Logbuch Etappe 8:
Fehmarn und Holstein
von Spodsbjerg nach Lübeck
2026-06-25 - 2026-07-03, 9 Tageseinträge, 119 sm.
Nach einer schönen Passage von Dänemark nach Heiligenhafen warteten wir dort einige Tage für das richtige Segelwetter. Wegen Bauarbeiten an der Brücke mussten wir nämlich um die Insel Fehmarn herum nach Burgtiefe segeln. Der Holstein-Küste entlang fuhren wir mit einem Aufenthalt in Travemünde nach Lübeck.
Donnerstag, 25.06.2026:
Spodsbjerg - Heiligenhafen, 39 sm.
Wetter: schön, WNW-NW 2-4.
Passage über Ostsee
Eigentlich wollten wir nach Bagenkop am SW-Ende von Langeland. Aber sowohl der neueste Wetterbericht als auch der aktuelle Wind liessen uns nach fast 2 Stunden schönem Segeln mit Raum- oder Halbwind entscheiden, jetzt weiter geradeaus zu segeln statt um das Südkap von Langeland herum zu kreuzen.
Mit teils sehr schneller Fahrt konnten wir den grössten Teil der Passage segeln, beim Kreuzen der Seestrasse mussten wir einem polnischen Militärfahrzeug ausweichen. Am
Funk gab es ständig irgendwelche Meldungen: z.B. Mayday-Fehlalarm, Kajakfahrer im Wasser, Motorausfall eines Motorboots, usw.
Nachher war es etwas gemütlicher, ausser dass fortwährend die Segel getrimmt wurden, der Wind wurde schwächer und drehte nach NW. 5 Seemeilen vor dem Hafen war er so schwach, dass wir weniger als mit 3 kn unterwegs waren, also Zeit für den Dieselantrieb.
Heiligenhafen hat eine riesige Marina mit mehr als 1000 Schiffsplätzen. Wir meldeten uns telefonisch beim Hafenmeister, er sagte aber nur, vom Steg 6 an aufwärts finden wir sicher einen Platz. Nun, so einfach war das doch nicht, musste man jeweils den ganzen Steg abfahren und zuhinterst wieder umkehren, um eine Lücke mit einem grünen Schild zu finden, am Steg 9 fanden wir noch einen «grünen» Platz.
Nach dem Besuch des Hafenbüros machten wir noch einen Spaziergang durch die Marina und die Feriensiedlungen, schauten auf den riesigen Badestrand und zum Naturschutzgebiet hinüber und gelangten durch die Einkaufs- und Restaurantzone wieder zurück zum Steg 9. Auf der Promenade hatte es noch viel mehr Leute als nur Segler.
Freitag, 26.06.2026:
Heiligenhafen - Heiligenhafen, 0 sm.
Wetter: heiss, wenig Wind aus E.
Karibische Temperaturen
Hier fühlten wir uns wie in der Karibik, nur ist die Luftfeuchtigkeit nicht so unangenehm.
Weil überall andere Information zu finden waren über die Baustelle an der Fehmarnsundbrücke, fuhren wir mit den Velos dorthin, um uns die Brücke anzusehen. Tatsächlich hängt das Gerüstgestell immer noch so, dass die Durchfahrtshöhe für unseren Mast nicht reicht. Also wird es für uns einen Zusatzsegeltörn von fast 40 Seemeilen um die ganze Insel Fehmarn geben. Die Velotour übers Land war wunderschön: viele Kornfelder, die Gerste schon fast erntereif. Und Mohnblumen und Kornblumen am Rand, so was gibts bei uns kaum mehr.
Bei der Rückfahrt kamen wir in Großenbrode auf der anderen Seite der Brücke vorbei. Einer von den drei Häfen wäre für uns geeignet. Es war schon Nachmittag und sehr heiss, als wir zurück zum Boot kamen.
Am späteren Nachmittag gingen wir noch einkaufen. Anschliessend fuhren wir zum Naturschutzgebiet hinüber. Unterwegs besuchten wir die grosse «Seebrücke» am Badestrand mit Aussicht auf die ganze Badebucht, die sehr bevölkert war. Das Naturschutzgebiet war eingezäunt, ein Schild wies darauf hin, dass man nur mit Federkleid rein darf, also wir nicht! Der Zaun war auch entsprechend hoch und ein Hineinkommen unmöglich. Aber auf den Aussichtsturm am Rand des Naturschutzgebiets durfte man steigen. Der Blick vom Turm über das Naturschutzgebiet, zur Stadt und Hafen hinüber und auf den Fehmarnsund mit der Insel Fehmarn gegenüber war schön. Im Frühling dürfte es hier sicher noch mehr Vögel zu sehen geben.
Spät assen wir draussen im Cockpit. Heute gab es nur Salat, wenn es so heiss ist, wird nichts gekocht!
Samstag, 27.06.2026:
Heiligenhafen - Heiligenhafen, 0 sm.
Wetter: heiss und feucht, wenig Wind aus allen Richtungen, Gewitter im Umfeld.
Nochmals Karibik
Vor dem Mittag spazierten wir in die Altstadt und zum Einkaufen, wobei die Duschseife, weshalb wir auch hier waren, vergessen wurde. Es war ja auch sehr heiss . . .
Am Nachmittag blieb es bei einem kurzen Spaziergang auf der Flaniermeile durch den Hafen und dem ersten Glacé des Jahres. Für etwas zusätzlichen Schatten stellten wir das Bimini auf, allerdings gibt es nicht nur Schatten, sondern hält den schwachen Wind leider auch vom Cockpit fern.
Am Nachmittag gab es dann eine offizielle Wetterwarnung für extrem starke Gewitter mit Hagel und Böen bis 100 km/h. Aus den Wetterprognosen hatten wir schon länger gesehen, dass heute Abend und die folgende Nacht bis weit in den Morgen hinein Regen und Gewitter sehr wahrscheinlich sind. Aus diesem Grund und auch wegen des Schwachwinds tagsüber sind wir heute hier geblieben. Auf dem Wetterradar konnten wir den Verlauf der Front beobachten, ein starkes Gewitter zog über Lübeck, und ein anderes via Kiel nach Dänemark. Unsere Schiffsnachbarn waren am Strand und sahen die Blitze vom dortigen Gewitter. Nach dem Duschen – es war schon recht dunkel – sahen wir schwarz-weisse Wolken über den Häusern und plötzlich kam auch (endlich) der Wind, allerdings recht stark und sehr böig, und auch Blitze konnten wir sehen. Vorher bargen wir noch unser Bimini, das wäre nicht wirklich sturmfest.
Sonntag, 28.06.2026:
Heiligenhafen - Heiligenhafen, 0 sm.
Wetter: meist sonnig, sehr warm und feucht, in der Nacht stürmisches Gewitter, tagsüber wenig Wind aus allen Richtungen.
Gewitter und nachfolgende Windstille
Zuerst dachten wir, dass wir nach den Gewittern lossegeln könnten. Aber es hatte so wenig Wind, dass wir fast die ganze Strecke hätten motoren müssen. Und zusätzlich hat Toni die Erkältung oder den Virus von Elisabeth erwischt, so war ein «Abwettern» gerade richtig. Auch wegen des nächtlichen heftigen Gewitters war es angebracht, etwas länger zu schlafen.
Elisabeth machte nochmals einen Spaziergang in die Stadt (Duschseife!), aber sonst blieben wir an Bord, unter dem Sonnensegel immer schön am Schatten. Am Nachmittag kamen alle Bootsleute mit ihrem Liegeplatz von ihrer Badetour zurück, räumten auf und gingen nach Hause. Viele waren am Wochenende auch nur so auf ihrem Boot. Am Abend war es dann still, kein Barbetrieb mehr, und auch keine Boote, die im riesigen Hafen herumkurvten.
Montag, 29.06.2026:
Heiligenhafen - Burgtiefe (Fehmarn), 37 sm.
Wetter: W-NW3-4, am Vormittag Regen, später leicht bewölkt, angenehme Temperatur.
Umrundung Fehmarn
Wegen der Brückenrenovation konnten wir nicht direkt in die Lübecker Bucht hinübersegeln. Aber mit dem Westwind konnten wir ohne Wende um die Insel Fehmarn segeln, manchmal wurde es etwas langsam mit dem Wind direkt von Achtern, aber mit Halsen vor dem Wind gings einigermassen, wir hatten noch einen Knoten Mitstrom nach Osten. Am SE-Zipfel der Insel gings dann hart an den Wind, und mit einigen 18kn-Böen war das Boot ziemlich schräg. Bis zum Kanal der Hafeneinfahrt konnten wir segeln.
Nach dem guten Anlegen zwischen den Pfosten auch bei Seitenwind (langsam kommt die Erfahrung) machten wir noch einen Spaziergang durch die weitläufige Feriensiedlung und Hafenumgebung und zum Strand von Burgtiefe. Es sind noch erstaunlich wenig Leute hier, offenbar sind in Deutschland noch keine Schulferien.
Dienstag, 30.06.2026:
Burgtiefe (Fehmarn) - Travemünde (Passathafen), 31 sm.
Wetter: NE1-3, zuerst sonnig, später bedeckt und am Abend Regen.
Kurzes konzentriertes Leichtwindsegeln
Das Leichtwindsegeln dauerte wohl lange, aber eine grössere Distanz legten wir damit nicht zurück, nur gerade 5 Seemeilen. Der Rest war motoren. Immerhin, die Techniker sagten immer wieder, man müsse den Dieselmotor auch gebrauchen und heiss laufen lassen. Das haben wir heute mal gemacht. Da es morgen auch keinen Wind haben wird, sind wir heute an Grömitz, unserem ursprünglichen Ziel, vorbeigefahren.
Wir waren überrascht, wie viele Gästeplätze im Passathafen von Travemünde noch frei waren. Die Bootsnachbarin sagte, dass allgemein wenig Leute unterwegs seien, teilweise würden sie nicht einmal ihr Boot einwassern, sie meinte, das Geld sei knapp. Wir denken, die Ostsee ist wegen den Russen nicht mehr so attraktiv. Heute hörten wir die Unterhaltung am Funk zwischen der deutschen Küstenwache und einem russischen Kriegsschiff, das ein deutsches Motorboot bedroht hatte, es sei zu nahe. Und ein Mayday in Dänemark hörten wir auch. Auch die deutsche Marine war sehr aktiv, eine ganze Bucht auf der anderen Seite von Holstein wurde für ihre Schiessübungen gesperrt, das Geknalle hörten sogar wir. Gestern wurde ein Tanker (Schattenflotte?) von einem russischen Kriegsschiff begleitet, vorgestern fuhr Putins Yacht in Begleitung von zwei Kriegsschiffen an Fehmarn vorbei.
Mittwoch, 01.07.2026:
Travemünde (Passathafen) - Travemünde (Passathafen), 0 sm.
Wetter: Sonne und Regen und Gewitter, schwache E- und N-Winde.
Pausetag in Travemünde
Nach dem Bordkaffee besuchten wir den Hafenmeister, der gestern nach unser Ankunft nicht mehr in seinem Büro war. Anschliessend fuhren wir mit der Fähre über den Fluss Trave aufs Festland (unsere Marina liegt auf der Insel Priwall). Hier schauten wir uns den Weg zum Bahnhof und die anderen Marinas an, die Gästeplätze haben. Aber der Passat-Hafen ist wohl der geeignetste für uns.
Für den ersten Regenguss verzogen wir uns in die Bäckerei und flanierten anschliessend bei warmer Sonne auf der Touristenmeile bis zum Leuchtturm auf der Aussenmole, weiter draussen als der Sandstrand und das Hotel-Hochhaus. Mit der Nordfähre fuhren wir wieder zurück auf die Insel und zum Hafen.
Am späten Nachmittag gab es ein Gewitter mit recht viel Regen. Danach war es sonnig, warm und windstill. Viel Betrieb war nicht an unserem Steg, aber auf dem Viermaster «Passat» hatte es mehrere Gruppen, und die Fähren nach Skandinavien fuhren auch fleissig ein und aus. Um 23 Uhr war der Himmel immer noch nordisch hell.
Donnerstag, 02.07.2026:
Travemünde (Passathafen) - Lübeck, 12 sm.
Wetter: zuerst sonnig und windstill, später stark bewölkt mit Regenschauer und SW3-5.
Motorbootfahrt auf der Trave
Die Brückenöffnung vor Lübeck um 12:30 Uhr schafften wir problemlos auch gegen den Wind und Strom, wir waren etwa eine Viertelstunde zu früh dort. Die Fahrt war – obwohl wir nicht segeln konnten – spannend und schön, auch wenn uns ein erster Regenschauer unterwegs traf. Zuerst ging es entlang der Häuser und Hafenanlagen von Travemünde, dann kamen wir am Fischerhafen und an zwei Werften vorbei, darauf folgte der Skandinavien-Quai der grossen Fähren nach Trelleborg, Stockholm, Finnland, Litauen. Anschliessend fuhren wir den Fluss Trave hinauf, wir kamen an Naturschutzgebieten, kleinen Dörfchen, kleinen Marinas und kleinen Werften vorbei, und zwischendurch führte der Weg entlang hoher Quais mit grösseren Frachtern in den Industriegebieten, aber meist waren wir auf einem Fluss mit grünen Wäldern auf beiden Seiten.
Grössere Frachter standen auch kurz vor der Brücke, hier wurden Holzstämme verladen, auch andere Industriebetriebe mit Schiffsanschluss standen hier an der Trave. Zum Glück ist uns keiner dieser Frachter entgegengekommen.
Nach der Klappbrücke war es nicht mehr weit bis zur Newport-Marina in der City von Lübeck. Es standen viele grosse Motorboote und nur wenige Segler hier, viele Boote schienen wie hier abgestellt. Von den rund 80 Plätzen sind auch nur 35 Gästeplätze, wir mussten schon früh einen Platz reservieren.
Am Nachmittag, nach dem nächsten Regenguss, spazierten wir durch die Altstadt von Lübeck und machten dabei auch die notwendigen Einkäufe. Zwischendurch regnete es wieder, wir waren aber rechtzeitig im Café. Lübecks Innenstadt ist als Gesamtes ein UNESCO-Weltkulturerbe, Lübeck war auch das Zentrum der Hansezeit. Es ist wirklich ein Genuss, durch die Strassen zu schlendern und die schöne Stadt mit den vielen alten Häusern anzuschauen.
Freitag, 03.07.2026:
Lübeck - Lübeck, 0 sm.
Wetter: meist sonnig, aber stürmischer Wind aus SW.
Das Zentrum der Hanse
Heute besuchten wir das europäische Hansemuseum. Die spannend und sehr schön gestaltete Ausstellung über die ganze 800jährige Geschichte der Hanse (Organisation des Handels im Ostseeraum, Nord- und Westeuropa zwischen 1100 und 1700) ist in vielen Räumen verteilt. Wir verbrachten über 2 ½ Stunden dort. Lübeck ist eines der wichtigsten Zentren aus der Hansezeit.
Danach wanderten wir auf der empfohlenen Route durch die Altstadt. Die vielen alten Häuser, mit blühenden Rosenbüschen und Malven davor sehen wirklich sehr schön aus. Auch kann man oft durch den Eingang in den Innenhof schauen, wo weitere kleine Häuserreihen mit Sitzplätzen zu sehen sind. Die Leute, die dort wohnen sind weg vom Stadtbetrieb.
Das Heiligen-Geist-Hospital ist ein kirchenähnliches altes Backsteingebäude aus dem 13. Jahrhundert und die kleinen Zimmer sind noch erhalten. Die St. Marienkirche ist die erste Kirche, die in Backsteingotik errichtet wurde und diente im Ostseeraum als Vorbild.

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