Logbuch Etappe 2:
Unterwegs nach Kopenhagen
von Neustadt Ancora Marina nach Vallensbæk
2025-05-03 - 2025-05-10, 8 Tageseinträge, 154 sm.
Von Neustadt zur dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Unterwegs besuchten wir Fehmarn, Gedser und bei Klintholm die Klinten von Mön. Vom letzten Gästehafen vor Kopenhagen (Vallensbæk) besuchten wir Kopenhagen mit der S-Bahn.
Samstag, 03.05.2025:
Neustadt Ancora Marina - Grömitz, 8 sm.
Wetter: bewölkt, am Abend etwas Regen, kühler.
Erstes Segeln und Stromproblem
Wir legten vor 10 Uhr ab, um noch zur Tankstelle zu fahren. Das Tanken dauerte, so ging es erst später los. Immerhin haben wir keinen gewöhnlichen Diesel, sondern den neuen synthetischen Diesel erhalten, soll gut sein für den Motor und die Umwelt.
Der Wind war schwach und Regina bewegte sich nur langsam. Der Speedo ging auch nicht. Weit wollten wir bei diesem Wind eh nicht segeln und so kamen wir nach Mittag im Hafen Grömitz an.
Das Manöver im Hafen zwischen den Dalben war alles andere als einfach. Der Platz war für unser Boot zu gross, die Pfostenleine verklemmte sich und die andere war zu kurz, sie rauschten beide aus und fielen ins Wasser usw. Die netten Motorbootfahrer am Steg halfen mit, bis Regina endlich fest war, und wir im Cockpit unser Sandwich essen konnten. Beim Kaffeemachen, wir hatten den Landstrom noch nicht angeschlossen, merkten wir, dass der Inverter nicht funktionierte.
Aber zuerst gingen wir ins Hafenbüro und bewegten uns auf der Strandpromenade zum Städtchen. Es waren erstaunlich viele Spaziergänger unterwegs, allerdings alle warm angezogen und ohne Badeausrüstung.
Zurück an Bord wurde der Speedo ausgebaut. Er war sauber, ohne Muscheln, aber warum funktionierte er nicht? Weil er von der Werft verkehrt herum eingesetzt worden war? Toni ergänzte den Speedo mit einer Schicht Antifouling, da er nun sowieso herausgenommen wurde.
Dann machte sich der Skipper auf die Suche nach dem Stromproblem. Neben dem schon erwähnten Inverter funktionierte auch die Landstromladung nicht. Erst spät nach dem Znacht wurde der Fehler entdeckt: ein Schalter tief unten bei den Batterien war nicht eingeschaltet!!
Jetzt können wir beruhigt schlafen.
Sonntag, 04.05.2025:
Grömitz - Grömitz, 0 sm.
Wetter: Starkwind W, später schwächer N, meist stark bewölkt und Regenschauer, kalt.
Pausetag und Abschlussarbeiten
Erst gegen 10 Uhr entschieden wir uns, heute doch nicht zu segeln. Einerseits ist der Wind noch sehr stark, andererseits am Zielhafen Kühlungsborn bei Ankunft sehr schwach und gegenan. Das Feriengefühl soll endlich kommen, ohne Stress beim Segeln. Der Wetterbericht ist aber für morgen markant besser (weniger Wind, mehr Sonne), allerdings für eine andere Route als die vorgesehene.
So hatten wir genügend Zeit, um den Speedo wieder sorgfältig und dicht einzuführen und alles wieder zu trocknen. Am Abend wurden dann noch alle Lichter am Schiff kontrolliert.
Ein längerer Spaziergang führte uns dem Strand entlang – mit den vielen Sonntagsspaziergängern – auf die andere Seite von Grömitz bis zum Riesenrad. Die Strandkörbe stehen schon alle bereit, aber die Leute flanieren hier mit Daunenjacke oder sonst sehr warm angezogen, am Strand hatte es nur Seevögel.
Montag, 05.05.2025:
Grömitz - Burgtiefe (Fehmarn), 28 sm.
Wetter: ENE5-ESE2, zuerst stark bewölkt, später sonnig, aber kalt.
Kreuz bei 5bft
Ein schwieriger Tagesanfang heute: zuerst hatten wir grosse Probleme, beim starken Seitenwind aus der Pfostenbox rauszukommen, der Schiffsnachbar musste sogar helfen, und nachher mussten wir bei 5 bft und den entsprechenden Wellen aufkreuzen (Ferien sind anders), und dann stieg auch noch der Speedo wieder aus! Die angesagte Sonne hatte auch Verspätung, kam dann aber doch noch. Es war kalt! Wir waren froh um die Thermowäsche.
In Burgtiefe gelang dann das Anlegemanöver elegant wie sonst üblich. Es war auch niemand da, um zu helfen. Die Hafenanlage wirkte noch sehr ausgestorben, nur fleissig wurden die Boote eingewassert. Wir spazierten herum und bestiegen den Aussichtsturm.
Danach musste der Speedo nochmals rausgenommen werden. Aber es hing nichts drin, er war einfach verklebt. Frisch geölt geht’s morgen hoffentlich wieder besser.
Dienstag, 06.05.2025:
Burgtiefe (Fehmarn) - Gedser, 32 sm.
Wetter: W5, zuerst bedeckt, später sonnig.
Ostseeüberquerung: Schöner schneller Segeltag
Zwischen den Dalben kamen wir gut raus. Und auch der Speedo tat wieder wie gehofft. Wir segelten anfangs nur unter Genua, später kam das Gross im Reff 2 dazu. Die Grossschiffahrtsstrasse konnte problemlos überquert werden und dann kam auch noch die Sonne durch. Das Meer wurde jetzt anstatt grau blau und wir genossen die schnelle Fahrt mit Raumwind.
Gedser erreichten wir schon am Nachmittag und waren hier die einzigen Gäste und konnten sogar längs festmachen, also kein Pfostenmanöver (auch wenn wir langsam wieder Übung haben!!). Später kamen noch 6 weitere Segelboote. Weil der Wind immer noch stark war, stellten wir die Kuchenbude auf und hatten es gemütlich und warm, die Sonne wärmte uns wie in einem kleinen Treibhaus.
Mittwoch, 07.05.2025:
Gedser - Klintholm, 34 sm.
Wetter: E3, zuerst bewölkt, später sonnig.
Møn-Kreidefelsen: Segeln, Velofahren und Treppensteigen
Wir legten gegen 8 Uhr ab, um keiner Fähre im engen Fahrwasser zu begegnen. Die stand schon da und wurde gerade entladen.
Zuerst ging es unter Motor, dann war auch der Wind aus segelbarer Richtung da, anfangs etwas schwach, doch dann segelte das Boot wunderbar, immer schön am Wind bei etwa 9-10kn wahrem Wind. Unsere Fahrt war fast immer zwischen 6 und 7 kn. Die Sonne kam später auch, aber die Luft war kalt.
Nach sechs Stunden Fahrt konnten wir in Klintholm längs am hohen Steg festmachen. Es hatte nur sehr wenige Boote im ganzen Hafen. Nach dem Besuch beim Billet-Automaten (Hafenmeister gibt es hier nicht mehr) und einer Pause konnten wir die Velos bequem ausladen. Die Strecke zu den Kreidefelsen von Møn kannten wir schon (rund 7km), aber es war trotzdem schön, übers Land zu fahren, an Rapsfeldern entlang und die blühenden Apfelbäume zu sehen. Die Bewegung tat uns gut.
Das Museum und der Parkplatz stehen auf dem höchsten Punkt der Klippen, von hier stiegen wir die lange Treppe (130 Höhenmeter) zu den Felsen am Strand hinunter, und es wurde immer kühler, je näher wir zum Meer kamen. Am Strand unten liefen wir heute nicht weit, sondern stiegen bald dieselbe Treppe wieder hinauf. Die Rückfahrt abwärts ging schnell.
Die Sonne schien ins Cockpit und im Windschatten war es – trotz der kalten Luft – angenehm warm.
Donnerstag, 08.05.2025:
Klintholm - Rødvig, 26 sm.
Wetter: zuerst N3-4, später E 4 und E3, sonnig.
Møn-Kreidefelsen: aussen rum
Der Wetterbericht «diktierte» das Ausschlafen: Am Morgen gab es starken N, der am Nachmittag auf E oder noch mehr drehte und schwächer wurde. Wir fuhren erst um 12 Uhr los, noch mit dem letzten Rest Nordwind bis nach Osten zum Kap mit den Kreidefelsen, und mit dem Dreher nach E fuhren wir dann nach Nord entlang der Felsen. Im Hafen angelangt hatte es dann fast keinen Wind mehr.
Der Hafen ist klein und wurde offensichtlich im Winter umgebaut, man muss nicht mehr ein grünes Schildchen suchen, sondern die Gästeplätze sind gerade am Eingang längs am Quai. Aber einen Hafenmeister gibt es nicht mehr, nur noch den Automaten. Der Automat gibt aber kein Kärtchen mehr aus für das Servicegebäude, sondern nur noch einen Code (oder Konto), wo die Servicegebühren für Strom und Dusche elektronisch abgebucht werden. An der WC-Tür muss man aber ein Weilchen warten, bis der ferne Computer mit dem Code die Türe freigibt.
Nur ein anderes Gäste-Segelboot stand noch hier, sonst ist es sehr einsam in diesem Hafen.
Freitag, 09.05.2025:
Rødvig - Vallensbæk, 26 sm.
Wetter: zuerst WSW2-3, später W5, meist sonnig, am Abend bedeckt und NW2.
Stevens-Klint
Es war die kälteste Nacht bisher. Allerdings standen wir auch sehr früh auf, wir wollten vor dem Starkwind am Mittag im nächsten Hafen sein. Entlang der Klint von Stevns (Unesco Weltnaturerbe) hatte es noch wenig Wind, aber bei der Fahrt über die Køge-Bucht gings immer schneller vorwärts, einmal sahen wir gar eine 8 auf dem Tacho. Und es war immer schön sonnig, wenn auch sehr kühl. Schon etwas früher als sonst vor der Hafeneinfahrt wurde das Genua eingerollt, denn schon hatte es 20 Knoten Wind.
Wir suchten nach einem Platz, was nicht einfach war, uns schreckte ein Manöver mit diesem Seitenwind zwischen den Pfosten ab. Zuerst suchten wir im Ishøj Havn, aber wir fanden dann in der Nachbarmarina Vallensbæk einen Platz, wo wir längs festmachen konnten.
So konnten wir auch die Velos wieder bequem ausladen und den Weg zum Bahnhof erkunden und einkaufen, wir genossen die Velofahrt auf den breiten Velowegen und mit den netten Autofahrenden, die immer warteten, bis wir die Strasse gequert hatten. Morgen wollen wir mit der S-Bahn nach Kopenhagen.
Samstag, 10.05.2025:
Vallensbæk - Vallensbæk, 0 sm.
Wetter: meist bedeckt, starker SE, kalt.
Besuch Kopenhagen
Wir liessen uns am Morgen mehr Zeit als sonst. Dann fuhren wir mit dem Velo zum Bahnhof und mit der S-Bahn in 20 Minuten nach Kopenhagen.
Kopenhagen ist eine beeindruckende grosse Stadt mit vielen Leuten. Vom Bahnhof am Tivoli vorbei zum Rathausplatz und durch die Fussgängerzone gings mit dem Menschenstrom zum Nyhavn. Die markanten, bunten Häuser waren schön anzusehen. Unglaublich viele Leute, Touristen und auch Einheimische, waren heute unterwegs.
Für die Besteigung des Turms der Seviour Kirche im Quartier Christianshavn musste ein Zeitfenster gebucht werden. Die Wartezeit verbrachten wir beim Mittagessen, auch um uns aufzuwärmen. Ja, es war sehr kalt, die Sonne zeigte sich nicht und der Wind war eisig. Die Einheimischen waren trotzdem teilweise in kurzen Hosen und im T-Shirt unterwegs.
Dann stiegen wir auf den Turm, die oberste Treppe führte aussen herum, bei dem kalten Wind und dem Tiefblick eine gewisse Herausforderung, aber die Aussicht von der Turmspitze über die Stadt bis zum Meer war sehr schön und eindrücklich.
Wir kamen an mehreren Stadthäfen vorbei und auch jenem in der Nähe der Meerjungfrau, wo wir vor über 20 Jahren schon mal lagen. Die Statue war allerdings umlagert von Selfiefotografen. Leider war das Rosenborg-Castle schon geschlossen und auch im Schlossgarten blühten die Rosen noch nicht, nur gerade die Tulpen und die Fliederbüsche blühten jetzt.
Im Restaurant, wir assen eine Überdosis Fleisch bzw. Fisch, war es extrem laut. Eine grosse Frauen- und eine andere Männergruppe waren schon leicht angeheitert!
Zurück ging es wieder so wie wir hergekommen sind. Und auf dem Boot musste erst mal die Heizung eingeschaltet werden. Wir freuten uns über die Ruhe hier.

Stevns Klint, UNESCO Weltnaturerbe
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