Logbuch Etappe 5:
Südküste Norwegens
von Sandefjord nach Mandal
2025-06-01 - 2025-06-11, 11 Tageseinträge, 160 sm.
Zuerst ein Besuch von Oslo. Fahrt entlang der SE-Küste Norwegens von Sandefjord bis Mandal beim Kap Lindesnes. Es war eine schöne und abwechslungsreiche Segelreise, immer wieder unterbrochen durch einen Pausetag mit Warten auf bessere Windverhältnisse.
Sonntag, 01.06.2025:
Sandefjord - Sandefjord, 0 sm.
Wetter: grau und trüb, viel Regen, viel Wind aus SW, erst am späten Abend etwas Sonne.
Walfänger von Sandefjord
Das Wetter hielt sich an die Prognose: es regnete. Wir blieben am Morgen auf dem Boot und machten es uns gemütlich. Erst am späteren Nachmittag spazierten wir durch die Stadt und besuchten wieder einmal ein Museum: das Walfängermuseum von Sandefjord.
Am Eindrücklichsten war ein «nachgebauter» Blauwal, der mit seinen 21m Länge den grössten Raum des Museums vollständig füllte. Wir konnten auch viele andere arktische und antarktische Tiere bewundern, die ausgestopft in den Vitrinen standen (Eisbär, Robben, Seelöwe, Pinguine, uvm.). Sandefjord war um 1910 wirklich das Zentrum der Walfänger, es gab damals auch im Skagerrak solche Wale. Von hier aus fuhren die Norweger auch in die Antarktis, um dort diese Tiere zu jagen und Walfett-Fabriken zu betreiben. Im Gästehafen steht eines dieser Walfängerboote. Auch wenn die norwegische Jagd etwas glorifiziert wurde, die Problematik wegen der Ausrottung der Wale wurde ebenfalls beschrieben, gar Argumente der Waljagdgegner von 1936 wurden dokumentiert.
Der Spaziergang führte uns weiter durch die heute einsame Innenstadt bis zum Bahnhof und dann wieder zurück zum Gästehafen. Mittlerweile stehen nur noch 6 Schiffe im ganzen Hafen, es hat genügend Platz.
Montag, 02.06.2025:
Sandefjord - Sandefjord, 0 sm.
Wetter: schön, südliche Winde.
Besuch Oslo
Wir fuhren zusammen mit den Pendlern mit dem Zug nach Oslo. Bei traumhaftem Wetter konnten wir die sehr schöne Stadt besichtigten.
Vom Dach des Opernhauses konnten wir auf den Fjord und die Häuser und bis zum Holmenkollen schauen. Dann wanderten wir zur Akerhusfestung. Heute ist immer noch ein Teil davon militärisch. Weiter ging es zum Stadthaus und am Ufer entlang zum Yachthafen. Vor 15 Jahren hatten wir das Cruisingclubboot hier übernommen. Aber jetzt sieht alles ziemlich anders aus. Viele Restaurants reihen sich an der Promenade, und es hatte hier viele Leute. Am Nobel Friedenscenter ging es vorbei zum modernen Stadtteil Tjuvholmen auf der Halbinsel mit vielen schönen architektonisch interessanten Gebäuden, alle sehr verschieden. Dort ist auch ein Badeplatz und eine Schulklasse tummelte sich mit lautem Geschrei im ca. 12 Grad kalten Meerwasser.
Das Nationalmuseum sahen wir nur von aussen, ebenso das königliche Schloss, das nur im Hochsommer besichtigt werden kann. Durch die sehr belebte Fussgängerzone ging es am Parlamentsgebäude und am Dom (schönes Deckengemälde) vorbei zum Einkaufen.
Bepackt mit Kissen, Birkenstocksandalen, Merinoshirt ging es wieder zurück zum Bahnhof.
Für Oslo wäre eine ganze Woche zum Geniessen nicht zu lang. Aber trotzdem waren wir froh, wieder zurück im ruhigen Hafen zu sein.
Dienstag, 03.06.2025:
Sandefjord - Stavern, 16 sm.
Wetter: sonnig, später bewölkt SW 3-6, am Abend stürmischer Regen.
Starkwindaufkreuzen
Wir wussten, dass es mittags Starkwind geben würde. Deshalb starteten wir früh. Die ersten zwei Seemailen gings unter Motor, dann segelten wir mit Volltuch. Doch schnell musste das erste Reff rein und bald danach waren Gross und Genua im 2. Reff. Und unser Starkwindboot war in seinem Element! Was wir eigentlich vermeiden wollen, Aufkreuzen bei Starkwind, das mussten wir heute. Die Wellen wurden auch immer höher. Genuss ist etwas anderes, und fürs Fotografieren hatten wir keine Zeit. Im Funk kam auch noch eine norwegische Sturmwarnung, Stärke bis 9bft, zum Glück nicht gerade hier, sondern auf der anderen Seite Norwegens. Unseren Stegnachbarn, einen Einhandsegler aus Norwegen (hier segeln viele Männer allein) hatten wir schon bald ein- und überholt, er fuhr unter Motor. Zum Glück ging es nicht allzu lange, schon um 10.50 Uhr waren wir festgebunden in Stavern.
Es ist die günstigste Marina bisher, allerdings ist auch noch alles geschlossen. Der Hafenmeister kam extra vorbei, um uns das zu sagen (low season). Nicht einmal die Toilette ist offen. Regina bekam eine Dusche, die hatte sie nötig, für uns gab es leider keine.
Der Starkwind blieb und wurde noch stärker, durch die Hafeneinfahrt rauschten hohe Wellen mit Schaumkronen, und uns drückte es an die Pier, Regina lag schräg auf den Fendern. Am Abend gabs dann den angekündigten Regen.
Am Nachmittag konnten wir noch bei Sonnenschein und Starkwind einen Spaziergang durchs Städtchen Stavern machen. Hier hat es mehrere Ferienzentren, aber sonst besteht die Ortschaft aus den typischen norwegischen Holz-Einfamilienhäuser. Als touristisches Highlight steht hier die ehemalige Marinewerft von 1750 «Fredriksvern Shipyard», die bis 2002 militärisch genutzt wurde, heute ist es ein schöner Park mit einem Freilichtmuseum und einem grossen Parkplatz für die Besucher.
Mittwoch, 04.06.2025:
Stavern - Anker Abyfjord, 18 sm.
Wetter: grau, bedeckt, Regenschauer, SW4, später freundlicher und weniger Wind.
Schnelle Fahrt zur Ankerbucht
Schon vor dem Mittag lagen wir in unserer Ankerbucht, nach einer schnellen Fahrt über hohe Wellen vom nächtlichen Starkwind. Im Abyfjord hatte es mehrere Inseln und Möglichkeiten fürs Ankern.
Aber ganz einsam war es nicht, viele Sommerhäuschen stehen auf den Felsen, und natürlich hatten diese einen Steg für das Boot oder gar eine Minimarina für mehrere Motorboote. Allerdings war derzeit kein einziges bewohnt.
Wir ankerten hinter einem Berg genau auf seiner NE-Seite (eigentlich ideal für SW-Winde), aber der lokale Wind kam fast den ganzen Tag aus SE, am Abend bei einem Regenschauer gar aus N.
So machten wir es uns gemütlich, wegen der kalten Luft allerdings in der Kuchenbude, die sich bei Sonnenschein immer schön erwärmt. Toni machte Takelarbeiten (beide Genuaschoten wurden an den Enden etwas gekürzt). Aber vor allem genossen wir die einsame Ruhe.
Donnerstag, 05.06.2025:
Anker Abyfjord - Kragerø, 13 sm.
Wetter: am Morgen schön, immer mehr bedeckt, am Abend Regen, meist SSW4-5, Böen 7.
Engpass im Kragerø-Schärengarten
Die Ankernacht war ruhig, bei klarem Himmel kalt. Am frühen Morgen brauchten wir wieder mal die Dieselheizung, kein Fender hing vor dem Auspuff. Der Anker war beim Heben dick mit Lehm eingepackt, die Deckwaschpumpe war länger im Einsatz.
Wir wählten die innere Route durch die Kragerø-Schären und fuhren gegen den Wind, die Route war mit dem vorhandenen Wind nicht segelbar. Teilweise waren die Engpässe sehr schmal, insbesondere der Spalt zwischen zwei Inseln (Langårsund) hatte kein Platz fürs Kreuzen mit einem anderen Schiff. Meistens waren wir gut geschützt vor Wind und Wellen, doch gab es auch Passagen wo es ungeschützt über offenes Wasser ging mit entsprechenden Böen und Schaumkronen.
Kragerö ist ein nettes Städtchen mit vielen Geschäften und Restaurants. Zur Saison muss hier viel los sein, von hier aus fahren die Fähren die vielen Inseln an, und die Bewohner der Inseln kommen hierher zum Einkaufen. Wir wanderten auf den Hügel mitten in der Stadt, wo das Schulhaus steht (gute Aussicht über Kragerø und den Schärengarten) und auf die kleine Insel zum anderen Gästehafen, der auch sehr leer ist. An mehreren Orten wird auf den berühmten Maler Edvard Munch hingewiesen, der hier wohnte und arbeitete.
An unseren Steg kommen nur die Motorboote von den Inseln und Sommerhäusern zum Einkaufen oder zum Essen. Doch die machen viel Schwell beim Ein-/Ausfahren und bringen Regina entsprechend zum Schaukeln, was nicht so angenehm ist.
Freitag, 06.06.2025:
Kragerø - Risør, 14 sm.
Wetter: grau und trüb, S-SE2, ab Mittag Regen, am späten Abend trocken.
Transfer zur nächsten Gästemarina
Anstatt nur die Marina in Kragerø zu wechseln, fuhren wir am frühen Morgen gleich zum nächsten Hafen, der ja nicht weit weg war, gemäss Wetterbericht wird es am Nachmittag heftig regnen. Die Dünung im Skagerrak war noch beträchtlich, und der Wind schlicht zu wenig zum Segeln. So erreichten wir noch weit vor dem Mittag den Gästehafen von Risør. Ein gesprächiger Norweger kratzte die Muscheln am Steg ab. In der Tiefe vom Hafenwasser, das so sauber ist, dass auch die geschützten Wasserpflanzen mit den grossen Blättern wachsen, leben seltene Lobster und deren Nahrung sind diese Muscheln.
Wir konnten sogar noch einen Spaziergang durchs Städtchen machen (Eigenwerbung der Stadt: die Stadt mit den Holzhäusern), bevor es zu regnen begann. Und es regnete weit bis in den Abend hinein, wir sassen zuerst in der Kuchenbude, später im Schiff, dort ist es etwas weniger laut, wenn die Regentropfen aufs Dach knallen.
Am späten Nachmittag kamen noch einige Segelschiffe an und mussten im grössten Regen anlegen. Aber sonst ist es hier ruhig und beschaulich, keine Motorboote mit übermütigen Schiffsführern, keine Fähren, auch sonst wenig bis gar kein Betrieb, halt immer noch ausserhalb der Saison.
Samstag, 07.06.2025:
Risør - Risør, 0 sm.
Wetter: meist sonnig (und warm), aber starker Wind aus SW.
Sonniger Pausetag
Es ist Pfingsten, auch dieser Hafen ist nun recht gefüllt mit Motorbooten. Die Segelschiffe von gestern Abend blieben alle hier, wahrscheinlich wollen sie alle nach SW, und bei diesem Wind ist das kein Vergnügen. Der Wind produzierte starken Schwell, der den ganzen Steg und alle Boote zum Schaukeln brachte, erst am Abend nach Sonnenuntergang nahmen Wind und Wellen ab.
Wir nutzten den Tag zuerst fürs Ausschlafen, später machten wir einen Spaziergang auf die Urheia, auf den Hügel gerade oberhalb der Stadt. Wir kamen zu einigen schönen Aussichtspunkten mit Blick über den Hafen und die Innenstadt. Der ganze Wald auf dem Berg hatte viele Wanderwege, und eine Skiloipe für den Winter, zwei kleine Stauseen und eine riesige Befestigungsanlage der Deutschen aus 1942, bestehend aus unzähligen Bunkern und Laufgräben und Kanonenstandorten.
Nach dem Duschen verbrachten wir den Nachmittag auf dem Boot, es war sonnig und warm, richtiges T-Shirt-Wetter (zumindest windgeschützt unter der Kuchenbude).
Sonntag, 08.06.2025:
Risør - Anker Åmlandskilen, 4 sm.
Wetter: anfangs sonnig, gegen Abend etwas Regen, dann wieder Sonne, sehr wenig Wind aus S, nach dem Regen NW.
Aufbruch
Heute fuhren alle Segelboote los. Es blieb nur noch ein Boot am Steg, als wir ablegten. Der Wind war allerdings noch kein Segelwind für uns, so fuhren wir nur bis zur nächsten Ankerbucht. Eine ruhige Bucht, rundum Wald und Felsen, zwei Häuser, kein Schwell von Motorbooten, das Boot zerrte nicht am schaukeligen Steg, und keine lärmigen Partyleute wie in Risør, die bis in die Morgenstunden feierten. Nur die Vögel zwitscherten.
Die kleinen Motorboote, die so viel Schwell produzieren, fuhren weit aussen vorbei, nicht in unsere Bucht hinein.
Wir verbrachten einen ruhigen, erholsamen Nachmittag.
Montag, 09.06.2025:
Anker Åmlandskilen - Lillesand, 47 sm.
Wetter: meist WNW4 und später W5, sonnig.
Grausam früh
Als der Wecker uns um 4 Uhr weckte war es zwar hell, das ist es hier im Moment immer, aber die Sonne schien noch nicht aufs Boot. Bei 13 Grad im Boot brauchten wir kurz die Heizung.
Der Anker war dann schnell gehoben, die Kette sauber, nur am Anker klebte etwas sandiger Lehm. Schnell waren die Segel gesetzt und wir segelten aus dem Fjord hinaus. Doch bald mussten wir schon reffen und das ging dann praktisch die ganzen 8 Stunden so: Reff 1, Reff 2, Segel fieren, Segel dichtnehmen, ausreffen, und dann wieder von vorne. Wir hatten zu tun. Und Regina sauste nur so durchs Wasser mit dem starken Wind, bis über 8 Knoten schnell. Wir segelten draussen im Skagerrak, hinter den Schären nur eine kleine Etappe. Weil es so gut lief, segelten wir an Arendal vorbei und peilten Lillesand an. Gegen den Mittag wurde der Wind immer stärker und auch böiger und drehend in alle Richtungen. Und dann kam am Funk die Sturmwarnung für den Nachmittag in dieser Gegend.
Zum späten Zmittag, nach acht Stunden aktivem Segeln, waren wir schon in Lillesand am Gästesteg festgemacht und genossen die Sonne im Windschatten der Sprayhood und machten dann einen kleinen Spaziergang durchs Städtchen, auch hier mit den vielen weissen Holzhäusern, typisch für Südnorwegen, einige sehr alt, einige sehr modern.
Dienstag, 10.06.2025:
Lillesand - Kristiansand, 19 sm.
Wetter: zuerst grau, später stark bewölkt, Schauer, NE1, am Abend sonnig.
Schärenfahrt nach Kristiansand
Wir liessen uns am Morgen Zeit, um den Regen abzuwarten. Erst nach dem Mittag hörte er auf und wir starteten. Der «versprochene» Wind von Ost kam aber nicht, so mussten wir motoren. Es hatte neben dem sehr schwachen Wind auch eine hohe Dünung von dem gestrigen Sturm. Die Route führte zwischen den Steinen und Inseln durch, die Sicht wurde immer besser. Aber durch die Innerste Route via Blindleia konnten wir nicht fahren, weil eine Brücke unterwegs nicht hoch genug ist. Das Fischen hier ist auch nicht mehr so einfach wie früher, beide Versuche, einen Fisch zu fangen blieben erfolglos.
Erst gegen Abend erreichten wir Kristiansand. Es regnete wieder etwas und da verging uns die Lust aufs Ankern. So machten wir im Gästehafen der Stadt an einem der neuen Fingerstege fest. Der Stadtbummel war heute im Gegensatz zu gestern problemlos, dank kurzer Strecke schwankten wir an Land nicht. Die Stadt kennen wir schon von früheren Besuchen. Nach 17 Uhr waren auch die meisten Läden schon geschlossen und es hatte wenig Betrieb auf den Strassen. Zum Abschluss des Spaziergangs und als Abwechslung assen wir in der Stadt.
Mittwoch, 11.06.2025:
Kristiansand - Mandal, 29 sm.
Wetter: NW3-4, später W4-5, am Schluss W5-6, am Abend windstill, ganzer Tag wolkenlos.
Schnell, ruppig, hart
Was wir gestern an zu wenig Wind hatten, wars heute etwas zu viel! Aufkreuzen bei 4-6 bf, dazu riesige Wellen gegenan, das ist etwas für unser Starkwindboot, aber weniger für die Crew. Gemütlicheres Segeln wäre angenehmer. Was machen wir, wenn wir in so eine Situation kommen? Alle Segel ins Reff 2 und Regina sauste mit bis zu 8 Knoten durch die Wellen, die auch zwischendurch übers Boot bis zum Steuermann spritzten. Gesteuert wurde heute meist ohne Autopilot, der schafft das nicht mehr immer. Zum Glück sind wir seefest, das Boot war sehr schräg und wir wurden durchgeschaukelt. Die Innere Route hinter den Inseln war nicht möglich zu segeln, deshalb wählten wir die Fahrt aussenrum.
Unterwegs gab es nur ein paar Nüsse und einen Schluck Wasser, das Mittagessen dann am frühen Nachmittag, als wir in Mandal am Steg lagen. Immerhin sind wir nun um den südlichsten Stein von Norwegen gesegelt.
Der Aufstieg auf den Hügel Urianienborg musste dann noch sein, und ein Bummel durch das kleine Städtchen Mandal sowieso. Viele neue Mehrfamilienhäuser sind hier gebaut worden, die alten Holzhäuser sind aber auch noch da und werden gepflegt. Der Gästehafen wurde erweitert, dafür gibt es den Fischhändler mit seiner Pier nicht mehr.

Walfangmuseum Sandefjord
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