Logbuch Etappe 9:
Lübecker Bucht
von Lübeck nach Anker Haffkrug (Neustädter Bucht)
2026-07-04 - 2026-07-11, 8 Tageseinträge, 63 sm.
Mit Gästen (Sohn und Enkel) segelten wir von Lübeck (ein Tag warten wegen defekter Brücke, Museumsbesuch) nach Travemünde (ein Tag abwettern, dafür Passat-Besuch). Nachher kreuzten wir in der Lübecker Bucht herum und verbrachten einen Tag in der Marina des Ostseebads Grömitz und einen Tag unter Anker bei Haffkrug. Die Gäste fuhren ab Travemünde zurück in die Schweiz.
Samstag, 04.07.2026:
Lübeck - Lübeck, 0 sm.
Wetter: meist bedeckt, einige Regenschauer, starke Winde aus SW.
Ankunft der Gäste
Bis zur Rückkehr vom Einkaufen blieb es trocken, später hatte es immer wieder Regenschauer. Aber vor dem Einkaufen musste das Schiff noch vorbereitet und umgepackt werden, denn 3 Personen zusätzlich, die in der Achterkabine schlafen werden, brauchen ihren Platz. Gleichzeitig mit dem Umverteilen der Ausrüstungen musste das Boot wieder auch innen gereinigt werden, der Kühlschrank wurde abgetaut und gereinigt, etc.
Nach dem Mittagsregen mussten wir eine zweite Runde mit Einkaufen machen, zum Glück ist der Laden nicht sehr weit entfernt. Und bald wurde es auch Zeit, unsere Gäste am Bahnhof abzuholen.
Unser Sohn und seine Kinder werden nun für einige Tage mit uns segeln.
Sonntag, 05.07.2026:
Lübeck - Lübeck, 0 sm.
Wetter: meist sonnig und leicht bewölkt, aber starker SW.
Blockiert wegen kaputter Brücke
Unsere Stegnachbarn fuhren schon zur ersten Brückenöffnung am Morgen los, sie kamen aber nach einer halben Stunde wieder zurück. Die Brücke sei defekt und kann nicht hochklappen, berichteten sie. Auch wir telefonierten mit dem Brückenwart, der den Defekt bestätigte und meinte, morgen kann sie repariert werden, möglicherweise geht die Nachmittagsöffnung. So buchten wir halt nochmals eine Nacht.
Den restlichen Morgen nutzten wir für die Einführung der Crew und für Sicherheitsinstruktionen. Und die Enkel wollten unbedingt auf den Mast, so waren wir auch ein Weilchen beschäftigt, sie am Spi-Fall hochzuziehen und wieder runterzulassen.
Unsere Gäste machten nach dem Mittagessen einen Besuch im Hansemuseum, auch wir spazierten einmal mehr durch die Stadt.
Nun sind wir gespannt, ob wir morgen diesen Hafen verlassen können oder wir eingesperrt bleiben in Lübeck.
Montag, 06.07.2026:
Lübeck - Travemünde (Passathafen), 12 sm.
Wetter: regnerisch und ohne Sonne, SW2-5.
Brücke funktioniert wieder
Unsere Nachbarn fuhren bereits mit der Morgenöffnung der Brücke, wir verifizierten die Oeffnung für den Mittag per Telefon. Der Defekt sei nicht behoben, aber die Brücke könne sich öffnen. Wir hatten das Gefühl, die Brücke gehe viel langsamer auf und zu als damals, als wir nach Lübeck fuhren.
Bald nach der Brücke konnten wir mit der Genua und Vorwind auf der Trave segeln, manchmal sehr langsam, manchmal auch sehr schnell, der Wind war sehr unterschiedlich in Stärke und Richtung. Wir fuhren durch Naturgebiete, an Industriezonen, an Werften vorbei und bestaunten die grossen Frachter, die bis hierhin den Fluss Trave hinauf fuhren. Unterwegs wurden wir von der Fähre Lübeck-Travemünde überholt, einige wenige Motorboote fuhren flussaufwärts. Kurz vor dem Skandinavienkai mit den Fähren nach Schweden und Finnland gab es besonders viel Wind und Regen und wir wechselten von Genua auf Motor.
Im Passat-Hafen in Travemünde, den wir vom letzten Besuch schon kannten, versuchten wir in eine Box gerade beim Passat-Segelschiff zu fahren, blieben aber stecken, weil die Pfosten zu eng waren für uns. So wechselten wir wieder in die gleiche Box, die wir letzte Woche schon hatten.
Dienstag, 07.07.2026:
Travemünde (Passathafen) - Travemünde (Passathafen), 0 sm.
Wetter: regnerisch und stürmisch, am Abend etwas Sonne.
Zwangspausetag wegen Starkwind und Regen
Am Vormittag besuchten wir die «Passat», den grossen Viermastfrachtsegler, den wir immer von unserem Hafenplatz aus sehen. 1911 wurde er gebaut (gleiches Baujahr wie die Titanic) und wurde als Frachter zwischen Südamerika, Australien und Europa eingesetzt. Das Schiff liegt jetzt als Museumsschiff und Event-Übernachtungsschiff vor dem Yachthafen und ist ein Wahrzeichen von Travemünde. Meistens regnete und stürmte es.
Am Nachmittag ging es noch in die Ausstellung mit Aquarium, um die Meeresbewohner der Ostsee anzuschauen. Kurze Spielplatzbesuche dazwischen und ein Spaziergang am Strand in den Regenpausen waren auch machbar.
Am Spätnachmittag gings mit der Fähre über den Fluss ins Städtchen. Es regnete wieder. Znacht gab es heute in einer Pizzeria, und nach dem Essen schien die Sonne.
Mittwoch, 08.07.2026:
Travemünde (Passathafen) - Grömitz, 12 sm.
Wetter: zuerst bedeckt, später sonnig, W3-5.
Segeln!
Mit so vielen Leuten an Bord brauchte es seine Zeit, bis wir ablegen konnten. Es hatte bereits im Hafen recht viel Wind, und beim Segelsetzen wurde das Gross nur bis zum Reff 1 ausgerollt. Später kriegte das Genua auch das erste Reff und das Grosssegel das zweite Reff. So konnten wir ohne Stress mit Halbwind bei 5 bft segeln, auch die Enkel waren am Steuer und konnten den Kurs recht gut halten.
Mit diesem schönen Wind segelten wir recht schnell und erreichten unseren Zielhafen Grömitz noch vor dem Mittagessen. Wir legten zwischen zwei grossen Motorbooten an und die Heckpfosten waren weit auseinander und vor allem sehr weit hinten, unsere Leinen reichten nur ganz knapp.
Am Nachmittag wurden die Bromptons hinausgeschleppt und die Kinder machten mit Mathis je eine Rundtour ins Landesinnere. Beim kurzen Schwimmen im 18 Grad warmen Meer waren nur Louisa und Elisabeth. Nach dem Spaghetti-Znacht spazierten wir auf dem Strandpromenadenweg zur nächsten Eisdiele und genossen den Dessert.
Donnerstag, 09.07.2026:
Grömitz - Anker Haffkrug (Neustädter Bucht), 21 sm.
Wetter: W2-3, am Morgen bedeckt, später sonnig.
Gemütliche Segelreise zum Ankern
Bericht Mathis
Mit dem Ziel fernab der Touristen zu ankern, fuhren wir ziellose Manöver in der Ostsee: Den Kurs nach Kompass zu halten fällt den Kindern leichter, als hart am Wind zu steuern. Je mehr Schräglage, desto besser! Live Gesang «Pirates of the Caribien» vom Bugkorb.
«German Warship» funkt sich den Weg frei und kommandiert die Segeljachten weg.
Die Kinder fürchten sich vor winzigen Spinnen an Bord, aber möchten gern beim Bad in Meer die Quallen berühren.
Freitag, 10.07.2026:
Anker Haffkrug (Neustädter Bucht) - Travemünde (Passathafen), 9 sm.
Wetter: NNW-WSW 0-2, zuerst bedeckt, später sonnig.
Sehr gemütliches Weitersegeln
Weil Jonas den Anker gestern runterlassen durfte, durfte Louisa ihn heute hochnehmen (die Ankerwinsch bedienen). Dann segelten wir im Schritttempo nach Travemünde. Bei dem wenigen Wind war das Steuern auch nicht mehr so spannend, sie sassen lieber vorne am Bug.
Beim Pfostenmanöver sind wir mittlerweile ein eingespieltes Team, Palstek über den Pfosten, die Kinder lassen die Fender über die Reeling und am Steg war heute sogar ein Nachbar, der die Bugleinen festmachte.
Am Nachmittag war das Meer am Strand schon wärmer und allein waren wir auch nicht!
Die Musik im Hafen dauerte bis nach Sonnenuntergang.
Samstag, 11.07.2026:
Travemünde (Passathafen) - Anker Haffkrug (Neustädter Bucht), 9 sm.
Wetter: sonnig und windstill oder sehr wenig NE.
Abschied und langsame Weiterfahrt
Heute hiess es früh aufstehen (06:15 Uhr). Wir begleiteten unsere Gäste bis zur Fähre, wo sie zum Bahnhof hinüber fahren mussten.
Wir frühstückten anschliessend noch gemütlich, füllten den Wassertank und konnten bei Windstille stressfrei ablegen. Die 6 zusätzlichen Hände fehlten natürlich, jetzt müssen wir uns wieder umgewöhnen.
Es war wieder Zeitlupensegeln. Den Ankerplatz erreichten wir erst weit nach dem Mittag. Heute war viel los am Strand, Wochenende und alles voll. Dazu laute Musik bis nach Sonnenuntergang und eine Unmenge von Motorbooten und rasenden Scootern, die scheusslichen Schwell produzierten. Regina schaukelte immer wieder ziemlich fest. Heute war das Meer quallenfrei, erstaunlich! Und dazu 21 Grad warm, wir ankerten auf 5-6 Metern. Beim Schwimmen konnte auch die Wasserlinie geputzt werden.
Mit einer Nachmittagsruhe war es leider nichts, dafür hatten wir den falschen Ankerplatz erwischt. Immerhin stoppte die Musik genau um 22 Uhr, dann hatten wir den Strand für uns allein.

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