Logbuch Etappe 6:
Südwestküste Norwegen
von Mandal nach Leirvik
2025-06-12 - 2025-06-18, 7 Tageseinträge, 180 sm.
Vom Kap Lindesnes nach Leirvik am Eingang des Hardangerfjords. Meist war es regnerisch, und immer wieder mussten wir uns an die Windverhältnisse anpassen (stürnischer Pausetag, kurze Etappen).
Donnerstag, 12.06.2025:
Mandal - Rasvåg (Hidra), 43 sm.
Wetter: zu Beginn SE0-1, später ESE3 bis SSE6, am Abend fast windstill, ganzer Tag sonnig.
Kein Wind - genügend Wind - viel Wind
Als wir losfuhren war es fast windstill. Es ging auf der inneren Route, durch die Schäreninseln und den Felsen entlang. Wir bewunderten die vielen unterschiedlichen Sommerhäuser mit eigenen Bootsstegen.
Draussen auf dem offenen Meer konnten wir auch noch nicht segeln. Erst nach dem Kap Lindesnes, dem südlichsten Punkt des norwegischen Festlands, kam der Wind, und dann ziemlich genau von achtern. Wir kreuzten vor dem Wind und wollten schon den Gennaker aus der Kiste holen, als es immer mehr auffrischte. Am Mittag musste das Grosssegel weg, die Genua bekam Reff 1 und später sogar Reff 2 und wir sausten trotzdem mit 6.5kn nach Nordwest. Heute hatte es erstaunlich viel Verkehr, Segelschiffe die noch vor dem Starkwind nach Südost wollten, und NW-fahrende Segelschiffe, die vor dem Wetterumschwung nach Stavanger gelangen wollen, und auch einige Motorboote.
Im kleinen Hafen von Rasvåg waren wir erst allein, später kamen noch zwei Segelboote, denen wir beim Festmachen helfen konnten.
Eine kleine Wanderung am Abend noch vor dem Znacht auf die Olaf Varde, mit Ausblick auf den Fjord, bildete einen schönen Tagesabschluss.
Freitag, 13.06.2025:
Rasvåg (Hidra) - Rasvåg (Hidra), 0 sm.
Wetter: meist sonnig, starke Winde aus S-SE.
Velo statt Schiff
Die Wetterberichte für heute waren alle starkwindig mit hohen Wellen, wir verzichteten heute auf die Weiterfahrt und machten wieder einmal einen Landtag. Immerhin liegen wir hier in einem wunderschönen und geschützten Hafen ohne jegliche Hektik und Lärm von Motorboot-Jugendlichen.
Noch vor dem Mittagessen fuhren wir gut 7km zum anderen Dorf auf der Insel, nach Kirkehamn. Diese Strecke hatte es aber in sich, drei Pässe mussten wir befahren, jeweils eine steile Strasse führte hinauf und ebenso steil gings wieder bergab. Die Bromptons kamen hier an ihre Grenze, auch mit dem allerkleinsten Gang war es kaum zu schaffen (oder lag es an uns?). In Kirkehamn schauten wir uns den Gästehafen (und Camperplatz) und die anderen Liegemöglichkeiten an. Hier waren mehr Schiffe, vor allem auch norwegische Motorboote, und es hätte kaum noch Platz für uns gehabt. Das Dorf ist grösser und es hat mehr Betrieb. Aber unser Hafen ist der schönere und ruhigere und auch windgeschütztere.
Auf dem Prospekt und auch auf der Karte war ein Weg eingezeichnet auf einen Berg oberhalb des Dorfes. Nachdem wir den Einstieg gefunden hatten, kämpften wir uns auf dem schmalen Bergweg durchs Unterholz und später über Felsen. Hier kamen wir an unsere Grenze, denn Veloschuhe sind nun halt keine Bergschuhe, so kehrten wir etwa 30m unter dem Gipfel um. Wobei, oben wäre kein langer Aufenthalt angenehm gewesen, der Wind tobte hier in der voller Stärke.
Die Heimfahrt über die drei Pässe war wieder anstrengend, jetzt hatten wir auch noch den Wind gegen uns. Am Nachmittag blieben wir auf dem Schiff, Dusche, Waschen, Putzen, Zeitung lesen, es war warm und gemütlich.
Samstag, 14.06.2025:
Rasvåg (Hidra) - Egersund, 27 sm.
Wetter: meist sonnig, SE-ESE4-5.
Sommertag
Wir standen wieder mal früh auf, lösten die Leinen um 6.30 Uhr, weil für Mittag wieder Starkwind (Sturmwarnung für diese Gegend) angesagt war. Unser Nachbar war schon um 6 Uhr losgefahren.
Anfangs segelten wir etwas langsam, der noch nicht so starke Wind kam sehr achterlich. Doch je näher wir nach Egersund kamen, desto schneller wurde Regina, weil der Wind immer mehr zunahm.
Im Gästehafen waren wir dann schon vor dem Mittag und Platz gab es auch genügend.
Die Sonne schien warm (T-Shirt-Wetter) und der Bummel durch das Städtchen war angenehm. Neben uns steht ein kleines Segelboot aus Kanada. Auf den Aussichtsberg stiegen wir heute nicht, es war uns zu warm. Und die eingefangenen Zecken von gestern, jeder hatte eine, mussten noch entfernt werden. Die Norweger feierten mit Musik und nicht gerade leise, die Segler gingen früh in die Koje und das angekündigte Gewitter kam nicht.
Sonntag, 15.06.2025:
Egersund - Tananger, 43 sm.
Wetter: zuerst wenig Wind und diesig, nachher SE5 bis S6 und immer noch diesig, am Nachmittag etwas Sonne, am Abend Regen und abnehmender Wind, am Morgen sehr warm, am Abend bedeutend kälter.
Schnelle Reise mit Stromunterstützung
Wir starteten früh nach der bisher wärmsten Nacht. Als zweites Boot verliessen wir den Gästehafen und fuhren hinter der Insel Eigerøya durch den Nørdre Gapet zur Westausfahrt. Die Fahrt durch diesen Sund ist immer schön, kleine Dörfchen, Landwirtschaft, Wälder, Felswände und Ankerbuchten wechseln sich ab.
Auf dem offenen Meer wurde es dann bald schnell, mit Raumwind sausten wir der Küste entlang, der Strom half uns dabei, die Anzeige war auch mal bei über 9kn Geschwindigkeit.
Später, nach der Westquadranttonne Jærens Rev gab es tüchtig Wind und wir mussten noch mehr reffen und das Grosssegel streichen. Kurz nach Mittag erreichten wir den Gästehafen von Tananger und sahen, dass wir über Grund 43 Meilen, aber durchs Wasser nur 37 Meilen gesegelt waren.
Nach einem Spaziergang durch das Schlafdorf Tananger (Vorort und Fährenhafen von Stavanger und Industriehafen für die Oel-/Gasförderung) kamen wir zurück zum Boot, konnten einem Einhandsegler beim Anlegen helfen und machten es uns gemütlich im Cockpit. Hier waren wir international: Argentinier auf einem deutschen Boot, der schwedische Einhandsegler, den wir schon 2x getroffen haben, ein schottisches Boot mit deutscher Frau und natürlich Norweger. Aber bald fing es an zu regnen und es wurde kalt.
Montag, 16.06.2025:
Tananger - Skudesneshavn, 20 sm.
Wetter: WNW4 bis SSW2, keine Sonne, dafür Regenschauer und Niesel.
Kurze Reise zum ehemaligen Heringhafen
Nach dem Ausschlafen ohne Wecker verbrachten wir die Zeit auf dem Boot, denn erst gegen Mittag sollte der Wind etwas abflauen und von NW wegdrehen. Und dann ging es immer schön am Wind, zuerst nach Nord, später nach West an Stavanger vorbei zur Insel Karmøy und dem kleinen Städtchen Skudesneshavn. Unterwegs sahen wir kurlige Frachter, die hier alle für die Petroindustrie im Einsatz stehen, meist als Transporter zu den Offshore-Inseln.
Skudesneshavn schien uns sehr verschlafen, lebt wahrscheinlich vor allem vom Inlandtourismus in den beiden Saison-Monaten. Das Gamle Skudesnes ist hübsch anzusehen mit den vielen weissen Holzhäusern und den engen Gassen, aber es scheint vor allem ein Museum zu sein. Auch das Umfeld des innersten Hafens, der jetzt Gästehafen ist, schaut pittoresk aus mit den Häusern, die eng um den Hafen gebaut sind. Bei der Hafeneinfahrt hat es eine grössere Fischverarbeitungsanlage, und einige wenige Fischerboote stehen dort. Im Gästehafen mitten im Städtchen waren wir ganz allein, erst gegen neun Uhr kam noch ein anderes Segelschiff.
Dienstag, 17.06.2025:
Skudesneshavn - Haugesund, 20 sm.
Wetter: Regen, S-SW3-5, am Nachmittag trocken.
Regensegeln und «The Rising Tide»
Wir konnten noch trocken ablegen, waren aber schon regenfest angezogen. Schon bald fing es an zu regnen. Alles war grau in grau und die Sicht war schlecht. Es war aber auch keiner unterwegs. Erst im Sund vor der Stadt waren Frachter und grosse Fischerboote unterwegs.
Wir legten in Haugesund längs am Quai im Gästehafen an. Es nieselte und regnete nach einer kurzen Pause wieder, als wir in die Stadt spazierten. Nach Espresso und Stadtbummel mit Lebensmitteleinkauf kamen wir zurück aufs Boot. Mittlerweile hatte es aufgehört zu regnen.
Dort beschlossen wir, noch eine kleine Wanderung zum Leuchtturm Kvalen Fyr und dem Kunstwerk «The Rising Tide» von Jason Taylor zu machen. Wir wanderten eine Stunde, anfangs von der Innenstadt durchs Villenquartier und dann auf dem Küstenpfad durch die Schafweide zur Bucht mit den Rössern der Rising Tide. Diese Skulpturen hatten wir schon mal gesehen, nämlich am 24.10.2016 auf der Kanarischen Insel Lanzarote in Arrecife unter dem Namen «Four horsemen of the apocalypse».
Am Abend kam die grosse Enttäuschung. Wir hatten eine Dusche über die App gebucht und bezahlt und standen schon eingeseift unter der Dusche und dann funktioniert die Dusche nicht!!
Abends wurde es wieder kalt und es musste geheizt werden.
Mittwoch, 18.06.2025:
Haugesund - Leirvik, 27 sm.
Wetter: meist Regen, SE2 – W5.
Regensegeln, schon wieder
Als wir ablegten regnete es noch nicht. Doch lange blieb es nicht trocken, aber wir waren ja regenfest angezogen. Bei dem guten Wind kamen wir schnell vorwärts. Unterwegs gab es sogar mit der Regenpause ein paar Sonnenstrahlen. Wir kreuzten die typischen Norweger-Fjordfähren und mussten auf viele Frachter aufpassen, die hier verkehrten, es waren auch einige Segelschiffe unterwegs. Kurz vor Leirvik kamen wir an einer Fabrik für Offshore-Plattformen vorbei, das Werftgebäude war riesig. Ausgerechnet beim Anlegemanöver kam der Regen wieder und gleich sehr heftig, aber ohne Böen.
Am Nachmittag spazierten wir durch Leirvik und landeten im Einkaufszentrum. Und weil es gleich wieder heftig zu regnen begann, als wir zurück zum Boot wollten, blieben wir im Sportgeschäft hängen und schauten uns die Waren dort an.
So gab es recht spät erst Znacht.

underwatersculpture, WebSite von Jason deCaires Taylor
Etappe vorher
zu den Tagesbildern in gross (neue Seite)
zur Einstiegsseite