boot und schauten dem Treiben zu. So neben dem Museum gabs sehr viele Touristen. Wir wurden mehrmals angesprochen und Regina sogar fotografiert.
Freitag, 08.08.2025:
Stavanger Børevigå - Tananger, 22 sm.
Wetter: zuerst S2-3, später SSW4, bedeckt, einige Regentropfen, wenige Sonnenstrahlen.
Wieder mal segeln
Wir waren fast die ersten, die ablegten. Im Gästehafen war sonst noch fast gespenstische Ruhe, es hatte auch (noch) keine Touristen. Schon bald konnten wir die Segel setzen und mit Halbwind von Stavanger weggleiten, das schnell im Dunst verschwand. Sobald wir aber den Leuchtturm Bragen an der Nordspitze der Halbinsel Randaberg erreichten, gings härter an den Wind, der auch stärker wurde. So steuerten wir dann im Zickzack um Inseln und Untiefen nach Süden.
Im Hafenguide war ein schöner Inselgästeplatz auf der kleinen Insel Rott beschrieben. Von einem früheren Besuch hatten wir die Bucht in guter Erinnerung. Heute präsentierte sich die Bucht als schöner Ort für Ferienhäuschen, und es hatte einen neuen langen Steg mit Motorbooten. Die öffentliche Pier war auch schon besetzt. Wir drehten um und segelten weiter nach Tananger. Hier hatte es noch einen Platz längs am Kopf des Stegs vom Bootsverein, ideal für den Starkwind, der für morgen angekündigt ist.
Ein langer Spaziergang führte uns über den Kyststi, mit Umweg wegen eines Militärsperrgebiets. Und dann kamen wir ins Zentrum der Ortschaft und wieder zurück zum Hafen.
Tananger hat sich seit dem letzten Besuch 2018 stark verändert. Es ist zwar immer noch eine Ortschaft bestehend aus Einfamilienhäusern, aber davon hat es zusätzliche Siedlungen gegeben, vor allem Reiheneinfamilienhäuser im modernen Stil. Das Zentrum ist nun wirklich eine Art Stadt-Zentrum mit mehreren Shoppingcentern. Vielleicht ist das die Auswirkung vom Bau des Hochsee- und Ölindustriehafens gleich nebenan.
Samstag, 09.08.2025:
Tananger - Tananger, 0 sm.
Wetter: SSE-SSW 4-6, grau, Regenschauer, am Abend freundlicher und weniger Wind.
Ungünstige Winde
Für heute war es klar, dass wir hierblieben, der starke Wind wäre genau gegenan gewesen, und die nächste Etappe ist lang.
Nach dem langen Ausschlafen machten wir einen Spaziergang ins Zentrum zum Einkaufen. Ausser einem Rundlauf zum Leuchtturm und zum Kap der Hafenmole blieben wir auf dem Boot und liessen die Windböen und die Regenschauer aussen vor. Wir haben hier einen sicheren Platz, Strom und Internet und ruhige Nachbarn. Erst am Abend zeigte sich die Sonne und wärmte den Platz unter der Kuchenbude.
Sonntag, 10.08.2025:
Tananger - Egersund, 42 sm.
Wetter: WNW3-5, meist diesig und bedeckt oder stark bewölkt.
Wellenreiten
Von der Wetterprognose her wussten wir es im Voraus: Heute sollte es neben dem starken Wind sehr hohe Wellen geben Und so war es auch, sie waren über 2m, manchmal auch 3m. Wenn der Wind genügend stark ist, kann man über die Wellen surfen, bei schwächerem Wind ist es eine elendige Schaukelei in alle Richtungen. Wir probierten den optimalen Windwinkel, einmal mit wenig Genua, dafür mehr Gross, und dann umgekehrt. Am Schluss segelten wir fast platt vor dem Wind nur mit der Genua.
Wir waren sehr froh, als wir nach 6 Stunden Wellen hinter der Insel Eigerøya in ruhiges Gewässer kamen und genussvoll durchs Wasser gleiten konnten, bis zur Brücke. Hier war dann zu wenig Wind und der Motor unterstützte uns die letzte Meile bis zum Gästehafen.
So richtig durchgeschaukelt schaukelte es weiter auf dem Spaziergang durchs Städtchen und auf dem WC. Das Städtchen ist am Sonntagabend leer und ausgestorben. Es hat hier recht viele der typischen weissen Norwegerholzhäuser. Jedes der Städtchen an der Küste von Südnorwegen will die schönsten, die meisten, die ältesten Häuser haben.
Montag, 11.08.2025:
Egersund - Torsøy Pollen (Lafjord), 29 sm.
Wetter: W-NW 1-4, regnerisch.
Späte Abfahrt zur Freizeitinsel
Am Morgen regnete es und es war windstill. Nach dem Ausschlafen besuchten wir das Shoppingcenter zum Einkaufen und für einen Kaffee (und fürs Internet). Erst nach 12 Uhr hörte es auf zu regnen und wir lösten unsere Leinen. Etwas ausserhalb des engen Eigersundfjords hatte es dann genügend Wind zum Segeln, allerdings hatte es auch tüchtig Wellen (bereits vom nächsten Tief, nicht vom gestrigen) und eigentlich zu wenig Wind dafür, so kamen wir zu Beginn nur langsam vorwärts. Später drehten der Wind und die Wellenrichtung und auch unser Kurs, so war es dann etwas angenehmer und schneller. Um in den Lafjord und nach Flekkefjord zu gelangen, führte die Route hinter der Insel Hidra durch einen schmalen Sund. Hier war dann definitiv kein Wind mehr.
Kurz vor Flekkefjord hatte es zwei Inseln, Torsøyane, die mit Holzpieren, WC, Strand, Pavillon Grill und vielen Picknicktischen ausgerüstet waren. Der Platz ist gut geschützt und liegt gerade neben einer hohen Felswand des Berges Lafjell, ein wunderschöner Freizeitpark der Stadt Flekkefjord.
Als wir ankamen, war niemand da, kein Wunder bei diesem Nieselregen. Später kamen kurz eine Familie und ein paar Jugendliche, die mit dem Motorboot hierherkamen. Später am Abend waren wir wieder allein.
Dienstag, 12.08.2025:
Torsøyene Pollen (Lafjord) - Flekkefjord, 2 sm.
Wetter: südliche schwache Winde, bewölkt.
Kurze Fahrt
Neben der grossen Felswand dauerte es lange, bis die Sonne kam, obwohl sie längst schon schien, blieben wir im Schatten.
Am Morgen wanderten wir über das klatschnasse Gras und die grosse Freizeitanlage über die Brücke zum anderen Inselchen. Das Holz war rutschig und nass. Im Sommer und am Wochenende muss hier viel los sein! Mehrere Grillplätze, ein Sandsträndchen am Kinderbecken, ein Sprungturm, ein Seil an einem Baum und vieles mehr sahen wir hier. Auch die letzten Heidelbeeren warteten darauf, noch gepflückt zu werden!
Wir fuhren die 2 sm unter Motor nach Flekkefjord und machten am Aussensteg fest. Ausser dem deutschen Segler, der gestern vor uns gesegelt war, waren keine Gäste mehr im Hafen. Camper waren allerdings noch sehr viele auf dem Platz gegenüber der Bucht.
Für grössere Unternehmungen hatten wir heute keine Lust. Nur ein Spaziergang durch das Städtchen mit seinen vielen, gepflegten Holzhäusern musste sein.
Zur Feier des Geburtstags genossen wir den Znacht auswärts.
Mittwoch, 13.08.2025:
Flekkefjord - Farsund, 38 sm.
Wetter: zuerst Hochnebel, N1, später sonnig SE3-4.
Aufkreuzen beim Kap Lista
Bei den Startvorbereitungen staunten wir nicht schlecht: Es kam ein Kreuzfahrtschiff in die Bucht. Es war zwar nicht so gross wie die in Stavanger, eher wie ein grosses Hurtigruten Schiff, aber das Fahrwasser hierher ist doch sehr eng und kurvig, das war wohl für die Passagiere und auch den Steuermann spannend.
Den ganzen Fjord bis zum Kap Lista mussten wir mangels Wind motoren, sogar die Windgeneratoren oben am Berg standen still. Beim Kap versuchte Elisabeth zu fischen, aber nach einer Viertelstunde hatte sie keine Geduld mehr (der Skipper noch weniger!), dafür war nun der Wind zum Segeln da. Hart am Wind aufkreuzend gegen SE, wenigstens hatte es kaum Wellen und mittlerweile blauen Himmel. So war es recht angenehm zum Segeln. Wenn nur der berüchtigte Gegenstrom vom Lista nicht gewesen wäre, unser Wendewinkel war eher frustrierend. Aber wir hatten ja genügend Zeit. Das Aufkreuzen führte uns zu zehn zusätzlichen Seemeilen. Um die vorgelagerten Schären von Farsund segelnd erreichten wir den Gästehafen. Nur für das Anlegemanöver brauchte es noch den Motor.
In Farsund waren wir seit 2008 immer wieder. Auf den ersten Blick sieht es immer noch gleich aus, auf den zweiten Blick sieht man schon Veränderungen. Nach dem Hafentrunk machten wir noch einen kleinen Spaziergang. Inzwischen war es wieder sehr warm (T-Shirt-Wetter), und Toni machte Bilder wahrscheinlich von den gleichen weissen Holzhäusern wie bei unseren früheren Besuchen.
Donnerstag, 14.08.2025:
Farsund - Farsund, 0 sm.
Wetter: ganzer Tag östliche Winde, am Nachmittag Regen.
Velotour nach Loshavn
Heute waren sehr starker Ostwind, Gewitter und Regen angesagt, deshalb blieben wir hier hinter den Schären, wo wir vom Starkwind nicht viel spürten. Auch das Gewitter am Nachmittag sahen und hörten wir hier nicht. Aber der Regen kam pünktlich um 13 Uhr.
Um diese Zeit waren wir aber bereits zurück von unserer kleinen Velotour zum ehemaligen Lotsenhafen. Wir freuten uns, wieder einmal die Velos für eine Fahrt übers Land nutzen zu können. Am Schluss waren wir zwar wieder an der Küste, aber nach einer abwechslungsreichen Fahrt. Loshavn ist heute eine denkmalgeschützte Siedlung (es gibt Häuser gebaut 1720), wo die meisten Häuser als Hytte gemietet werden können. Hier waren im 18. Jahrhundert legale Freibeuter am Werk (im Auftrag des Königs, alle ausländischen Boote zu plündern!), später waren hier die Lotsen und Handwerker zu Hause, die Handelsschiffe hinter den schützenden Schären sichern und auch reparieren konnten. Solche Lotsenhäfen gibt es einige an der Norwegischen Südküste.
Zuhause beim Boot waren wir trotz des Gegenwinds schnell. Es reichte gerade noch, um das Boot am Holzkai zu verschieben, die Velos wieder zu verstauen und die Kuchenbude aufzustellen. Den Nachmittag verbrachten wir auf dem Boot mit Lesen und Büroarbeiten.
Freitag, 15.08.2025:
Farsund - Farsund, 0 sm.
Wetter: am Morgen windstill und Niesel, später sonnig und starker NW.
Warten auf den besseren Wind
Um das Kap Lindesnes zu umrunden, wünschen wir uns einerseits Wind, andererseits nicht zu stark und aus der richtigen Richtung, wenn möglich mit Sonne und ohne Regen und keine hohen Wellen. Nun, das werden wir vielleicht morgen haben.
Am Nachmittag war es recht sonnig, es hatte aber böigen NW, ausserhalb der Schären wären es 7bft. So genossen wir die Wärme auf dem Schiff, machten einen kleinen Spaziergang durch das Städtchen, und Elisabeth nutzte die Waschmaschine für die Vorhangwäsche. Und immer wieder schauten wir halt auch den Wetterbericht für die nächsten Tage an.
Samstag, 16.08.2025:
Farsund - Mandal, 26 sm.
Wetter: NW 2-5, schön und warm.
Segelnd auf dem Inneren Seeweg
Am Morgen wars in Farsund noch sehr kühl und windig, wir frühstückten lieber unten im Boot. Dafür hatten wir schon von Farsund aus immer genügend Wind, es reichte bis zur Flusseinfahrt von Mandal. Meist hatten wir Raumwind oder achterlicher Wind, die meiste Zeit segelten wir nur mit der Genua.
Beim Kap Lindesnes (der südlichste Punkt des norwegischen Festlands) entschieden wir uns für die innere Route. Der Wind war genügend stark, und es gab keine Wellen.
Wir genossen die Fahrt entlang der Steine und Inseln, schauten die schönen Sommerhäuser an, und manchmal fuhren wir auch sehr langsam, wenn der Wind von einer Insel abgedeckt wurde.
In Mandal war unser Lieblingsplatz noch frei. Die Segelboote am Steg kamen alle aus verschiedenen Nationen, die beiden Motorboote waren Norweger.
Wir machten einen Spaziergang durch die südlichste Stadt von Norwegen, genossen die Wärme, bewunderten die vielen schönen weissen Holzhäuser, besuchten das Kulturzentrum und fanden, dass die Saison offensichtlich schon vorbei ist: der Gästehafen ziemlich leer, wenig Touristen und auch Einheimische trotz Samstag, Museum geschlossen bis zum nächsten Jahr, und die Läden werden am Sonntag geschlossen bleiben.

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