Logbuch Etappe 9:
Von Selje südwärts nach Bergen
von Selje nach Osøyro
2025-07-16 - 2025-07-29, 14 Tageseinträge, 205 sm.
Meist im äusseren Bereich der Küste wieder südwärts. Von Silje (nördlichster Ort unserer Reise) nach Bergen bzw. Osøyro mit Besuch der verschiedensten Insel-Archipelen.
Mittwoch, 16.07.2025:
Selje - Anker Bugta Smørhamn, 29 sm.
Wetter: wolkenlos und heiss, schwache Winde aus allen Richtungen.
Besteigung Tarvalseggja und Einladung
Kurz nach 7 Uhr marschierten wir los, einige Höhenmeter konnten wir noch am Schatten gehen, erst in Gipfelnähe gab es ein bisschen Wind, es war wolkenlos und sehr heiss. Der Aufstieg zur Tarvalseggja (640m) machten wir über einen nicht so viel begangenen Bergweg, immerhin hatte es gute Markierungen, damit man sich in den Sümpfen und Steinen nicht verlor. Auf dem Gipfel waren wir alleine. Wir hatten natürlich eine umfassende Aussicht auf die Fjorde beidseits der Halbinsel Stad und auch zu den höheren Bergen, wo es noch Schnee hatte. Für den Abstieg wählten wir die häufiger begangene Route, die weniger steil war und an vielen Orten kunstvoll mit Treppen gebaut war (der Weg heisst auch Selje treppan, und mit dem vipps-Code könnte man auch Spenden oder Maut zahlen).
Erst nach der Dusche (und Schwimmen von Elisabeth) fuhren wir windlos und wolkenlos wieder gegen Süden. Wegen des Gezeitenstroms mussten wir sowieso warten und hatten deshalb die frühe Bergtour gemacht. Den kritischen Skatestraumen erreichten wir pünktlich einige Minuten nach dem Kentern des Stroms. Die Landschaft mit den hohen Bergen, wieder der eindrucksvolle Hornelen über uns, war auch als Motorbootfahrt schön, auch wenn wir viel lieber gesegelt wären.
Kurz vor Kalvåg entschieden wir uns, statt uns in eine Marina zu zwängen, lieber wieder einmal zu ankern. Toni fand auf der Seekarte ganz in der Nähe eine Ankerbucht. Ganz einsam ist sie nicht, es hatte 4 Sommerhäuser, die jetzt natürlich besetzt sind, aber ohne Rummel.
Schöne Überraschung: Wir wurden eingeladen. Der Bewohner dieser Bucht kam mit seinem Boot zu uns und lud uns ein, die Bucht vom Land aus anzusehen. Wir hatten ein anregendes Gespräch mit ihm und seiner Partnerin, Ole und Ingfrid. Sie bauen im Winter ehrenamtlich in den ärmsten Ländern Häuser bzw. leiten die Leute dazu an und nehmen das notwendige Werkzeug mit (die Organisation heisst BuildAid Norway). Und während des ganzen Sommers wohnen sie hier und vermieten 2 schwimmende Ferienhäuser.
Donnerstag, 17.07.2025:
Anker Bugta Smørhamn - Florø, 14 sm.
Wetter: SW2 und weniger, sonnig und heiss.
Etwas Schwachwindsegeln
Der Anker kam relativ sauber hoch, die Gäste von Ole winkten noch, dann konnten wir aus der Bucht tuckern. Draussen in der Frøyasjøn hatte es manchmal etwas Wind, die Windräder auf dem Berg oben standen aber still. Etwa 4 Meilen konnten wir langsam segeln, aber dann wurde der Wind zu schwach, mit dem beginnenden Flutstrom wurde dann auch das Aufkreuzen sinnlos.
In Florø hatte es schon viele Boote, fast alle waren Motorboote. Einige davon fuhren im Laufe des Nachmittags weg, aber es kamen auch wieder neue. Dank der frühen Ankunft und dem heissen Wetter war wieder mal Wäschetag angesagt, die Wäsche trocknete an der Wäscheleine rund ums Schiff schneller als im Tumbler.
Wir haben gemäss Prognose noch vier oder fünf schöne und windlose Tage vor uns. Danach wird es wieder nass und grauer, so war eine gute Planung sinnvoll, wo wir beim nächsten Regentag Pause machen wollen.
Freitag, 18.07.2025:
Florø - Anker Alden, 21 sm.
Wetter: N 1-2, am frühen Morgen noch bedeckt, später sonnig, aber dunstig.
Ankern, Dinghi, Besteigung Alden
Am Morgen wars düster, bedeckt und windstill, erst nach 10 Uhr zeigte sich die Sonne, es war aber sehr dunstig, um die Berggipfel hatte es Wolken, die Windgeneratoren auf dem Berg standen still. Erst nach einer Stunde motoren hatten wir etwas Wind für Langsamsegeln, zwischendurch mussten wir mit dem Motor nachhelfen. In der Nacht soll es noch weniger Wind haben, also ideal zum Ankern in der Bucht vor dem Berg Alden. Es gibt zwar einen etwas maroden Schwimmsteg und eine Pier aus rostigen Stahlträgern und schwarzen Autopneus, aber das Ankern war hier angezeigt. Wir waren auch nicht einzigen hier.
Für den Landgang brauchen wir das Dinghi, so waren wir mit dem Aufpumpen beschäftigt. Wir planten für morgen die Besteigung des Alden. Es sah aber so aus, dass es hier morgen auch Nebel und Dunst haben könnte und wir gar keine Aussicht hätten. So beschlossen wir, noch heute Abend auf den Gipfel zu steigen.
Wir ruderten nach 18 Uhr zum Schwimmsteg und nahmen die Wanderschuhe mit. Nach gut einer Stunde Wandern erreichten wir den Gipfel des Alden (480m) und bewunderten die Aussicht auf die vielen Inseln um uns herum und tief unter uns auf die Ankerbucht und Regina. Der Aufstieg wie auch der Abstieg war heute einfach, denn der Weg wird von vielen Leuten begangen, alleine heute sahen wir etwa 20 Personen, die auf dem Alden waren.
Unten angekommen gings wieder rudernd zur Regina, wir genossen die Heckdusche (und Elisabeth die Umrundung des Schiffs) und anschliessend den sehr späten Znacht.
Samstag, 19.07.2025:
Anker Alden - Værlandet Hamna, 2 sm.
Wetter: meist sonnig, zwischendurch Seenebel und bedeckt, N1-2, sehr warm.
Velotour Værlandet und Bulandet
Nach dem langen Ausschlafen mussten wir vor der Abfahrt das Dinghi wieder an Bord hieven und festzurren. Und ein Schwumm musste auch noch sein. Wir durften nicht zu früh im Hafen sein, weil die Norweger eher spät losfahren. So waren wir am Mittag erst im Hafen der Nachbarinsel und wir hatten Glück: zwei Motorboote fuhren gerade weg und ein wunderbarer Platz an der Pier wurde frei für uns.
Mit den Velos fuhren wir am Nachmittag von Værlandet über viele Brücken, die die Inseln verbinden, nach Bulandet. So viele Velofahrer wie hier haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Es gibt Velovermietungen und die werden genutzt! Die Strasse ist schmal, die Autos aber rücksichtsvoll. In Bulandet schauten wir uns den kleinen Gästehafen an, fanden aber unseren hübscher. Einige Schritte zum Aussichtspunkt Hillersoya über die Schafweide mit Blick zum Alden und die Schäreninseln und dann ging es wieder zurück. Das Windchen war angenehm, genau, um nicht ins Schwitzen zu kommen.
Wir feierten unseren 46. Hochzeitstag mit einem feinen Znacht im Hafenrestaurant. Dort arbeitet die Schweizerin Yael als Eventmanagerin, mit ihr haben wir uns gut unterhalten.
Sonntag, 20.07.2025:
Værlandet Hamna - Værlandet Hamna, 0 sm.
Wetter: sehr warm und sonnig, sanfte Winde.
Besteigung Høgkletten
Nach langem Ausschlafen und einem gemütlichen Morgen wanderten wir über die Hochebene der Insel Værlandet zum Fuss des eigenartigen Berges Høgkletten. Er ist der höchste der 4 Rundberge, die wie Blasen aus Stein aussehen, und geologisch gesehen seien sie ebenfalls eigenartig, ein Überbleibsel der Plattentektonik, als Amerika und Europa noch zusammengewachsen waren.
Der unterste und steilste Abschnitt war mit einer durchgehenden Kette gesichert und der Aufstieg so relativ einfach, auch wenn man zwischendurch die Hände brauchte. Weiter oben wurde es etwas flacher und wir konnten gut auf dem grob strukturierten Felsen hinaufsteigen, ohne zu klettern. Und die Aussicht auf dem185m hohen Gipfel war wiederum hervorragend, über den ganzen Inselarchipel von Værlandet und Bulandet, aber auch die Inseln Sula im Süden wie auch die Berge auf dem Festland waren gut sichtbar, und natürlich war der viel höhere Alden gerade nebenan sehr dominant.
Der Abstieg war einfach, vor allem mit der Kette war es auch bei der steilen und exponierten Passage ohne Problem. Mittlerweile war es aber sehr warm geworden, und wir genossen die Dusche an Bord.
Am Abend hatten wir noch Probleme mit unserem Ladegerät und Wechselrichter, der auf einmal abstellte und einfach «Fehler» anzeigte. Bis das behoben war, musste Toni wieder einmal ins Handbuch der Victron eintauchen. Aus- und Einschalten war diesmal eine einfache Lösung, aber die Ursache für den Unterbruch haben wir noch nicht herausgefunden.
Montag, 21.07.2025:
Værlandet Hamna - Hardbakke (Solund), 17 sm.
Wetter: E4 – ENE1, zuerst freundlich mit Wolken, am Nachmittag heiss und einige wenige Gewittertropfen.
Wieder einmal Wind zum Segeln
Heute waren wir die ersten, die losfuhren. Aber wir segelten bereits ab Hafenmole aufkreuzend gegen Osten, die anderen waren unter Motor unterwegs. Die Route führte um viele Inseln und durch schmale Sunde, das Segeln war anspruchsvoll, aber etwa 4 Meilen vor Hardbakke in Solund war der Sund sehr eng und die Inseln rechts und links hoch, Windwechsel um 180° und zwischen 15 kn und 0 kn, das Segeln war nicht mehr möglich.
Weil wir früh unterwegs waren, hatten wir auch noch eine Auswahl an Liegeplätzen. Bis am Abend waren alle besetzt und einige Boote lagen im Päckchen. Ausser einem Spaziergang zum Zentrum mit den Läden machten wir nichts, es war einfach zu schwül und zu heiss, für eine Wanderung hatten wir keine Lust. Die dunklen Wolken gaben sogar mal ein Grollen von sich und liessen einige grosse Regentropfen fallen, nachher war es etwas angenehmer. Wie auch einige Bootsnachbarn machte Elisabeth einen Schwumm im warmen Wasser, Toni begnügte sich mit der Dusche.
Da wir in den nächsten Tagen kaum ein Dinghi benötigen, liessen wir die Luft raus und versorgten es wieder in seinem Sack. So ist das Vordeck (und die Luke der vorderen Kabine) wieder frei.
Dienstag, 22.07.2025:
Hardbakke (Solund) - Anker Ramsvika (Hiserøy), 19 sm.
Wetter: meist stark bewölkt, am frühen Morgen etwas Regen, am Nachmittag NW-W 1-3 mit mehr Sonne.
Ankerbucht statt voller Gästehafen
Um 7 Uhr regnete es leicht, so drehten wir uns nochmals um. Später beschlossen wir, weil es noch keinen Wind hatte, doch noch auf den Gipfel Ravnenipa (ca. 280m) genau oberhalb von Hardbakke zu steigen. Die Wanderung war anregend, und die felsigen Platten, auch wenn sie etwas steiler waren, konnten sehr gut begangen werden. Es ist das gleiche Gestein wie auf der vorhergehenden Insel Værlandet, eine Art Nagelfluh, aber viel älter und mit sehr groben Steinen und in den Eiszeiten von den Gletschern mehrfach abgeschliffen. Oben trafen wir auf eine Familie mit Hund, die auch im Gästehafen waren.
Erst am Mittag fuhren wir los. Wegen der nicht genügend hohen Brücke mussten wir einen Umweg nach Norden machen. Und auch hier hatte es ein Hindernis, eine Freileitung, die in der Karte eingezeichnet ist, aber es hatte keine Höhenangabe. Kurz davor sahen wir dann das Schild: 20m overhead, so waren wir erleichtert, sonst hätten wir einen noch grösseren Umweg fahren müssen.
In der Nähe von Nåra wird gerade eine hohe Brücke (und die entsprechende Strasse) gebaut, um die westlichsten Inseln von Solund zu erschliessen, die heute nur mit einer Fähre bedient wird.
Und hier fanden wir endlich etwas Wind. Aber bald entschieden wir uns, nicht nach Fedje zu segeln, sondern nochmals in den Inseln von Gulen zu ankern. Je weiter wir in den Inselarchipel reinsegelten, desto weniger Wind hatten wir, es reichte aber gerade bis zum Eingang der Ankerbucht. Ein schöner Platz, kein einziges Haus, nur Felsen und Wälder und Sumpf, genügend Platz zum Schwojen. Etwas später kam nochmals ein Segelboot in diese Bucht zum Ankern. Schwimmen, Duschen, gemütlich im Cockpit, leichter Wind mit Sonne, was wollen wir mehr (Luft 26°C, Wasser 22°C)?
Mittwoch, 23.07.2025:
Anker Ramsvika (Hiserøy) - Litlebergen, 37 sm.
Wetter: W-NW 2-3, zu Beginn sonnig, am Nachmittag in der Nähe Gewitter, am Abend einige Tropfen.
Ende des norwegischen Sommers?
Es war ein schönes Erwachen, Aufstehen und Zmörgelen im Cockpit. Blauer Himmel, das Nachbarboot und die Bäume spiegelten sich im Wasser, es war ruhig. Gegen 10 Uhr hoben wir den Anker und tuckerten unter Motor dem Wind entgegen und im Slalom um die vielen Inseln nach Westen zur offenen Küste. Nach einer Stunde erreichten wir den segelbaren Wind. Bald konnten wir nach Süden abbiegen und den Gennaker setzen.
Unser Fahrwasser war von Seezeichen und Leuchttürmen gesäumt. Und auch die Hurtigrute nutzt diese Wasserstrasse. So wurden wir von der riesigen «Nordnorge» überholt, und sie fuhr sehr nahe an uns vorbei, ein bisschen unheimlich, so ein grosses Schiff neben sich zu haben.
Der Wind war unregelmässig schwach und meist genau von achtern, so kamen wir nicht sehr schnell vorwärts. Und dann hörten wir den Donner vom Gewitter weiter im Landesinnern, die Gewitterwolke dehnte sich immer mehr zu uns aus. Nun, Gewitterböen und Gennaker sind suboptimal, so versorgten wir das grosse Vorsegel wieder und fuhren dann unter Motor den Radfjorden hinunter. Eigentlich wäre nochmals ein schöner Ankerplatz auch sehr ok gewesen, aber der ideale Platz, den wir kannten (Insel Toska, Bucht Uttosko), war schon besetzt (konnten wir im AIS sehen). Das Gewitter zog im Osten an uns vorbei, wir hörten es noch einige Male donnern.
Am Ende des Radfjorden gibt es einen Bootshafen mit Gästeplätzen und für den Notfall eine nicht so optimale Ankergelegenheit. Der Gästesteg von Litlebergen war zu unserer Überraschung praktisch leer, hier legten wir an. Das Ankern in der grossen weiten Bucht mit den angesagten Gewittern heute Abend und in der Nacht gefiel uns nicht so.
Donnerstag, 24.07.2025:
Litlebergen - Kolbeinshamn (Huftarøy), 31 sm.
Wetter: NW2-W3-NW4-N4, meist stark bewölkt, aber trocken.
Endlich wieder ein Segeltag
Wir hatten am Morgen Zeit, weil der Strom uns erst gegen Mittag nach Süden schieben würde. Und auch der Wind kommt meistens nicht so früh.
In der Nähe von Bergen war sowohl auf dem Wasser als auch in der Luft viel los. Motorboote rasten durchs Wasser, ebenso schnell die Fähren, Segelboote motorten gegen den Wind und die Strömung nordwärts und andere segelten wie wir nach Süden.
Wir hatten mit Regen gerechnet, die Regenkleidung war parat, aber es regnete nicht. Die Sonne zeigte sich aber kaum, doch es war nicht kalt.
Am Abend kamen wir durch eine sehr enge Durchfahrt in den kleinen Hafen Kolbeinshamn. Am Gästesteg lag nur ein einziges dänisches Segelboot. Und wir hatten damit gerechnet, keinen Platz mehr zu finden!
Der Hafen ist winzig, die Gebäude sind alt und es stehen verschiedene verrostete «Museumstücke» herum. In der kleinen verwinkelten Bucht hat es wenige Sommerhäuser, meist gut versteckt hinter Bäumen. An der Pier stehen Arbeitsboote der Fischer für die Fischfarm draussen. Die Sanitäranlage mussten wir erst suchen, es war nirgends etwas angeschrieben. Aber die Ruhe hier gefällt uns besser als der Betrieb in den grösseren Marinas.
Freitag, 25.07.2025:
Kolbeinshamn (Huftarøy) - Bekkjarvik (Selbjørn), 10 sm.
Wetter: NW3, meist bedeckt und diesig.
Überfallen!
Heute fuhren wir mit den Velos ca. 6 km, um auf den 243m hohen Hügel Loddo zu steigen (der höchste Punkt der Inselgruppe Austevoll). Kaum hatten wir die Velos abgestellt, waren ein paar Schritte gelaufen, und schon wurden wir überfallen!! Nein, nicht von gefährlichen Leuten, sondern von den Stechinsekten. Vor allem Bremsen attackierten uns, wie kaum zuvor. In Schwärmen stürzten sie sich auf uns. Sofort packten wir unser Gift Antibrumm aus und verbreiteten dessen Gestank. Dann wanderten wir mit den Armen rudernd schnell weiter, so ging es. Der Waldweg führte durch Sumpfstellen, aber mit Brettern und Stegen gut zu laufen.
Auf dem Gipfel stand ein Aussichtsturm mit Treppenstufen so steil wie eine Leiter. Oben wehte ein angenehmes Lüftchen und es waren keine Insekten mehr da. Rund um den Turm gab es Heidelbeeren. Beim Abstieg durch den Farn-Mooswald spürten wir etwas Gegenwind, und der hielt die Attackierer von uns ab. Zurück zum Hafen auf der Ringstrasse ging es dann schnell. Ein Schwumm zur Erfrischung war wunderbar.
Das deutsche Boot im Hafen, spät am Abend angekommen, hatte Probleme: ein verstopftes WC und eine leere Gasflasche. Da konnten wir leider nicht helfen, weder eine Pumpe noch die passende Gasflasche führten wir im Reparatursortiment.
Wir segelten am Nachmittag mit dem südwärts fliessenden Strom und achterlichem Wind bis Bekkjarvik auf der Nachbarinsel. Dort konnten wir an einem schönen Platz im etwas weiter entfernten Bootshafen festmachen, die Plätze im alten und im neuen Hafen im Zentrum waren alle besetzt, teils schon doppelt belegt. Der Spaziergang zum Laden im Dorfzentrum war erfolgreich. Unser Kühlschrank war nämlich ziemlich leer. Jetzt haben wir wieder alles fürs Wochenende.
Samstag, 26.07.2025:
Bekkjarvik (Selbjørn) - Våge, 16 sm.
Wetter: NW1-2, stark bewölkt mit Niesel bis sonnig.
Kein Wind zum Segeln
Bekkjarvik ist beliebt und bekannt, weil es früher mal eine wichtige Handelsstelle war, heute hat es ein Restaurant und ein kleines Einkaufszentrum und ab und zu eine Fähre. Aber für uns war es eher enttäuschend, einfach voll von Leuten und Motorbooten, riesige Fischerboote am Quai, aber nicht wirklich eine attraktive Ortschaft, und die Gästehafeninfrastruktur liess auch zu wünschen übrig.
Noch vor 9 Uhr lösten wir die Leinen, wir wollten früh genug in Våge sein. Dort erwarteten wir auch viele Boote im Hafen, immerhin war Wochenende und Ferien. Es hatte keinen Segelwind, und wenn es mal 5kn hatte, dann genau gegenan. Immerhin nutzten wir den Gezeitenstrom, der uns 2-3 Seemeilen Fahrt ersparte. Wir fuhren an mehreren Fischzuchten (Aquakulturen, fish farms) vorbei, in die Ankertrossen dieser Anlagen sollte man nicht hineinfahren, so hielten wir genügend Abstand, sie waren ja gut markiert. Kurz vor dem Gästehafen von Våge versuchte Elisabeth wieder einmal, selber einen Fisch an den Haken zu kriegen, aber auch mit den neuen Haken blieb es erfolglos.
In Våge waren wir sehr überrascht: Der Gästehafen war fast leer, die zusätzlichen Pontoons, die für das Inselfest vor 3 Wochen angebracht worden waren, waren nicht mehr da, und es hatte trotzdem viel Platz zum Auswählen. Elisabeth nutzte die freie Waschmaschine. Hier gefiel es uns besser als am letzten Ort.
Sonntag, 27.07.2025:
Våge - Våge, 0 sm.
Wetter: meist sonnig, schwache NW-Winde, angenehm warm.
Tour auf Tysnessåta (753m)
Anfangs fuhren wir mit den Bromptons auf der Küstenstrasse und dann zum Myrdal-See hinauf zum Parkplatz für die Bergtour auf etwa 220m. Es waren schon einige Autos hier, und es kamen hinter uns noch mehr. Aber immerhin, es hatte auch einen Veloständer für uns.
Der Weg war steil, aber zu einem Teil eine Treppe, die von Sherpas gebaut wurde (der Weg heisst auch Sherpa sti), so war es sehr bequem hinaufzusteigen, und wir waren schnell auf dem Gipfel Tysnessåta (70 min. für 530 Höhenmeter). Es ist der höchste Gipfel auf dieser Insel Tysnes. Die Aussicht und die Tiefblicke sind wie immer bei schönem Wetter und mitten in der Fjordlandschaft faszinierend. Wir sahen auch über dem Hardangerfjord den Gletscher Folgefonna, die Berge dort hatten jetzt aber keine Schneeflecken mehr. Es ist Sonntag, so waren auch sehr viele Leute hier, es war ein Kommen und Gehen, sehr sportliche Leute fast im Trailrunningmodus, aber auch einige sehr «schwere» Personen, die hier heraufkeuchten, und einige Familien mit ihren Kids. Dank des Lüftchen, das hier wehte, gab es keine Stechinsekten!
Der Abstieg führte wieder über den schnellen Treppenweg zu den Velos, und der Rückweg oder die Abfahrt zum Hafen war ebenfalls schneller als der Aufstieg.
Auf dem Boot genossen wir die warme Nachmittagssonne (es war nicht mehr zu heiss), Elisabeth natürlich mit einem Schwumm in der Badi mitten im Hafen.
Montag, 28.07.2025:
Våge - Osøyro, 9 sm.
Wetter: W-N 1-4, bewölkt, meist sonnig.
Kurzer Schlag über Bjørnafjorden
In der Nacht regnete es leicht, am Morgen war es bedeckt und die Berggipfel steckten in Wolken. Erst gegen Mittag, als es etwas Wind gab und die Sonne durchdrückte, fuhren wir los. Wir querten den Bjørnafjorden nordwärts nach Os. Die Hälfte der Strecke konnten wir segeln (drehende Winde mit unterschiedlicher Stärke), in der anderen Hälfte hatte es zu wenig Wind.
Das Hafengelände von Os ist weitläufig, aber nicht überall ist es geeignet für uns (zu wenig tief, kein Stromanschluss, falsche Windrichtung), wer legten uns an den etwas abgelegenen Gästesteg im Windschatten von hohen Mehrfamilienhäusern beim Oseana Kunst- und Kulturcenter.
Ein Spaziergang führte uns in den Ort, wir schauten die anderen Gästeplätze an, fanden aber, dass wir den bestmöglichen bereits gefunden hatten. Im Vorbeiweg spazierten wir durchs Zentrum der sehr weitläufigen Ortschaft und dann noch beim Coop vorbei, und mit beladenen Rucksäcken kamen wir zurück zum Schiff.
Hier hatten wir den Rest des Nachmittags warme Sonne, in den Hügeln etwas weiter östlich waren schwarze Wolken und es regnete dort, zumindest deutete der Regenbogen darauf hin.
Dienstag, 29.07.2025:
Osøyro - Osøyro, 0 sm.
Wetter: schwache NW-liche Winde, meist sonnig.
Einkaufen und Reinigen
Schlafen ohne Wecker, dann gemütlich Morgenessen, und vor dem Mittag Spaziergang zum grossen Rema1000 oben auf dem Berg, und das bei schönstem Wetter. Am Nachmittag wurde Regina wieder einmal geduscht und gereinigt, und Elisabeth machte im nahen Strandbad ihre Runden. Und wie immer Studium der Wetterlage und der fast stündlich sich veränderten Wind- und Regensituation für die nächste Woche. Und am Abend noch ein Spaziergang in die Stadt zu Peppes Pizza.

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