Logbuch Etappe 6:
Skåne län (Schonen, Südschweden)
von Sölvesborg nach Falsterbokanalen
2026-06-10 - 2026-06-18, 9 Tageseinträge, 134 sm.
Von Sölvesborg ging es in nicht zu langen Etappen der Küste entlang bis nach Falsterbo zum Absprung nach Dänemark. An jedem Ort blieben wir länger als eine Nacht (kein Wind, falscher Wind). An den Segeltagen hatten wir meist Wind von vorne. Von Ystad aus machten wir einen Ausflug nach Kopenhagen. Und von Gislövs läge besuchten wir mit den Bromptons die südlichste Spitze von Schweden mit dem Leuchtturm Smygehuk.
Mittwoch, 10.06.2026:
Sölvesborg - Åhus, 24 sm.
Wetter: SW5, später SW4 und SW3-4, leicht bewölkt, am Abend einige Regentropfen und windstill.
Segeln, die unbequemste Art zu reisen
In der Nacht war es ziemlich kalt, die Temperatur war im einstelligen Bereich und im Boot war es am Morgen auch entsprechend frisch. Aber draussen in der Kuchenbude war es doch deutlich wärmer. Doch die wurde nach dem Frühstück schnell abgebaut.
Es dauerte aber, bis wir ablegen konnten: alle Bändsel und Leinen, die an den rostigen Ringen des Quais angebracht waren, um die Festmacher zu schonen, mussten wieder gelöst werden, auch das Fenderbrett, das gebraucht wurde, um das Boot (und die Fender) vor den schwarzen und dreckigen Autopneus zu schützen.
Genau gegen den starken Wind und Schwell motorten wir durch den ausgebaggerten Kanal. Draussen wurden die gerefften Segel gesetzt, aber bald konnte ausgerefft werden. Gegen Wind und Wellen zu segeln war langsam und gemütlich war es auch nicht. Erst nach der Wende ging es nicht mehr genau gegen die Wellen und Regina wurde schneller. Am Funk hörten wir eine Near-Gale-Warnung im Süden der Ostsee, d.h. die Wellen werden höher und der Wind wird stärker - bei unserm Kurs also noch unangenehmer - werden. So beschlossen wir, nach Ahus zu segeln und nicht nach Simrishamn, weil es an den folgenden Tagen angenehmere Verhältnisse geben wird.
Beim Bootclub von Åhus fanden wir am Kopf eines Stegs einen Platz und konnten dort festmachen.
Beim Spaziergang durch den Ort (auch mittelalterliche Gründung, mit Industriehafen, einem riesigen Getreidesilo und der Fabrik von «absolut»-Wodka) war es sonnig und angenehm warm. Die Rosen blühen inzwischen und die Leute waren am Glacéschlecken.
Donnerstag, 11.06.2026:
Åhus - Åhus, 0 sm.
Wetter: am Morgen ohne Wind und bewölkt, ab Mittag regnerisch, Böen aus allen Richtungen und Gewitter.
Pausetag mit Regen und ohne Wind
Da wir genügend Zeit hatten, verschoben wir das Segeln auf morgen. Heute hatte es keinen Wind, und am Nachmittag war es regnerisch mit Gewitterdonner.
Am Morgen packten wir unsere Bromptons und fuhren nach Süden. Die Strasse führte durch das Naturschutzgebiet Äspets und einen Eichenwald. Am Ende der Strasse kamen wir an die Sandküste, die hier über 2km lang ist, einerseits der naturgeschütze Teil, andererseits DER Badestrand der Region. Diese Küste ist auch bekannt als Aal-Küste, hier standen früher viele Aal-Fischerhütten. Ob die Hütte, die wir sahen, ein Museum ist oder noch eine aktive Fischerhütte, konnten wir nicht erkennen.
Wald ist entlang der ganzen Küste. Sogar ein junges Reh sahen wir. Aber ausserhalb des Naturschutzgebietes war der Wald vollständig mit Sommerhütten übersäht.
Es waren alte Villen mit Holzfronten, aber auch supermoderne Häuser in Containerform mit riesigen Fenstern, jede mit einem grossen Umschwung (und einem Parkplatz).
Nach einem kleinen Umweg durch das Zentrum von Åhus fuhren wir wieder zurück zum Boot. Kaum waren die Räder versorgt, begann es zu regnen. Es regnete auch den ganzen Nachmittag immer wieder, manchmal mit Donner begleitet, sogar mehrmals mit einem Regenbogen, sobald die Sonne wieder schien.
Freitag, 12.06.2026:
Åhus - Simrishamn, 33 sm.
Wetter: meist sonnig, SE-S3-5.
Mit Wind, aber nur zum Aufkreuzen
Erst kurz vor 9 Uhr wurden die Leinen gelöst, weil es früher mangels Wind keinen Sinn machte.
Anfangs war der Wind noch schwach, aber er wurde wie erwartet schnell immer stärker. Am Mittag brauchte das Grosssegel das 2. Reff. Wir mussten wieder aufkreuzen, näher am Land waren die Wellen auch nicht so hoch und der Wind etwas abgeschwächt. Heute wurden keine Schiessübung im Schiessgebiet durchgeführt, so mussten wir auch keinen Umweg fahren. Eine schöne Segelfahrt, das Warten gestern hatte sich gelohnt.
Am Nachmittag kamen wir in Simrishamn an. Der Gästehafen schien uns recht voll, so machten wir am ehemaligen Fischerquai im Westhafen fest. Hier ist der Quai höher als in Sölvesborg, d.h. Immer erst auf den Autopneu an der Wand klettern und dann einen grossen Schritt hinauf. Eine alte Schlinge am Stromkasten angebracht hilft.
Der Spaziergang durch das Städtchen und ein kleiner Einkauf (der Skipper weiss nie im voraus, ob wir eine oder zwei Nächte bleiben [Toni: Die Meteorologen könnens auch nicht besser bei dieser Wetterlage]) sicherte unsere Versorgung.
Am Abend kam noch ein dänisches Segelboot vor uns an den hohen Fischerquai.
Samstag, 13.06.2026:
Simrishamn - Simrishamn, 0 sm.
Wetter: regnerisch, teils starker W.
Gemütlicher Pausetag
Im Laufe des Morgens verlegten wir Regina auf die andere Seite des Hafenbeckens, ebenfalls mit Pneu an der Kaimauer und Fenderbrett bei uns. Dieser Standort ist etwas geeigneter wegen des kommenden Winds, und vor allem ist der Weg zum WC markant kürzer. Zum Mittagessen waren wir an der «Hauptstrasse» in einem gedeckten Draussen-Restaurant, geschützt gegen Regen, aber nicht so gut gegen den kühlen Wind. Nach einem Spaziergang mit Pause (Kaffee und Rhabarberstreuselkuchen mit Schlagrahm und Vanillesosse) gingen wir wieder an Bord und machten es uns gemütlich.
Immer wieder regnete es, aber immer wieder kam die Sonne und wärmte uns unter der Kuchenbude. Für einen Veloausflug war es definitiv nicht das richtige Wetter, und auch das Segeln wäre kein Genuss gewesen, denn neben den Regenschauern hatte es auch teils heftige Windböen.
Sonntag, 14.06.2026:
Simrishamn - Ystad, 33 sm.
Wetter: WNW 4-5, am Morgen leicht bewölkt, später stark bewölkt, viele Regenschauer und Gewitter, kalt.
Ungemütlich hohe Wellen beim Aufkreuzen
Wieder hatte es am Morgen nur 12 Grad im Boot. Draussen in der Kuchenbude wärmte die Sonne und es war angenehm zum Frühstück.
Fenderbrett und Leinenschutz an der Mole mussten weggeräumt werden, wir fuhren los.
Anfangs sauste Regina bei ablandigem Halbwind ohne Wellen mit 7 Knoten schnell durchs Wasser. Doch so schön ging es nicht weiter. Sobald wir am Kap Sandhammaren aus der Landabdeckung kamen, ging es hart am Wind mit Aufkreuzen bei 4-5 Beaufort gegen die hohen Wellen und entsprechend holprig und langsamer. Der Vormittag war noch angenehm trocken mit etwas Sonne, am Nachmittag kamen dunkle Regenwolken, die sich immer wieder entleerten. Auch donnerte es zwei Mal. Regina ist jetzt gründlich gewaschen!
In Ystad konnten wir den letzten Platz an der Pier fürs Längsfestmachen ergattern. An den Fingerstegen war aber noch viel frei, auch wenn nach uns noch viele Boote in den Hafen kamen. Das Anlegemanöver, das Kuchenbudenaufstellen und den Weg zum Hafengebäude und zurück schafften wir noch ohne nass zu werden, dann regnete es wieder.
Montag, 15.06.2026:
Ystad - Ystad, 0 sm.
Wetter: starker böiger W-NW, mehrere Regenschauer.
Ohren-Stress
Tonis Hörgerät ist defekt! Den ganzen morgen über war er beschäftigt, einen Ort zu finden, der das Hörgerät (Lausprecherkabel abgebrochen) reparieren könnte. In Ystad gibt es 2 Hörgeräte-Läden, und beide haben nur je eine Marke in ihrem Programm. Meine Marke Starkey wird hier nirgends betreut, die nächsten Läden sind in Stockholm oder Helsingborg. Aber in Dänemark gibt es Starkey-Hörberater fast wie Sand am Meer, mehrere davon in Kopenhagen, auch eines auf Bornholm.
Am Nachmittag machten wir einen Spaziergang durch die Innenstadt von Ystad, ein sehr schöner und gepflegter Ort mit vielen sehr alten Häusern.
Und am Abend kriegten wir die Antwort vom Support der Firmengruppe, die mehrere Starkey-Hörberater hatte, dass In Helsingborg das notwendige Ersatzteil nicht vorrätig, aber bei ihnen am Lager sei. Gleichzeitig machte er darauf aufmerksam, dass der Versand leider sehr unzuverlässig und langdauernd sei, aber eigentlich könne ich den Lautsprecher auch selber ersetzen.
Wir entschlossen uns, das Schiff nochmals einen Tag hier stehen zu lassen und mit dem Zug nach Kopenhagen zu fahren. Die Adressen der 5 Hörberater haben wir aufgeschrieben.
Dienstag, 16.06.2026:
Ystad - Ystad, 0nm sm.
Wetter: stark bewölkt, garstiger kalter Wind aus NW.
Kopenhagen erfolgreich!
Wir fuhren heute nach Kopenhagen. 1 ½ Stunden dauerte die Zugsfahrt mit 1x umsteigen. Die Velos hatten wir zusammengeklappt in der Hülle dabei. Der Flughafen Kastrup war zwei Stationen vorher und der Zug ab Malmö entsprechend sehr voll, auch sehr viel Gepäck war überall, wir mussten bis zum Flughafen stehen. Aber nachdem fast alle ausgestiegen waren, war viel Platz.
Ungewohnter Stadtbetrieb! Wir fuhren meistens auf Velowegen oder eigentlich Velostrassen zur ersten, nächsten Adresse. Aber das war eine Polyklinik und keine Hörberatung. Die nette Frau am Schalter meinte, unsere zweite Adresse sollte die richtige sein. So ging es weiter zur Hörklinik Valby (wir sind schon etwas ausserhalb Kopenhagens), und so war es auch. Kompetent und schnell erhielten wir das benötigte Teil, sogar ohne Kosten für das Starkey-Hörgerät! Herrlich, wieder auf beiden Ohren zu hören.
Danach gings wieder 8 km zurück ins Zentrum. Sehr viele Velofahrende sind in dieser bekannten Velostadt unterwegs. Keines fährt bei Rot über die Kreuzung! Und beliebig viele Veloparkplätze, und auffallend viele Veloläden gibt es hier.
Zu Fuss spazierten wir durch die Stadt, wärmten uns beim Mittagessen und später im Café auf, um am späteren Nachmittag zurück nach Ystad zu fahren.
Müde kamen wir aufs Boot und genossen die Ruhe und einen heissen Tee.
Mittwoch, 17.06.2026:
Ystad - Gislövs läge, 29 sm.
Wetter: meist bewölkt, etwas Sonne, WSW-SW 3-4.
Gemütliches Amwindsegeln um Smygehuk
Heute ging es wieder am Wind nach Westen. Gut ist es, nach 3 Tagen weiter zu können.
Bei 3-4 bf sind die Wellen nicht schlimm, so war die Fahrt genussvoll. Allerdings gemütlich warm war es nicht! Das Meer hatte draussen nur 9 Grad und die Luft war entsprechend auch kalt. 2 Fasis unter dem Ölzeug war nötig.
Im Hafen von Gislövs läge konnten wir den letzten Platz an der Mole ergattern. Ansonsten hätte es noch viele Pfostenplätze gegeben.
Nach dem Erdbeerdessert nahmen wir schnell die Velos raus und fuhren auf der Veloroute zurück an die südlichste Spitze von Schweden mit dem Leuchtturm Smygehuk, den wir 3 Stunden vorher vom Meer aus gesehen hatten.
Mohnblumen und Natterköpfe blühen und auch eine Fliederhecke blühte noch. Es scheint hier ein nicht so warmer Ort zu sein.
Im Hafen werden schon für das Mittsommerfest Vorbereitungen getroffen.
Donnerstag, 18.06.2026:
Gislövs läge - Falsterbokanalen, 15 sm.
Wetter: W3-5, sonnig und warm.
Endlich Sommer
Wieder ging es am Wind. Aber es war auffallend viel Verkehr: Segler, Fähren, Frachter, Tanker. Anfangs waren die Wellen wieder genau gegen uns, wenn sie auch nicht so hoch waren. Nach dem Wenden ging es besser und wir konnten genussvoll schnell am Wind segeln.
Zu früh waren wir im Kanal und mussten an einer Wartemole festmachen, bis die Brücke aufging. Es war angenehm warm und wir assen unser Zmittag-Birchermüesli mit Erdbeeren. Pünktlich um 13 Uhr ging die Brücke auf und gleich dahinter konnten wir am Steg der Marina anlegen.
Nach dem Kaffee fuhren wir mit den Velos zum grossen Einkaufsgeschäft. Es war so warm, dass auch wir in den kurzen Hosen unterwegs sein konnten. Dort waren extrem viele Leute am Einkaufen. Kein Wunder: die Umgebung von Fasterbo bestand aus Wald und darin hunderte Sommerhäuser wie in Åhus, und das Mittsommerfest vor uns. Wir kamen ziemlich erschlagen wieder zu unseren Velos. Heute wurde etwas aufwändiger gekocht und etwas spät wie fast immer gegessen.
Dann musste noch der Verschluss vom Pantrykasten unter dem Lavabo ersetzt werden. Das Ersatzteil ist seit 13 Jahren in der Ersatzteilkiste mitgefahren und wurde endlich gebraucht!

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