Südliche Ostsee 2026, Log-Übersicht

Logbuch Etappe 3:
Insel Rügen und Hiddensee

von Stralsund nach Hasle (Bornholm) 

2026-05-15 - 2026-05-22, 8 Tageseinträge, 117 sm.

Ein Fährenausflug von Stralsund zur Insel Hiddensee mit langer Wanderung bildete den Auftakt. Auf der Insel Rügen besuchten wir mit dem Velo den Jasmund-Nationalpark und Reservate, erlebten die Kreidefelsen von Rügen, besuchten die Ostseebäder und einige must-see-Orte (Prora, Putbus, Bergen, Sassnitz). Der Abschluss bildete dann die lange Segelfahrt zur Insel Bornholm (DK).



Wanderweg in den Dünen von Hiddensee, die Bäume schlagen erst gerade aus, Blumen hat es nur wenige.

Stralsund - Stralsund, 0 sm.

Wetter: schön und leicht bewölkt, schwacher kalter N.

Wanderung auf der Insel Hiddensee

Anstatt auf eigenem Kiel über das untiefe Wasser und in den langen gebaggerten Rinnen zu fahren und in Kleinhäfen anzulegen, nahmen wir gemütlich die Fähre. Das hatte auch den Vorteil, dass wir an einem anderen Ort wieder einsteigen konnten.
Von der südlichsten Siedlung Neuendorf wanderten wir auf Hiddensees Dünen und über die noch vorfrühlingshafte Heide nach Norden, kamen am Inselmittelpunkt vorbei und erreichten Vitte, den Hauptort von Hiddensee. Vitte ist ebenfalls ein Zwischenstopp unserer Fähre. Es hatte sehr viele Velofahrende, zumindest auf der Strasse und dem Deichweg mit dem Hartbelag. Wir Wanderer waren eher auf groben Naturstrassen oder sandigen Wegen unterwegs. Die Vegetation ist hier markant weniger weit als bei uns zu Hause, selten eine Blume, die Bäume sind gerade am Austreiben. Nur die Vögel sind sehr aktiv und gut hörbar, auch der Kuckuck.
Nach unserem Sandwich-Zmittag und einem Kaffee-/Kuchenbesuch gings weiter nach Kloster, diesmal unterhalb des Deichs auf der Seeseite, auf dem Deich waren die vielen Velofahrenden unterwegs. Auch Kloster hätte einen kleinen Yachthafen und hier ist eben die Endstation der Fähre zurück nach Stralsund.
Wir hatten noch eine gute Stunde Zeit bis zur Abfahrt, so stiegen wir noch zum höchsten Punkt von Hiddensee (73m) mit dem Leuchtturm Dornbusch hinauf und genossen kurz die Aussicht über die Ostsee und die Lagune zwischen Hiddensee und der Insel Rügen. Mit dem Blick auf die Uhr ging es dann markant schneller als üblich wieder hinunter zum Hafen, um das Schiff nicht zu verpassen.
Die Fährenfahrt war wirklich gemütlich, wir mussten nicht auf den Verkehr achten und vor allem nicht auf die Wassertiefe und den Tonnenstrich entlang der Baggerrinne, für das hatten wir den Kapitän der Fähre. Es waren auch nicht viele Leute an Bord, gestern am Feiertag sahen wir, dass die Fähre sehr gefüllt war.


In Stralsund, bei der Querung des Hafens zur Klappbrücke, sehen wir auf die Front des Ozeaneums.

Stralsund - Lauterbach, 23 sm.

Wetter: meist schön aber kalt, kurze Schauer, SW3-5.

Schönes Segeln, anspruchvolles Hafenmanöver

Frühes Aufstehen war nötig, um die morgendliche Brückenöffnung nicht zu verpassen. Diese Brücke geht nur alle 3 Stunden auf! Wir legten als letztes der vier Boote in der Marina ab, passierten dann die geöffnete Klappbrücke als erstes.
Das Segeln im Strelasund und in der Baggerrinne ging auch nur unter Genua teilweise ziemlich schnell. Der Wind war zwar unregelmässig, frischte dann aber immer mehr auf. Die Sonne schien zwar meistens, aber die Luft war sehr kalt. So erreichten wir Lauterbach im Südosten der Insel Rügen.
Im Yachthafen gibt es nur Plätze zwischen den Pfosten, und wir hatten Seitenwind. Ein Pfostenmanöver mit starkem Seitenwind (5bft) ist nicht lustig. Und es war unser erster Hafen ohne Schwimmstege. Nur mit der Hilfe von einem geduldigen Stegnachbarn schafften wir es dann, endlich, richtig am Platz zu liegen.
Nachdem der Starkwind und die dunklen Wolken vorbei waren, spazierten wir zum kommunalen Fährenhafen und schauten uns die Umgebung an. Für einen längeren Ausflug war es aber zu spät.
Am Abend war es dann natürlich windstill!


Am Ostseestrand bei Prora (Rügen) sind die Leute noch mit Daunenjacken unterwegs.

Lauterbach - Lauterbach, 0 sm.

Wetter: schön und kühl, starke Winde aus SE und E.

Velotour auf Rügen

Wir radelten zu Beginn durch eine Obstbaumallee nach Osten. Der Weg führte meist auf ausgebauten Waldwegen oder dem Ufer entlang durchs Biosphärenreservat Südost-Rügen. In Moritzdorf hatte es eine Fähre zum Übersetzen, und zwischendurch war der Weg der Radroute so steil, dass auch Toni das Velo schieben musste. Wir bewegten uns auf dem Rügen-Rund-Weg, bis wir in Baabe zur Ostsee kamen. Und auf dieser wohl bekannten Route waren auch viele Leute mit dem Velo unterwegs (fast alle elektrisch, einige wenige mit einem Gravel).
Von Ostseebad Baabe fuhren wir über die Einkaufspromenade zum Strand und nacher auf dem Strandweg zum benachbarten Ostseebad Sellin. Anschliessend gings dann durch einen langen Wald mit guten Waldstrassen zum Jagdschloss Granitz hinauf, dem höchsten Punkt unserer heutigen Tour. Wir verzichteten auf die «Besichtigung» des Schloss-Inneren, und damit auch auf die Aussicht vom Turm. Mit einer steilen Abfahrt erreichten wir das Touristenzentrum Ostseebad Binz. Ohne Halt pedalten wir weiter der Ostseeküste entlang nach Prora. Prora ist berühmt für das wohl längste Haus von Europa gleich hinter dem Strand. Zu DDR-Zeiten wurde diese Häuserreihe für KdF-Urlaub entwickelt und gebaut, allerdings nie in Betrieb genommen. Später wurden die Häuser militärisch genutzt, und seit 2004 wurden die Häuser verkauft und umgebaut und tatsächlich für Ferienwohnungen genutzt. Auch heute hatte es bereits Feriengäste, die spazierten allerdings mit Daunenjacke am Strand.
Kurz war die Fahrt zum Naturerbezentrum Rügen, das in der "Naturerbefläche Prora" liegt. Das Besondere hier war der Baumwipfelpfad in Augenhöhe mit den Kronen der Bäume (meist Buchen) und der Aussichtsturm über den Wipfeln mit Blick weit über Rügen.
Weiter ging es nach Süden wieder zurück zum Hafen Lauterbach.


Das älteste Haus von Bergen am Markt, dahinter die Backsteingotische Kirche aus dem 13. Jhdt.

Lauterbach - Lauterbach, 0 sm.

Wetter: schön und kühl, starker E.

Putbus und Bergen

Wir fuhren mit unseren Velos zur Hauptstadt der Insel, nach Bergen. Die Fahrt auf dem Veloweg ging übers Land, an Feldern vorbei, durch Alleen und durch den Wald. Die Fahrt war nicht immer sehr angenehm. Grosse, alte Betonplatten pflasterten den Weg. Sie stammten wohl aus der DDR-Zeit oder waren noch älter. Unsere Bromptons mochten diese holprigen Wege mit Löchern nicht so, und wir auch nicht. Der Waldweg, ein Naturweg, war weniger holprig.
Bergen ist ein kleines Städtchen, aber die Hauptstadt von Rügen. Wir fanden Bergen nicht wirklich besonders, auch wenn hier eine Kirche aus dem 13. Jahrhundert steht, das Fotografieren war nicht ergiebig. Wir assen im Gasthaus am Markt Zmittag und machten uns auf den Rückweg. Heute waren nur ganz wenige Velofahrende unterwegs. Vielleicht bevorzugen die E-Biker lieben die neuen Küstenwege?
In Putbus schauten wir uns den «Circus» an, ein grosser runder Platz mit seinen vielen Eichenbäumen und den weissen Häusern am Rand. Bei der Orangerie schauten wir kurz rein, und am Schlosspark (das Schloss gibt es nicht mehr) fuhren wir entlang. Der Fürst von Putbus hatte sich hier 1810 eingerichtet, auch das Jagdschloss Granitz stammte von dieser Familie, und liess die übrigen Stadthäuser und -struktur so bauen, dass sie zum Schloss passten. Das Schloss selber stammte aber aus dem 14. Jahrhundert und gehörte schon damals der Familie Putbus, und wurde immer wieder um- und angebaut, je nach Herrschaft in dieser Gegend. Das Schloss aber wurde 1962 gesprengt und abgetragen. Dieser Fürsten- und Königprunk liegt uns nicht wirklich, und mit viel öffentlichem Geld muss das «Denkmal» gepflegt werden. Aber ein anderer Brauch hat sich offenbar gehalten: Die Stadt wird auch Rosenstadt genannt, es hat auch viele Rosenstöcke, allerdings sahen wir keine einzige Blüte (Mitte Mai!); und den Rosenwart trafen wir auch, als er die Rosen wässerte.
Die Autos fahren hier recht schnell, aber meist sind die Velowege von der Strasse getrennt. Wir waren froh, als wir wieder zurück waren (vor allem wegen des harten Gegenwinds und der unangenehmen Beton- und Pflasterstrassen).


Unter Gennaker fahren wir auf der Ostseite von Rügen Richtung Sassnitz. An der Küste sind die Ostseebadorte Baade und Sellin sichtbar, bei genauem Hinschauen sieht man den Turm vom Jagdschloss.

Lauterbach - Sassnitz, 36 sm.

Wetter: schön, E-SE 2-3.

Ein schöner Segeltag

Früh standen wir auf und legten auch früh ab. Durch die Pfosten kamen wir problemlos, es wehte ein schwacher Wind. Bald konnten die Segel gesetzt werden und wir segelten um die Ostseite Rügens herum bis zur Mole von Sassnitz. Sogar der Gennaker durfte zum ersten Mal wieder aus der Kiste. Bei achterlichem Wind mit Sonne wurde es sogar gemütlich warm im Cockpit und wir zogen die Thermounterwäsche aus.
In Sassnitz mussten wir auch wieder zwischen die Pfosten und die waren hier so hoch, dass es nicht so einfach war, die Festmacherschlaufe einzufädeln. Aber am Steg gab es Hilfe von zwei Schweizer Motorbootfahrern. Sonst hatte es hier sehr wenige Schiffe, nur die Fischer und die Boote für die Windparks weiter draussen und einige Exkursionsschiffe. Die grossen Fähren haben neu einen Hafen etwas südlicher.
Zum Städtchen muss hier eine längere Treppe auf die obere Ebene hochgestiegen werden. So auf den ersten Blick ist dieser Ort nicht besonders interessant, aber Einkaufen ist gut möglich. Spannender ist der Jasmund-Nationalpark gleich nördlich angrenzend zu Sassnitz.
Der Wassertank konnte gefüllt werden und Strom gibts auch ohne Zusatzkosten. Wir heizten am Abend wieder elektrisch.


In Sassnitz und v.a. in Alt-Sassnitz hatte es viele dieser Villen aus früheren Zeiten, als hier die frische Ostseeluft genossen wurde.

Sassnitz - Sassnitz, 0 sm.

Wetter: schwacher Wind zuerst E, später S, und regnerisch.

Kreidefelsen Rügen und Alt-Sassnitz

Eigentlich wollten wir heute eine Velotour im Jasmund-Nationalpark machen, aber der aktuelle Wetterbericht versprach Regen ab Mittag. So wanderten wir eine gute Stunde auf dem Geröll der Küste unterhalb der ersten Kreidefelsen, machten einige schöne Bilder und stiegen dann einen steilen Treppenweg hinauf zum Buchenwald. Dieser Buchenwald gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe, einem Teil des Jasmund-Nationalparks.
Beim Rückweg begann es bereits zu nieseln, so spazierten wir etwas schneller durch die Altstadt von Sassnitz zurück zum Hafengebiet und zu unserem Schiff. Am Nachmittag in einer Regenpause gingen wir nochmals zur Stadt hinauf zum Einkaufen, aber der Regen kam etwas früher als vom Regenradar prognostiziert. Und den Rest des Nachmittags genossen wir auf unserem Schiff unter dem Dach der Kuchenbude. Zwischendurch schien kurz gar die Sonne und wärmte uns.


Kreideküste Rügen, Aussicht von Victoria-Sicht etwa 100m über dem Meer zu den übrigen Klippen.

Sassnitz - Sassnitz, 0 sm.

Wetter: starker Wind aus W, zuerst bedeckt, später sonnig (und warm).

Velotour Königstuhl und Jasmund

Nach dem gemütlichen Aufstehen pedalten wir den Berg hinauf. Wir fuhren immer schön auf der Radroute von Sassnitz über Hagen zum Königstuhl, eine hübsche Fahrt durch den Buchenwald des Jasmund-Nationalparks, meist auf passablen Naturstrassen. Königstuhl heisst eigentlich eine der Kalksteinklippen der Kreideküste Rügens, dort wurde ein Touristenzentrum aufgebaut. Den Königstuhl kann man eigentlich gar nicht besteigen, sondern ein «Sky Walk», eine Hängebrücke über dem Felsen, ermöglicht die Aussicht hinunter zum Felsen und aufs Meer. Das Zentrum ist nicht mit dem Auto erreichbar, man muss zu Fuss, mit dem Velo oder mit einem Shuttlebus hierher fahren. Es waren aber sehr viele Leute hier, und der Eintritt kostet soviel, wie ein Mittagessen im Restaurant. Wir spazierten lieber etwa 500m durch den Wald zur Klippe nebenan, die Victoria-Sicht. Hier hatten wir die gleiche Aussicht, und wir sahen das Gedränge auf der Hängebrücke.
Die Rückfahrt führte über die gleiche Route bis fast vor Sassnitz, zweigte dann aber ab zum UNESCO-Weltnaturerbe (Information zum Naturerbe «Alte Buchenwälder» und Bistro). Die Fahrt nach Sassnitz war dann nicht mehr weit.
Den restlichen Nachmittag verbrachten wir auf dem Schiff, mittlerweile war es angenehm warm geworden.


Blick zurück auf die fast 100m hohen Kreidefelsen von Rügen mit den Buchenwäldern darüber.

Sassnitz - Hasle (Bornholm), 58 sm.

Wetter: zuerst sonnig, dann bedeckt und diesig, W3–WSW5.

Passage nach Bornholm

Heute brauchten wir den Wecker. Früh fuhren wir los. Der Wind war allerdings anfangs noch schwach, wir setzten bald den Gennaker. Natürlich frischte er nach etwa 1 ½ Std. tüchtig auf, 5 bf waren uns zu viel. Schnell musste er wieder geborgen werden. Erst am Nachmittag konnten wir nochmals fast zwei Stunden gennakersegeln.
Es wurde ein langer Segeltag, eher langweilig, ohne Schiffe, bis auf einen Frachter auf Kollisionskurs, der uns aber auswich. Immerhin hatten wir eine schöne Aussicht auf die Kreidefelsen von Rügen. An einer riesigen Windfarm mitten im tiefen Wasser kamen wir vorbei, die noch nicht fertig gebaut ist, nur wenige der Windräder schienen schon in Betrieb zu sein. Viele der Arbeiterkatamarane lagen nachts in Sassnitz und überholten uns bald nach dem Auslaufen. Zwei andere Segelschiffe fuhren hinter uns auf der gleichen Route wie wir, auch sie hatten Mühe mit dem unregelmässigen und schwachen Wind, der fast genau von achtern wehte. Erst gegen Abend gab es wieder mehr Wind und auch die Wellen wurden höher.
Nach 11 ½ Stunden und 58 Seemeilen kamen wir auf Bornholm an. Hasle ist ein kleiner, ruhiger Hafen nördlich von Rønne, es hatte noch 5 andere Gastboote hier. Wir machten noch einen Spaziergang durch den ausgestorbenen Ort mit alten Häusern. Unsere Beine fühlten sich komisch an, wie aus Gummi, nach dem Geschaukel. Hier ist noch früher Frühling, die Vegetation noch weniger weit als auf Rügen.
Bei Sonnenuntergang um 21.10 waren wir zurück und stellten die Heizung an (15 Grad im Boot).


 

Das ist der Text in der Fusszeile.