Logbuch Etappe 2:
Deutsche Ostseeküste nach Rügen
von Neustadt nach Stralsund
2026-05-07 - 2026-05-14, 8 Tageseinträge, 142 sm.
Segelreise von Neustadt in Etappen nach Rügen. Wir besuchten die beiden UNESCO-Welterbe-Städte Wismar und Stralsund und die beiden Ostseebäderstädte Kühlungsborn und Warnemünde. Die Pausen- bzw. Besichtigungstage waren eigentlich auch ein Abwettern, d.h. ungünstige Verhältnisse zum Segeln. Die Segeltage waren aber schön, auch die lange Etappe von Warnemünde nach Stralsund.
Donnerstag, 07.05.2026:
Neustadt - Wismar, 33 sm.
Wetter: kalt, aber sonnig, ENE-NNE3-5.
Wunderbar, erster Segeltag
Heute benötigten wir etwas mehr Zeit als üblich, bis wir losfahren konnten, es geht noch nicht alles automatisch. Aber doch kurz nach 9 Uhr fuhren wir vorsichtig aus der Box und in die Lübecker Bucht. Die Segel setzten wir noch in Sichtweite der Marina, und dann schaukelten wir hart am Wind ungefähr nach Osten. Im Laufe des Tages drehte der Wind immer mehr nördlich, trotzdem mussten wir noch zwei Wenden fahren. Beim Offentief, dem Durchgang zwischen den Untiefen und bei der Kursänderung nach Süd in die Bucht von Wismar, war dann der Wind so stark, dass wir allein mit dem gerefften Genua immer noch genügend Speed hatten. Wir genossen das herrliche Segeln bei Sonnenschein, auch wenn wir uns an die Wellen und das Schaukeln zuerst wieder gewöhnen müssen.
In Wismar gibt es mehrere Möglichkeiten zum Anlegen, vor zwei Jahren waren wir im Westhafen beim Segelclub, diesmal fuhren wir in den Alten Hafen, wo auch die Rundfahrtschiffe anlegen. Zu Fuss spazierten wir schnell zum dritten Hafenbecken hinüber. Dieses war offensichtlich umgebaut und erweitert worden und schien uns attraktiver und ruhiger als der Alte Hafen, und es war neben den 6 einheimischen Boote kein einziger Gastlieger hier. So verlegten wir das Schiff.
Wir machten einen kleinen Spaziergang durch die Innenstadt (UNESCO-Welterbe) und konnten einige der Hotspots anschauen. Morgen bleiben wir hier und können weitere Sehenswürdigkeiten besichtigen, es hat morgen (zu)viel Wind aus Ost.
Freitag, 08.05.2026:
Wismar - Wismar, 0 sm.
Wetter: meist sonnig, starker E.
Besichtigung Hansestadt Wismar
Nach dem Ausschlafen und dem gemütlichen Zmorge mit Zeitunglesen spazierten wir durch die Stadt und das Hafengelände zum Supermarkt. Vorher konnten wir noch mit den Feuerwehrmännern sprechen, die hier an unserem Steg ihr Multifunktionsboot liegen haben und heute ihre wöchentliche Kontrolle machten. Mit diesem Boot waren sie beim gestrandeten Buckelwal im Einsatz, das Fischernetz von seinem Maul füllte die ganze Ladefläche des Bootes.
Am Nachmittag spazierten wir nochmals in die Stadt und schauten uns andere Ecken, Gassen, Häuser und Kirchen an. Einerseits ist Wismar eine Hansestadt, andererseits stammen die schönen Häuser aus dem 17./18. Jahrhundert, ausser die Kirchen, die schon am Ende des Mittelalters gebaut wurden und heute die sogenannte "Backstein-Gotik" repräsentieren. Aber die Stadtstruktur stammt noch aus dem Mittelalter. Deshalb ist es auch ein UNESCO-Welterbe, d.h. zusammengebaute Häuser strassenseitig und hinten grosszügige Frei-/Gartenflächen. Die üblichen Hansezeit-Häuser waren wahrscheinlich aus Holz und sicher mehrfach abgebrannt, deshalb sieht man eigentlich nichts mehr davon. Die Epoche der Hansestädte war ja ca 1100-1600 n.Chr.
Beim grossen Marktplatz hatte es eine schöne Kaffee/Bäckerei für unsere Pause. Heute waren mehr Leute auf den Strassen, allerdings waren wir auch viel früher unterwegs, gestern war es schon nach Ladenschluss gewesen.
Samstag, 09.05.2026:
Wismar - Kühlungsborn, 36 sm.
Wetter: meist sonnig, kühl, NNE 1-4.
Nicht nur kühl, sondern kalt!
Als wir losfuhren, war der Wind schwach und die Sonne schien ins Cockpit und es war angenehm, fast warm mit dem Raumwind. Es ging nur sehr langsam vorwärts und es brauchte auch nochmals für eine halbe Stunde Motorantrieb. Dann konnten wir segeln, und es ging einmal mehr hart am Wind, bei diesem Wind allerdings nicht auf der vorgesehenen Route. Die Sonne wärmte zwar, aber es war trotzdem kühl. Es waren einige Segler unterwegs, anfangs auch kleinere Motorboote mit Wochenendfischern.
Die Wellen wurden immer höher und bremsten unser Boot, auch der Strom ging mit dem Wind, so kamen wir nur langsam vorwärts und aufkreuzen mussten wir auch.
Nähe Kühlungsborn frischte der Wind tüchtig auf und wir mussten reffen. Im Hafen hatte es viel Platz, und die Stegnachbarn halfen beim Festmachen.
Nach einem kleinen Spaziergang auf der Strandpromenade bei kühlem Wind und kurz durch Kühlungsborn kehrten wir zurück aufs Boot. Oben in der Kuchenbude gab es Znacht, aber unten im Boot mussten wir anschliessend wieder heizen.
Sonntag, 10.05.2026:
Kühlungsborn - Warnemünde, 12 sm.
Wetter: etwas Sonne, meist bewölkt, ziemlich warm, schwache Winde aus allen Richtungen.
Kein Wind, kurze Motorbootfahrt
Wir wussten es vom Wetterbericht: Heute gibt es keinen Wind, allenfalls am Nachmittag etwas aus N. So blieben wir lange unter der warmen Decke. Erst nach Mittag machten wir uns bereit und fuhren dann übers flache Meer der Küste entlang die kurze Strecke zum nächsten Hafen. Wir wählten aus mehreren Häfen den Sportschule Yachthafen aus, hier hatte es noch beliebig viel Platz. Westlich sind die vielen Rundfahrtenboote, die hören wir fast nicht, und östlich ist der Fluss Warnow und der intensive Fährenverkehr von Rostock nach Schweden und Dänemark, diese grossen Schiffe sehen wir und riechen wir auch.
Nach etwas Bootspflege und Service spazierten wir in die nahe Stadt Warnemünde, die eigentlich nur aus Ferienwohnungen und Hotels besteht, und einem langen und breiten Strand an der Ostsee. Es waren erstaunlich viele Leute unterwegs. Am Sonntag kommt man offenbar zum Flanieren auf dem Strandweg und entlang der Boutiquen.
Morgen hat es starke Winde aus NE und viel Regen, wir bleiben lieber hier.
Montag, 11.05.2026:
Warnemünde - Warnemünde, 0 sm.
Wetter: regnerisch und stark windig aus NE und NW.
Regen- und Pausetag
Den ganzen Vormittag regnete es ununterbrochen. Am Nachmittag gab es eine Pause, die wir nutzten, um Brot zu kaufen und auswärts Kaffee zu trinken. Andere Leute und auch unsere Stegnachbarn nutzten die Regenpause ebenfalls.
Kaum waren wir zurück, regnete es wieder. Dazu frischte der Wind auf. Mit Heizung und Internet ist es im Boot gemütlich!
Dienstag, 12.05.2026:
Warnemünde - Stralsund, 61 sm.
Wetter: wenig Regen, kalt, teilweise sonnig SW-W 1-5.
Lange Segelreise
Heute standen wir früh auf, aber hell war es schon.
Anfangs kamen wir zügig voran, immer so tief vor dem Wind wie möglich, zwischendurch mit Halsen für die Fahrt auf dem anderen Bug. Gegen Mittag beim Kap Darsser Ort war das Segeln vor dem Winddreher für kurze Zeit nicht möglich. Dann ging es etwas langsamer vorwärts, immer noch mit Raumwind und Halsen. Am Abend auf der Fahrt im gebaggerten Fahrwasser vor Hiddensee, Rügen und Stralsund war es wieder schneller mit bis zu 5 bft.
Die Sonne schien und wärmte mehr als erwartet. Von der Wohlfühltemperatur sind wir aber noch weit entfernt. Das Meer war hier im Winter seit langem wieder mal zugefroren gewesen, wurde uns erzählt. Und auch jetzt ist die Wassertemperatur noch im einstelligen Bereich. Icebreaker, 3x Fasi und Segelanzug, Segelstiefel mit Skisocken, so war es auszuhalten.
Nach 12 Stunden lagen wir in Stralsund am Steg.
Mittwoch, 13.05.2026:
Stralsund - Stralsund, 0 sm.
Wetter: am Morgen Regen, abends sonnig, SW-W 2-5.
Hansestadt Stralsund
Nach dem langen Segeltag gestern nahmen wir es gemütlich. Es regnete am Vormittag immer wieder kurz, bis zum Nachmittag. Wir spazierten gegen Mittag in die Unesco-Kulturerbestadt und schauten uns die alten, schön renovierten Häuser und Gebäude an. Stralsund bildet mit Wismar ein gemeinsames Kulturerbe der UNESCO. Vom Turm der Marienkirche, dem höchsten Punkt (104m), war der Blick über die Stadt und bis nach Rügen eindrucksvoll. Der steile Aufstieg ging teilweise über Treppen, die eher einer Leiter entsprachen. Zum Glück kamen uns nur zwei Leute entgegen und oben waren wir ganz alleine.
Zmittag assen wir im schönen Wulflamhaus, das aus dem 14. Jhd. (Backsteingotik) stammt. Schon der Eingang mit einem grösseren Vorraum hat uns beeindruckt und wir fühlten uns wie in einem Museum. Sowieso ist der «Alte Markt» mit dem Rathaus und der Kirche ein schöner und photogener Platz.
Am Nachmittag, als die Sonne schien, war die Stadt mehr bevölkert. Wir füllten noch unsere Vorräte auf und konnten dann in unserer, von der Sonne gewärmten Kuchenbude sitzen. Um 20.50 Uhr ging die Sonne unter und es wurde schnell wieder kühl und wir genossen unseren geheizten Salon.
Donnerstag, 14.05.2026:
Stralsund - Stralsund, 0 sm.
Wetter: regnerisch und kalt.
Besuch Ozeaneum
Auch heute machten wir es am Morgen gemütlich und spazierten dann zum Museum hinüber, allerdings erwischte uns der erste Regenguss. Es hatte recht viele Leute, und vor allem viele Kinder und Jugendliche (heute ist Auffahrt). In einem Video sahen wir aber, dass in der Hochsaison die Warteschlange unendlich viel länger wird.
Die Ausstellungen waren hochinteressant, wir waren nachher recht erschöpft. Viele Kinder waren das ebenfalls und waren dann teils etwas überständig.
Zuerst führte der Weg durch eine Ausstellung über Weltmeere, mit Themen wie Biodiversität und der Plastikabfall, auch Fischerei und v.a. der von Menschen verursachte Lärm. Die nächste Station hatte den Fokus auf die Ostsee mit ihren Besonderheiten (Flora, Fauna, Entstehung, etc.). Es hatte viele Aquarien (Ostsee, Atlantik) und eine Anlage mit Pinguinen, die gerade gefüttert wurden. Als Abschluss kam man in eine riesige Halle mit Walen im 1:1-Format und vielen Informationen.
Nach einem Kaffee/Kuchen spazierten wir durch die Gassen mit den geschlossenen Läden und besuchten noch die Ausstellung über das UNESCO-Weltkulturerbe Stralsund/Wismar. Diese war sehr klein (4 Räume), aber informativ.

UNESCO Stralsund
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